Original Ostermann: Siebenschläfertag

Der 27. Juni – das Datum des deutschen Wetterwahnsinns, wenn alle plötzlich zu Meteorologen werden. Der sogenannte Siebenschläfertag.
Ein uralter Lostag, der übrigens nichts mit dem Tier zu tun hat. Der Name stammt von einer christlichen Legende über sieben junge Männer, die sich in einer Höhle versteckten und dort mehrere hundert Jahre schliefen. Bauernregeln besagen: „Wie das Wetter am Siebenschläfertag, so bleibt es sieben Wochen lang.“ Mit anderen Worten: Wenn es am 27. Juni regnet, können wir den Sommer offiziell abhaken und uns emotional schon mal auf November einstellen. Natürlich basiert das Ganze auf einer mittelalterlichen Wetterbeobachtung. Damals hatten die Menschen weder Satelliten noch Wetter-Apps. Sie hatten nur Schmerzen im Knie und den misstrauischen Blick in Richtung Himmel. Und erstaunlicherweise lagen sie damit ungefähr genauso oft richtig, wie unsere modernen Wetterdienste.
Der Siebenschläfertag ist ein psychologischer Kipppunkt, denn wir Deutschen leben in einer toxischen Beziehung mit dem Wetter: Sobald drei Sonnenstrahlen erscheinen, kaufen wir sündhaft teure Gartenmöbel und einen High-Tech-Gasgrill. Zwei Tage später sitzen wir dann wieder bei 14 Grad im Regen unter einem Pavillon aus dem Discounter. Und trotzdem lieben wir diesen Tag. Weil wir Menschen irrational sind und unbedingt glauben wollen, dass das Universum uns Zeichen schickt. Und weil eine Nation, die freiwillig Toast Hawaii isst, definitiv nicht über absurde Traditionen urteilen sollte.
Also blickt Deutschland auch dieses Jahr wieder gespannt zum Himmel.
Einen schönen Sommer wünscht euch euer Ostermann