Original Ostermann: Baden-Württemberg macht Urlaub

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Von heute auf morgen verlassen Millionen Baden-Württemberger ihre Heimat. Nicht, weil sie müssen, sondern weil sie glauben, dass die Sonne in Italien irgendwie hochwertiger ist.

Das Ergebnis ist beeindruckend. Auf der A8 steht alles. Auf der A7 steht alles. Auf der Brennerautobahn steht ohnehin seit 1984 alles. Experten sprechen inzwischen nicht mehr von Stau, sondern von einer langfristigen Siedlungsform. Viele Kinder lernen dort ihre ersten Worte. Einige davon schließen später an einer der Raststätten ihre Berufsausbildung ab. Entscheidend ist vor allem mit wem man wegfährt. Urlaub mit den Schwiegereltern ist beispielsweise kein Reiseformat, sondern ein Stresstest für den Rechtsstaat. Spätestens am zweiten Tag stellt sich für viele die Frage, ob Mordgedanken eigentlich als Freizeitaktivität gelten. Großartig sind außerdem die Menschen, die behaupten, sie wollten „einfach mal abschalten“. Dieselben Leute fotografieren dann innerhalb von zwölf Tagen 1.700 Sonnenuntergänge.

Und dann, schneller als einem eigentlich lieb ist, steht die Heimreise an. Das Auto ist voller Sand, obwohl überhaupt niemand mehr am Strand war. Im Kofferraum lagern sechs Liter Olivenöl, zwölf Packungen Nudeln, drei Lavendelsäckchen und ein Keramikesel, über den sich in Wirklichkeit niemand freut.

Zuhause fällt dann der entscheidende Satz: „Das war dringend nötig.“ War es das? Oder hätte es gereicht, einfach zwei Wochen lang niemanden anzurufen und im Garten zu sitzen? Man weiß es nicht – egal! Die schönste Zeit des Jahres ist genau jetzt. Habt tolle Ferien, euer Ostermann

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