Original Ostermann: Dankbarkeit

Mal ehrlich: Wenn der Kaffee kalt ist, der Stau endlos, die Waschmaschine streikt und das Handy genau dann den Geist aufgibt, wenn man dringend jemanden erreichen muss, fühlt sich Dankbarkeit ungefähr so passend an wie Flip-Flops im Schneesturm.
Aber gibt es neben dem Stress im Job, finanziellen und familiären Sorgen vielleicht doch auch etwas, wofür wir dankbar sein können?
Vor ein paar Tagen bin ich in Reutlingen mit einem sympathischen Mann ins Gespräch gekommen. Viktor ist vor ein paar Jahren aus seiner Heimat in Nigeria nach Deutschland geflohen. Seine ganze Familie wurde während eines Gottesdienstes erschossen. Er selbst hat nur überlebt, weil er am Klavier saß. Ich war geschockt, entsetzt und traurig zugleich, welch schlimmes Erlebnis dieser liebenswürdige Mensch ertragen musste.
Auf die Frage, wie es ihm heute, etwas mehr als drei Jahre danach, geht, meinte er nur: „Ich bin dankbar, hier in Sicherheit leben zu dürfen.“ Nach allem, was ihm genommen wurde, ist Viktor trotzdem dankbar!
Und wir? Unsere Probleme wie Spritpreise, Mieten oder Stress in der Familie wirken daneben klein und nichtig. Denn am Ende unseres Lebens werden wir uns vermutlich an die wenigsten Probleme erinnern. Aber wir werden an Menschen denken. An Momente. An Liebe. Und je mehr wir uns auf die Dinge fokussieren, für die wir dankbar sein können, desto mehr wird uns bewusst, wie viel Gutes in unserem Leben passiert.
Wir müssen nur lernen, selbst schwierigen Situationen, etwas Gutes abzugewinnen und positiv nach vorne zu blicken.
Euer Ostermann