Original Ostermann: Der große Aufbruch

Am letzten Schultag vor den Pfingstferien passiert es! Die Glocke läutet und Schüler rennen aus dem Schulhaus, als hätte jemand „Gratis WLAN“ gerufen, während Eltern schon 20 Minuten vorher mit laufendem Motor vor der Schule warten.
Denn jeder weiß: Wer nicht innerhalb der ersten 17 Minuten nach Schulschluss auf der Autobahn ist, verbringt den Ferienstart damit, auf deren Auffahrt zu meditieren. Die A81 wird dann zur sozialen Begegnungsstätte. Man lernt Menschen kennen, mit denen man eigentlich nie sprechen wollte, teilt Snacks und dieselben Autobahnraststätten. Alle, die dieses Chaos umgehen wollen, gehören zu den strategischen Genies, die nachts losfahren und meinen, sie hätten das System ausgetrickst. Das Ergebnis: Sie stehen um 3:47 Uhr im Stau. Im Dunkeln. Mit schlechter Laune und einem Kaffee, der mehr Hoffnung als Wirkung enthält. Die Nachbarn, die nicht wegfahren, stehen in der Zeit am Fenster und denken sich: „Wir bleiben einfach hier. Ganz entspannt.“ Zwei Stunden später suchen sie dann im Internet nach Last-Minute-Angeboten nach Italien und weinen leise in ihre Gartenliege.
Und doch, trotz Stau und vergessener Zahnbürsten, liegt eine gewisse Magie in der Luft. Dieser Moment, wenn alle gleichzeitig losziehen, als hätte jemand ein geheimes Startsignal gegeben. Am Ende des Tages kommt man irgendwo an, leicht erschöpft und genervt, aber auch ein bisschen stolz. Man hat es geschafft! Die Pfingstferien haben begonnen. Und tief im Inneren weiß man: Der Rückreiseverkehr wird noch viel lustiger.
Aber bis dahin: Schöne Ferien!
Euer Ostermann