
Küssen, vertragen, weitermachen: Warum Versöhnung jeder Beziehung gut tut
Mal geht es um die offene Spülmaschine, mal um die Kinder, den Haushalt oder diesen einen Satz, der eigentlich ganz anders gemeint war.
Wer lange zusammen ist, kennt diese Momente.
Man liebt sich, teilt sein Leben miteinander und schafft es trotzdem, sich wegen Dingen in die Haare zu bekommen, über die man ein paar Stunden später selbst den Kopf schüttelt.
Am 25. August ist Kuss- und Versöhnungstag.
Ein schöner Anlass, um sich daran zu erinnern, dass eine gute Beziehung nicht daran zu erkennen ist, dass niemals gestritten wird.
Viel wichtiger ist, dass ihr nach einem Konflikt wieder zueinanderfindet, miteinander lachen könnt und bei all dem Alltag nicht vergesst, warum ihr Euch eigentlich einmal ineinander verliebt habt.
Zwischen Liebe, Wäschekorb und Familienkalender
Am Anfang einer Beziehung ist vieles selbstverständlich. Man verbringt möglichst viel Zeit miteinander, schreibt sich zwischendurch Nachrichten und küsst sich nicht nur beim Kommen und Gehen.
Ein paar Jahre später sieht das Leben häufig anders aus. Aus zwei Verliebten ist vielleicht eine Familie geworden, aus spontanen Abenden werden durchgetaktete Wochen und plötzlich führt man Gespräche darüber, wer morgen die Kinder abholt, ob noch Milch da ist und wann das Auto in die Werkstatt muss.
Das ist das echte Leben und überhaupt nichts Schlechtes.
Gemeinsamer Alltag bedeutet schließlich auch Vertrauen, Verlässlichkeit und dieses wunderbare Gefühl, bei einem Menschen wirklich angekommen zu sein. Trotzdem kann genau diese Vertrautheit dazu führen, dass die kleinen Zeichen von Nähe irgendwann seltener werden.
Ein Kuss am Morgen wird zum schnellen Küsschen an der Haustür, während eine Hand schon nach dem Autoschlüssel greift. Aus dem gemeinsamen Abend auf dem Sofa wird ein Nebeneinander mit zwei Smartphones.
Man funktioniert hervorragend zusammen, nur das Paar hinter dem perfekt organisierten Alltag gerät manchmal ein bisschen aus dem Blick.
Ein Kuss kann mehr als nur romantisch sein
Küssen gehört für viele Paare zu den selbstverständlichsten Formen körperlicher Nähe. Dabei steckt in dieser kleinen Geste erstaunlich viel.
Ein Kuss kann Vertrautheit ausdrücken, Sicherheit vermitteln und Nähe schaffen. Er kann "Ich freue mich, Dich zu sehen" bedeuten, genauso wie "Pass auf Dich auf" oder "Alles ist gut zwischen uns".
Gerade deshalb lohnt es sich, aus dem beiläufigen Küsschen gelegentlich wieder einen bewussten Moment zu machen. Ihr müsst daraus kein romantisches Großereignis machen.
Manchmal reichen ein paar Sekunden, in denen ihr wirklich bei dem Menschen seid, der vor Euch steht, statt gedanklich schon beim nächsten Termin zu sein.
Streiten gehört dazu, entscheidend ist das Danach
So schön die Vorstellung von ewiger Harmonie klingt, zwei Menschen werden kaum über Jahre oder Jahrzehnte gemeinsam durchs Leben gehen, ohne unterschiedlicher Meinung zu sein.
Ihr bringt verschiedene Erfahrungen, Erwartungen und Gewohnheiten mit. Dazu kommen Stress, Müdigkeit, Arbeit, Familie und all die kleinen Belastungen, die aus einer harmlosen Bemerkung plötzlich einen ausgewachsenen Streit machen können.
Oft beginnt die Diskussion beim liegen gebliebenen Handtuch und endet bei einer Grundsatzdebatte über den gesamten Haushalt.
Eigentlich ging es um fünf Minuten Verspätung, plötzlich werden Situationen aus dem vergangenen Sommer wieder hervorgeholt.
Willkommen in einer ganz normalen Beziehung.
Entscheidend ist weniger, jeden Konflikt zu vermeiden.
Viel wichtiger ist, wie ihr miteinander umgeht, wenn es gekracht hat, ob ihr Euch zuhört und irgendwann den Weg zurück zueinander findet.
Wer den ersten Schritt macht, hat nicht verloren
Nach einem Streit entsteht manchmal eine ziemlich absurde Situation.
Eigentlich würden sich beide gerne wieder vertragen, gleichzeitig wartet jeder darauf, dass der andere anfängt. Schließlich hatte man ja recht - vielleicht sogar wirklich.
Trotzdem muss Versöhnung nicht bedeuten, dass einer seine Meinung zurücknimmt oder plötzlich zugibt, komplett falsch gelegen zu haben.
Ihr könnt weiterhin unterschiedlicher Ansicht sein und trotzdem deutlich machen, dass Euch Eure Beziehung wichtiger ist als der Sieg in einer Diskussion.
Ein "Komm mal her" kann dafür genauso gut funktionieren wie eine ehrliche Entschuldigung. Manchmal ist es die Tasse Kaffee, die plötzlich neben dem anderen steht, manchmal eine Berührung beim Vorbeigehen und manchmal eben ein Kuss.
Den ersten Schritt zu machen ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil, häufig braucht es dafür deutlich mehr Größe, als noch eine weitere Runde darüber zu diskutieren, wer angefangen hat.
Entschuldigen funktioniert am besten ohne Hintertür
"Es tut mir leid, aber Du hast auch...". Spätestens beim "aber" ist von der Entschuldigung meistens nicht mehr besonders viel übrig.
Wenn ihr im Streit zu weit gegangen seid, etwas Verletzendes gesagt oder unfair reagiert habt, darf eine Entschuldigung erstaunlich unkompliziert sein.
Ihr könnt anerkennen, dass etwas nicht in Ordnung war, ohne direkt die nächste Verteidigungsrede hinterherzuschieben.
Ein ehrliches "Das hätte ich nicht so sagen sollen" oder "Es tut mir leid, dass ich Dich damit verletzt habe" lässt dem anderen Raum, die Entschuldigung auch tatsächlich anzunehmen.
Das bedeutet übrigens ebenfalls nicht, dass der ursprüngliche Konflikt damit erledigt sein muss. Über die Sache selbst könnt ihr später immer noch sprechen, idealerweise dann, wenn der Puls wieder dort angekommen ist, wo er hingehört.
Liebe zeigt sich oft dort, wo niemand hinschaut
Große romantische Gesten sind schön. Ein Wochenende zu zweit, Blumen oder ein besonderes Abendessen können einer Beziehung guttun, im Alltag sind es allerdings häufig ganz andere Dinge, die Nähe entstehen lassen.
Ihr wisst, wie der andere seinen Kaffee trinkt.
Ihr bringt beim Einkaufen ungefragt die Lieblingsschokolade mit.
Einer räumt morgens die Küche auf, weil er weiß, dass der andere einen stressigen Tag vor sich hat.
Ihr schickt Euch zwischendurch eine Nachricht, obwohl ihr Euch wenige Stunden später ohnehin wiederseht.
Diese Gesten taugen selten für einen romantischen Kinofilm, für eine langjährige Beziehung sind sie ziemlich wertvoll.
Liebe muss nicht ständig spektakulär sein, um sich gut anzufühlen.
Eltern sind auch noch ein Paar
Besonders Familien kennen die Herausforderung, dass aus einer Partnerschaft irgendwann eine kleine Organisationszentrale wird.
Wer holt die Kinder ab?
Wer fährt zum Training?
Wann ist Elternabend?
Was schenken wir zum Kindergeburtstag?
Haben wir eigentlich schon den Urlaub gebucht?
Zwischen Job, Schule, Kita, Haushalt und Freizeitprogramm kann ein Tag ziemlich schnell voll sein. Abends sitzt ihr dann nebeneinander und stellt fest, dass ihr zwar zwanzig organisatorische Dinge besprochen habt, aber kaum darüber, wie es Euch eigentlich geht.
Paarzeit muss deshalb nicht automatisch das aufwendig geplante Wochenende ohne Kinder bedeuten. Viel wichtiger können kleine Inseln im Alltag sein, die wirklich Euch gehören.
Der Kaffee am Sonntagmorgen, ein gemeinsamer Spaziergang, zehn Minuten auf der Terrasse oder ein Abendessen, bei dem die Handys nicht neben den Tellern liegen, können schon einen Unterschied machen.
Nach vielen Jahren darf es immer noch kribbeln
Langjährige Beziehungen werden gerne mit Begriffen wie Arbeit, Kompromiss und Kommunikation beschrieben.
Das gehört alles dazu, klingt aber ungefähr so romantisch wie die gemeinsame Steuererklärung.
Eine Beziehung darf auch nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren leicht sein. Ihr dürft miteinander albern sein, Euch gegenseitig aufziehen, im Auto völlig falsch mitsingen oder über einen Insiderwitz lachen, den außer Euch beiden niemand versteht.
Gerade diese gemeinsame Geschichte macht eine langjährige Partnerschaft besonders.
Vielleicht verändert sich Liebe über die Jahre, sie muss dadurch aber nicht kleiner werden. Aus dem großen Kribbeln der ersten Monate kann eine Vertrautheit entstehen, bei der ein Blick manchmal reicht, damit der andere genau weiß, was gerade gemeint ist.
Heute schon richtig geküsst?
Natürlich braucht niemand den 25. August, um sich zu versöhnen oder dem Lieblingsmenschen zu zeigen, dass er wichtig ist.
Genau darin liegt aber der Charme solcher Aktionstage, sie erinnern uns an Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten und im Alltag trotzdem gerne untergehen.
Falls ihr gerade zerstritten seid, könnte heute ein ziemlich guter Tag für den ersten Schritt sein.
Falls bei Euch alles wunderbar läuft, braucht ihr den Versöhnungsteil einfach nicht.