Original Ostermann: Alles neu macht der März

Wettertechnisch ist der März noch in der Ausbildung. Er probiert alles aus, nichts kann er richtig, aber er hat Enthusiasmus
Man wacht auf, sieht Sonne, zieht sich optimistisch an wie ein Werbegesicht für Vitamin D – und zehn Minuten später steht man im Schneeregen und faselt was von Drei-Wetter-Taft.
Und trotzdem liegt da etwas in der Luft. Nicht nur Pollen, auch Hoffnung! Diese leise, zarte Ahnung: Bald ist Frühling.
Bald sitzen wir wieder draußen und trinken Kaffee, ohne dass dieser innerhalb von drei Minuten zur lauwarmen Erinnerung wird. Der März ist der Trailer des Frühlings. Noch nicht der Film, aber schon die dramatische Musik. Und am Ende dieses leicht chaotischen Vorschau-Monats wartet sie: die große, kollektive Zeitschrauberei. Die Umstellung auf Sommerzeit überrascht uns immer wieder, obwohl sie jedes Jahr passiert. So ein bisschen wie Weihnachten, nur mit weniger Lametta und mehr Müdigkeit.
Plötzlich heißt es: Die Uhr wird vorgestellt. Klingt harmlos, ist es aber nicht. Es ist ein einstündiger Überfall auf unseren Biorhythmus.
Eine Stunde, die uns einfach geklaut wird. Der März ist kein perfekter Monat. Er ist ein Übergang. Ein holpriger, windiger, manchmal matschiger Übergang. Aber er ist der Türsteher des Frühlings – und am Ende ruft er endlich: „Nächster bitte!“ Und wir treten hinaus. Mit müden Augen.
Aber mit Hoffnung. Und einer Uhr, die plötzlich behauptet, es sei schon eine Stunde später.
Bis dahin: durchhalten!
Euer Ostermann