Original Ostermann: Herrscher über Glut und Grillzange

Es passiert fast täglich in deutschen Gärten: Aus ganz normalen Männern werden Grillmeister. Sie verwandeln sich in Hüter des Feuers, Wächter der Glut und selbst ernannte Professoren der Grillwissenschaft. Plötzlich tragen sie eine schwarze Schürze mit der Aufschrift „Hier grillt der Chef“ und nehmen eine völlig neue Persönlichkeit an.
Grillmeister dulden keine Einmischung. Wer es wagt zu fragen, ob die Würstchen schon fertig sind, wird angeschaut, als hätte er vorgeschlagen, den Kölner Dom rosa anzumalen. Und das Fleisch wird nicht einfach gekauft. Es wird ganz genau begutachtet, mariniert und mindestens dreimal gewendet. Natürlich nur dann, wenn laut Grillmeister der „richtige Moment“ gekommen ist. Jeder ungefragte Griff zur Grillzange gilt dabei als schwerer Eingriff in die Grillordnung. Währenddessen sitzen die Gäste längst hungrig am Tisch. Brot und Salate sind ist fast aufgegessen, nur das Grillgut scheint noch in einer Art Warteschleife zu stecken.
Das Schöne ist allerdings: Am Ende schmeckt es fast immer. Nicht weil der Grillmeister tatsächlich ein kulinarisches Genie ist, sondern weil Essen unter freiem Himmel, mit Familie oder Freunden, einfach etwas Besonderes ist. Also gönnen wir unseren Grillmeistern ihren großen Auftritt. Lassen wir sie mit der Grillzange dirigieren und stolz verkünden, dass das Steak jetzt „genau auf den Punkt“ ist. Und falls ein Grillmeister diese Zeilen liest: Keine Sorge – die Würstchen waren hervorragend! Auch wenn sie eine halbe Stunde zu spät kamen. Schönes Wochenende, euer Ostermann