Darf mein Nachbar das?
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Darf mein Nachbar das?

20.08.2021

Grillen

Wie oft darf gegrillt werden?

Generell gibt es zumindest bei uns in Baden-Württemberg keine Begrenzung. Ihr dürft also so viele Grillabende veranstalten, wie Ihr wollt – solltet aber darauf achten, dass der Nachbar nicht durch zu viel Rauch oder Lärm belästigt wird.

Einschränkungen kann es geben, wenn Euch Haus und Grundstück nicht selbst gehören, sondern Ihr nur Mieter seid. Da kann also die Hausordnung das Grillen einschränken. In einem Mehrfamilienhaus darf oft nur bis zur Ruhezeit gegrillt werden, diese ist unterschiedlich, aber startet meistens um 22 Uhr. Ein Trick, der übrigens immer gut funktioniert, um Streit zu vermeiden: ladet Euren Nachbarn einfach zum Grillen ein!

Spielt es eine Rolle ob ich mit Gas oder Kohle Grille?

Grundsätzlich spielt es keine Rolle, welchen Grill Ihr benutzt. Wenn Ihr aber in einem Mehrfamilienhaus zur Miete wohnt und im Mietvertrag steht, dass ein Kohlegrill auf der Terrasse oder dem Balkon untersagt ist, dann darf dieser auch nicht genutzt werden. Trotzdem sollte man seinen Nachbarn zuliebe am besten nicht so oft mit einem Kohlegrill grillen, da die Rauchentwicklung bei einem Kohlegrill natürlich viel größer ist.

Garten und Pflanzen

Dürfen Katzen in fremde Gärten?

Katzen dürfen nicht nur in fremde Gärten, sie dürfen sogar Blumenbeete als Katzenklo benutzen. Trotzdem gibt es Grenzen, wenn es zu viele Katzen werden. Das Landgericht Lüneburg hat in einem Fall entschieden, dass zwei frei herumlaufende Katzen pro Nachbar geduldet werden müssen. Katzen dürfen also frei durch die Nachbarschaft wandern, für andere Tiere gilt das nicht: Euer Nachbar kann also nicht einfach seinen Hund zu Euch in den Garten schicken.

Darf ich Obst pflücken, das zu mir in den Garten wächst?

Wenn der Obstbaum vom Nachbargrundstück über das Grundstück wächst, ist es nicht gestattet sich einfach so zu bedienen. Wenn aber Obst vom Baum runterfällt, gehört es der Person, auf dessen Grundstück es fällt. Wenn man aber versucht nachzuhelfen indem man an dem Baum schüttelt macht man sich ebenfalls strafbar.

Darf ich Pflanzen, die zu mir rüberwachsen abschneiden?

Wuchern Pflanzen aus dem Nachbargarten zu Euch herüber oder reichen Äste von dort über die Hecke, könnt Ihr in bestimmten Fällen dagegen vorgehen. Einfach abschneiden solltet Ihr die aber nicht. Mancher Orts sind Bäume sogar durch Baumschutzverordnungen geschützt. Außerdem dürfen Bäume, Hecken und Büsche laut Bundesnaturschutzgesetz nur schonend beschnitten werden. Wenn die Äste eines Nachbarbaums jedoch die eigenen Pflanzen beim Wachstum behindern, dürfen sie gekürzt werden. Ihr müsst Eurem Nachbar aber eine angemessene Frist setzen, bis wann er die Pflanzen selbst einkürzen muss – erst dann könnt Ihr selber Säge oder Heckenschere ansetzen.

Lärm und Musik

Darf mein Nachbar früh morgens Rasenmähen?

An Werktagen darf von 7 bis 20 Uhr Rasen gemäht werden, außerhalb dieser Zeiten ist es untersagt. An Sonn- und Feiertagen ist das Mähen von Rasen allgemein untersagt. Wenn Euer Nachbar also Sonntagmorgens seinen Rasen mäht, ist das verboten. Gleiches gilt übrigens auch für andere, laute Gartengeräte oder Werkzeuge wie Kreissägen.

Was ist mit lauter Musik?

Egal welche Musikrichtung, wenn Musik aus Lautsprechern abgespielt wird, muss man auf seine Nachbarn Rücksicht nehmen. Ab 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ist alles über Zimmerlautstärke zu laut und wird nicht geduldet. Wird die Stereoanlage nachts voll aufgedreht, so muss man mit Bußgeldern von bis zu 5.000 Euro rechnen.

Dürfen Kinder Lärm machen?

Kinder dürfen Lärm machen. Nächtliches Baby-Geschrei kann ohnehin nicht verboten werden, auch einen normalen Geräuschpegel bei kleinen Kindern müssen Nachbarn einfach so hinnehmen. Je kleiner Kinder sind, desto mehr haben sie das Recht darauf, etwas lauter zu sein.

Hundegebell und Hahnenkrähen - was ist erlaubt?

Ein lautes Hundegebell stört die Nachbarn und kann deshalb auf Dauer nicht einfach so hingenommen werden. Es gibt aber keine wirklichen Regeln dafür, denn es kommt immer auf die Situation an. Das Krähen eines Hahns muss in ländlicheren Umgebungen einfach hingenommen werden. Wenn es sich bei der Hühnerhaltung um eine Ortsübliche Nutzung handelt, dann können Nachbarn dagegen nichts machen.

Rechtsanwältin Eveline Fischer hat bereits eine ganze Menge Nachbarschaftsstreitigkeiten miterlebt - welche skurrile Fälle sie erlebt hat und warum Nachbarn möglichst vermeiden sollten, gemeinsam vor Gericht zu landen, erzählt sie Lena Schaffer im Interview:

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