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Live im Interview: Montag, 8 bis 9 Uhr

Wie geht es weiter mit Schulen und Kitas in Baden-Württemberg? Kultusministerin Susanne Eisenmann hat sich Euren Fragen gestellt - ihre Antworten könnt Ihr hier nachlesen. Die Seite wird noch innerhalb der nächsten Stunde ergänzt.

 

Öffnung von Schulen und Kitas

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Öffnen Schulen und Kitas ab dem 1. Februar wieder?

Wir haben eine hohe soziale Verantwortung. Viele Kinder sind in schwierigen, sozialen Verhältnissen. Es geht um Bildung und Betreuung und ein differenziertes Vorgehen. Der Ministerpräsident und ich werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und entscheiden, was wir machen. Aber wir müssen aufpassen, dass nicht gerade die Kinder und ihre Eltern und Familien zu den Verlieren der Pandemie werden. Das gilt für Kitas und Grundschulen. Für die älteren Schüler*innen gilt Fernunterricht auf jeden Fall bis zu den Faschingsferein. 

Gibt es ein langfristiges Konzept zur Öffnung und Offenhaltung der Schulen?

Grundsätzlich gilt: Präsenzunterricht ist das Beste, wenn es die Infektionszahlen zulassen, weil da am besten gelernt werden kann. Wenn die Zahlen steigen, stellt man um auf Wechselunterricht und bei hohen Inzidenzzahlen gilt digitaler Fernunterricht. Das sind die drei Stufen, die letztes Jahr schon ausprobiert wurden, und das ist die Grundlage. Wir haben langfristig groß Hoffnungen auf den Impfstoff, und ich glaube, mehr Tests ermöglichen uns Stabilität, trotz dessen, dass das Corona-Virus variabel ist.

Was entgegnen Sie denen, die eine Öffnung im Februar als zu früh sehen?

In Baden-Württemberg gilt keine Präsenzpflicht. Wer Angst hat, sein Kind in die Schule zu schicken, muss das nicht tun, da nehmen wir Rücksicht. Aber immer mehr Kinder kommen in die Notbetreuung, Kitas und Grundschulen sind ja nicht geschlossen. Und wo betreut wird, kann man auch unterrichten. 

Wie sieht ein sinnvolles und umsetzbares Hygienekonzept für Schulen aus?

Wir werden ums Lüften nicht herumkommen, das ist auch die Vorgabe des Umweltbundesamtes. Auch Belüftungsgeräte helfen nicht unbedingt. Deshalb werden wir auch in Zukunft stoßlüften müssen, anders bekommt man Corona nicht aus den Räumen. An weiterführenden Schulen gilt Maske im Gebäude und im Unterricht. Wir setzen auf feste Gruppen, lassen keine außerschulischen Partner an die Schulen, der Unterricht beginnt zu unterschiedlichen Zeiten… All dieses ist abgestimmt mit Experten. Das sind die Grundlagen, die weiterhin gelten müssen bei allen organisatorischen Herausforderungen. 

Warum haben die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren weiterhin geöffnet?

Es sind nicht alle geöffnet, aber die für Kinder mit körperlicher und geistiger Behinderung. Weil wir von Psychologen und Ärzten wissen wie wichtig es ist, dass diese Kinder Struktur haben und Stabilität brauchen. Und da gehören auch die SBBZ dazu. Ich bin sehr dankbar für die Beschäftigten dort. Die Kinder müssen nicht hingeschickt werden, wir haben keine Präsenzpflicht. Schutzkleidung stellen wir den Beschäftigten selbstverständlich zu Verfügung.

Ist es möglich, Ferien vorzuziehen um länger zu schließen und die Schulen öffnen, wenn die Lage sich gebessert hat?

Ich glaube, dass es wenig Sinn macht, an die Ferienregelungen zu gehen. Das sorgt nur für weitere Probleme. Jeder braucht auch eine gewisse Pause. Daher sage ich, wir lassen die Ferien wie sie sind. Dann kann sich jeder fest darauf einstellen und Pläne müssen nicht über den Haufen geworfen werden.

Prüfungen und Lernstoff

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Gibt es eine Strategie, um den Abschlussklassen eine faire Prüfung zu ermöglichen? Warum überlässt das Ministerium es den Schulen, wie sie mit Abschlussklassen umgehen?

Wir haben die Prüfungen um drei bis vier Wochen nach hinten verschoben, um mehr Zeit zu haben. Wir stellen den Lehrern mehr Prüfungsaufgaben zur Auswahl zu Verfügung, damit die passgenau wählen können, was in den Klassen auch unterrichtet werden konnte. Wir haben auch die Zulassungen geändert, man kann beispielsweise mehr mündlich machen. Die Prüfungen sollen fair sein, aber nicht geschenkt. Die Schulen können in Präsenz Klassenarbeiten schreiben oder Dinge unterrichten, die für die Prüfungen in Präsenz relevant sind. Das entscheidet die Schule vor Ort. Ich glaube, es ist schwierig, aus Stuttgart für alle das gleiche vorzugeben. Aber wir werden prüfen, ob wir konkretisieren können, damit nicht der Eindruck entsteht, jeder macht etwas anderes.

Ist es möglich, ein optionales Durchschnittsabitur anzubieten?

(Mit dem Durchschnittsabi ist eine Abschlussnote aus dem Schnitt der Klassenarbeiten gemeint.)

Nein, wir brauchen ein einheitliches Vorgehen. Das ist auch mit den anderen Ländern abgestimmt. Bewerbungen an Universitäten müssen beispielsweise alle gleich behandelt werden. Ich glaube nicht, dass ein Durchschnittsabi besonders klug wäre.

Könnte der Lehrplan nicht an die verpassten Inhalte angepasst werden?

Wir reagieren tatsächlich. Wir haben dieses Jahr schon reduziert, wir werden sehen, wie wir im nächsten Jahr damit umgehen. Wir wollen ihn aber auch nicht zu sehr reduzieren, um nachher nicht zu viel wieder aufholen zu müssen. Es gibt auch Prüfungen und Zulassungen, die Bundesweit gelten. Wir müssen also darauf achten, dass wir es abgestimmt machen ohne die Kinder zu überfordern.

Gibt es ein Konzept, wie die entstandenen Bildungsdefizite aufgearbeitet werden?

Wir haben die Bildungspläne konzentriert, dass die existenziellen Inhalte mehr geübt und vermittelt werden können. Wir haben die letzten Sommerferien die sogenannten Lernbrücken, also Nachhilfe, angeboten. Das wurde irre kritisiert, aber diejenigen, die es angenommen haben, waren sehr zufrieden. Wir werden uns überlegen, was wir in Ferien anbieten können. Aber zunächst ist der erste Schritt zu sehen, wie wir Schulen wieder öffnen und Schüler*innen Bildung und Betreuung anbieten können.

Fernunterricht

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Warum wird der Fernunterricht an den verschieden Schulen so unterschiedlich gehandhabt?

 Es gibt klare Vorgaben, die sich aber nicht auf alle Fächer beziehen. Es ist vorgeschrieben, was im Fernunterricht gemacht sein und wer wie erreichbar sein muss. Die Lehrer*innen müssen dokumentieren, was sie machen. Aber wir konzentrieren uns auf die Hauptfächer. Spielräume gibt es in den Nebenfächern. Dadurch entsteht der Eindruck, dass eine Schule mehr oder weniger macht.

Wie können Eltern finanziell und mental entlastet werden?

Zur finanziellen Entlastung haben wir in Baden-Württemberg 300.000 Laptops an Schüler*innen verteilt. Wir haben Fernunterricht, aber klar ist, je kleiner die Kinder, desto mehr hängt es natürlich an den Eltern. Klasse 1 und 2 die können nicht lesen und schreiben, die können auch nicht digital Unterricht machen. Das ist eine große Belastung für Eltern, das weiß ich, ich habe großen Respekt davor. Je mehr Präsenz an den Schulen, umso besser. Wir müssen darauf achten, welche Perspektive wir Familien, Eltern und Alleinerziehenden bieten.

Sind Berufsschulen verpflichtet, auch Fernunterricht anzubieten? Ist es erlaubt, dass Azubis dauerhaft arbeiten, statt online unterrichtet zu werden?

Zur dualen Ausbildung gehört auch die Theorie und der Unterricht. Auch dafür gibt es Konzepte. Wenn das nicht so ist, sollte mit dem Arbeitgeber oder der Berufsschule gesprochen werden.

Digitalisierung

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Warum werden an den Schulen verschiedene Lernplattformen genutzt?

Wir wollen das auch zukünftig als Angebot haben. Wir haben Moodle und andere, aus den man wählen kann. Eine Berufliche Schule macht etwas anderes als eine Grundschule. 

Warum hinken die Schulen in der Digitalisierung hinterher?

Ich glaube, ganz Deutschland ist in der Frage der Digitalisierung nicht gut aufgestellt. Da gehören auch die Schulen dazu. Aber wenn ich sehe, dass die Gesundheitsämter noch mit Fax und Bleistift arbeiten, ist es vielleicht nicht nur ein Schulproblem. Wir haben in Baden-Württemberg gut funktionierenden Fernunterricht. In manchen Bereichen müssen wir nacharbeiten. Wir haben Laptops an die Schulen gebracht und wir bieten seit den Pfingstferien kontinuierlich Fortbildungen für Lehrkräfte an. Da passiert viel, ist auch notwendig, aber dass wir an den Schulen besonders schlecht da stehen im Vergleich zu anderen Bereichen, ist auch nicht wahr. Ja, wir holen auf, das ist dringend Notwendig, da werden wir noch viel machen müssen, aber wir sind im Vergleich zum letzten Frühjahr einen wichtigen Schritt voran. 

Wann bekommt jedes Kind ein vernünftiges Endgerät fürs Homeschooling?

Wir haben in den letzten Monaten 300.000 Laptops angeschafft. Die Lehrer*innen werden in den nächsten Monaten alle mobile Endgeräte bekommen. Die Rückmeldung aus den Schulen ist, das bereits sehr viele ein solches Gerät haben. 

Wann bekommen alle Schulen eine schnelle Internetverbindung?

Das Land Baden-Württemberg hat in den letzten fünf Jahren eine Milliarde in den Ausbau des schnellen Internets investiert hat. Für die Umsetzung vor Ort sind die Schulträger zuständig. Wir werden weiter Geld in den Ausbau stecken müssen, aber wir haben auch in gesamt Deutschland noch Nachholbedarf. 

Kitas

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Warum wird wenig Rücksicht auf die Erzieher in Kitas genommen? Diese Arbeiten oft komplett ungeschützt.

Ich verstehe das Anliegen. Wir haben die letzten Monate kostenlose, freiwillige Tests für Lehrkräfte und Erzieher*innen angeboten. Wir sind mit den Trägern der im Gespräch, die für die Kitas zuständig sind. Wir haben auch in der Notbetreuung viele Kinder, die Kitas sind ja nicht zu. Die Frage, wie wir sie da schützen nehmen wir ernst, und ich bin überzeugt, dass das auch die Träger und Arbeitgeber tun.

 

Warum werden nur Lehrer, aber nicht die Erzieher mit kostenlosen Masken ausgestattet?

Da bin ich nicht ganz die richtige Ansprechpartnerin. Für die Lehrkräfte bin ich als Arbeitgeber zuständig. Aber die Kitas sind durch die Träger geleitet, 40 Prozent kommunal, der Rest freie Träger. Wir sind in ständiger Abstimmung und wir werden uns bemühen, auch Ihnen Masken zu Verfügung zu stellen. Ich unterstütze das, aber da habe ich keine direkte Zuständigkeit. Ich bedaure das und wir werden schauen, wie wir Lösungen finden. 

 

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