Als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz hält Schweitzer engen Kontakt zur großen US-Militärpräsenz im Bundesland., © Boris Roessler/dpa
Als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz hält Schweitzer engen Kontakt zur großen US-Militärpräsenz im Bundesland. Boris Roessler/dpa, dpa
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Betonierte Bündnistreue

29.08.2025

Das deutsch-amerikanische Verhältnis war schon einmal besser. Ob Handelsfragen oder Geopolitik – die Liste der Reibungspunkte ist lang. Und doch gibt es Orte, an denen die Partnerschaft unerschütterlich wirkt. Weilerbach in Rheinland-Pfalz ist so ein Ort. Zwischen Wald und Feldern errichten die USA hier das größte Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten - und einen wichtigen Baustein im transatlantischen Beziehungsgefüge.

Warum ist es eine Baustelle der Superlative?

Üppige 47 Hektar misst das Gelände, auf dem einst 4.680 Räume und 120 Behandlungszimmer Platz finden. Eine Infrastruktur wie eine Kleinstadt. Rund 2.500 Menschen werden hier arbeiten. Die Kosten: etwa 1,59 Milliarden US-Dollar (rund 1,46 Mrd. Euro), von denen Deutschland anteilige Planungskosten von 266 Millionen Euro übernimmt. Das Krankenhaus dient nicht nur den rund 50.000 US-Militärangehörigen und ihrer Familien in der Region. Es soll auch die Versorgung von rund 200.000 Soldatinnen und Soldaten in Einsätzen und im aktiven Dienst in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sicherstellen.

Was bedeutet das Projekt politisch?

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) bezeichnete das Projekt bei einem Besuch der Großbaustelle heute als «wirkliches Monument der Freundschaft und Zusammenarbeit». Es war für den stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden weit mehr als ein Pflichttermin: Die Klinik gilt als strategisches Bekenntnis – zur Präsenz amerikanischer Truppen in Europa und zur Rolle des Bundeslandes als sicherheitspolitischer Brückenkopf.

David Sirakov, Politikwissenschaftler und Leiter der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, sagt: «Die Investitionen der US-Regierung sind ein bedeutendes Zeichen der Kontinuität.» Das Projekt sende ein klares Signal: Trotz aller globalen Spannungen bleibe das beiderseitige Vertrauen bestehen, meint Sirakov, der die Landesregierung in den Beziehungen zu den USA berät.

Hatte Trump nicht mit einem Abzug von Soldaten gedroht?

Nach jüngsten Angaben des Europa-Kommandos der US-Streitkräfte sind rund 78.000 US-Soldaten in Europa stationiert - darunter etwa 37.000 in Deutschland. US-Präsident Donald Trump hatte in seiner ersten Amtszeit mit einer Reduzierung in Deutschland gedroht. Allerdings machte er jüngst Hoffnung, die Truppenstärke zu belassen. Schweitzer sagte in Weilerbach, er sehe derzeit keinen Grund zur Beunruhigung. «Aber es ist wichtig, dass wir in Gespräche investieren, damit wir nahe beieinander bleiben.»

Warum spielt das Bundesland eine Schlüsselrolle?

Schon in wenigen Wochen reist Ministerpräsident Schweitzer mit einer Delegation in die USA – Gespräche führen, Netzwerke pflegen, Verlässlichkeit demonstrieren. Dass er vorher den Schulterschluss mit US-Verantwortlichen vor Ort sucht, passt für Sirakov ins Bild. Denn Rheinland-Pfalz ist mehr als ein Gastgeber - das Bundesland gilt als ein geopolitischer Angelpunkt.

Mit dem riesigen Stützpunkt Ramstein liegt hier die größte US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten. Von der Air Base mit rund 8.000 Soldaten können unter anderem US-Drohnenangriffe gesteuert werden. Und in der Eifel sollen auf dem Militärflughafen Büchel US-Atomwaffen lagern.

Was verbindet Trump mit Rheinland-Pfalz?

Als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kürzlich Trump nach Deutschland einlud, schlug er Rheinland-Pfalz vor. Merz kennt die Pfalz vom Wehrdienst. Der US-Präsident kennt sie – wenn überhaupt – aus Familiengeschichten.

Seine Großeltern väterlicherseits stammen aus dem pfälzischen Kallstadt. In dem 1.250-Seelen-Winzerdorf im Kreis Bad Dürkheim nahm die Geschichte der Trumps im 19. Jahrhundert ihren Lauf – mit der Auswanderung nach Amerika.

 Weilerbach gilt als größte Baustelle der deutsch-amerikanischen Beziehungen., © Boris Roessler/dpa
Das Krankenhaus steht unweit des US-Stützpunkts Ramstein., © Boris Roessler/dpa
Das Areal der geplanten Klinik ist so groß wie 112 Fußballfelder., © Boris Roessler/dpa

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