Original Ostermann: Meine Unabhängigkeitserklärung

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Am 4. Juli wird in den USA traditionell die Unabhängigkeit gefeiert. Mit Feuerwerk, Flaggen und einer Ernsthaftigkeit, die wir so in Europa nicht kennen. Ich finde, das Konzept hat Potenzial. Deshalb erkläre ich heute ebenfalls meine Unabhängigkeit. Nicht von der Regierung oder von meiner Bank – nein, ich erkläre meine Unabhängigkeit von den eigentlichen Herrschern des 21. Jahrhunderts!

Erstens: von meinem Handy. Morgens ist es das Erste, was ich sehe. Abends das Letzte. Dazwischen informiert es mich minütlich darüber, dass Menschen, die ich seit dem Abiball nicht mehr gesehen habe, gerade Sushi essen. Vielen Dank für diese lebenswichtige Information! Zweitens erkläre ich mich unabhängig von meinem Akkustand.

Kein erwachsener Mensch sollte emotional von einer Zahl abhängig sein. 100 Prozent: „Ich bin bereit für die Zukunft.“ Neun Prozent: „Sagt meiner Familie, dass ich sie liebe.“ Drittens: Passwörter. Jede Website verlangt mindestens zwölf Zeichen, eine Hieroglyphe und das Blut eines Einhorns. Anschließend heißt es: „Dieses Passwort haben Sie bereits verwendet.“ Und viertens von der Selbstoptimierung. Man kann heute nicht einmal mehr aufstehen, ohne etwas falsch zu machen. Man soll kalt duschen, Intervallfasten, achtsam atmen, 10.000 Schritte gehen, ein Dankbarkeitstagebuch führen, Proteine zählen und so weiter und so fort!

Ich mache mich unabhängig von der Abhängigkeit. Und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich muss diesen Text noch schnell posten, liken und auf drei Geräten synchronisieren, bevor mein Akku leer ist. Euer Ostermann

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