Original Ostermann: Berge oder Meer

Manche Diskussionen enden nie. Nutella mit oder ohne Butter? Ananas auf Pizza oder nicht? Und dann die Frage aller Urlaubsfragen: Berge oder Meer?
Die Meer-Fraktion behauptet, sie wolle „einfach entspannen“. Das klingt wunderschön. Tatsächlich bedeutet es, sich um sieben Uhr morgens mit einem Handtuch um zwei Quadratmeter Sand zu prügeln. Danach verbringt man acht Stunden damit, alles zu essen, was zu mindestens dreißig Prozent aus Sand besteht. Dann das Meer selbst. Es sieht romantisch aus, bis man hineingeht. Die ersten zehn Meter sind eisig. Danach tritt man auf etwas Glitschiges. Sofort ist klar: Das war entweder eine harmlose Alge oder der Anfang eines Horrorfilms. Die Bergmenschen dagegen lächeln nur müde. Sie behaupten, Bergluft sei erholsam.
Interessanterweise beinhaltet diese Erholung immer einen Anstieg, bei dem man bereits nach fünf Minuten laufen über sein Testament nachdenkt. Nach jeder Kurve erscheint eine weitere Kurve. Hinter jedem Gipfel wartet noch ein viel höherer Gipfel. Und immer gibt es jemanden in Funktionskleidung, der einen locker überholt, während man selbst aussieht wie ein Staubsauger mit Asthma. Oben angekommen eröffnet sich ein grandioser Ausblick. Genau so lang bis jemand sagt: „Jetzt wieder runter.“ Niemand erwähnt vorher, dass bergab hauptsächlich auf Muskeln geht, von deren Existenz man bisher nichts wusste.
Die Wahrheit ist: Beide Seiten belügen sich. Berge oder Meer? Völlig egal! Der höchste Gipfel und die größte Welle warten sowieso auf der Rückfahrt am Stauende.
Schöne Ferien,
euer Urlaubsmann – äh Ostermann