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Eine „Mammut“ Aufgabe? Der Apfel der Zukunft wächst am Bodensee

Knackig, saftig und am besten aus der Region: Beim Apfel wissen viele von Euch ziemlich genau, was ihnen schmeckt.

Elstar, Gala, Braeburn oder Jonagold landen seit Jahren zuverlässig in Einkaufskörben, Brotdosen und Kuchenformen. Doch während sich in den Obstregalen wenig zu verändern scheint, stehen die Obstbauern am Bodensee vor einer gewaltigen Aufgabe.

Hitze, längere Trockenperioden, Starkregen, neue Schädlinge und Pflanzenkrankheiten setzen den Apfelbäumen zu.

Gleichzeitig soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich sinken. Die Antwort darauf könnte ausgerechnet eine neue Apfelsorte liefern, deren Name kaum größer klingen könnte: Mammut.

Rund 80.000 Bäume wurden in der Bodenseeregion bereits gepflanzt. Im Herbst 2026 wird die erste größere Ernte erwartet.

Dann zeigt sich, ob der Apfel nicht nur auf dem Feld überzeugt, sondern auch bei uns Verbrauchern.

Ein Apfel muss heute mehr können als gut schmecken

Für uns beginnt die Geschichte eines Apfels meistens im Supermarkt, auf dem Wochenmarkt oder direkt im Hofladen.

Für die Obstbauern startet sie Jahre früher. Sie müssen entscheiden, welche Sorten sie pflanzen, obwohl niemand genau sagen kann, wie sich Wetter, Nachfrage und Kosten in den kommenden Jahrzehnten entwickeln.

Ein neu gepflanzter Apfelbaum bringt nicht sofort den vollen Ertrag. Die Entscheidung für eine Sorte bindet einen Betrieb deshalb über viele Jahre.

Was heute vielversprechend aussieht, muss auch in Zukunft noch funktionieren.

Genau das wird schwieriger. Heiße Sommer erhöhen den Wasserbedarf. Starkregen kann Böden und Früchte belasten. Neue Schädlinge breiten sich aus, bekannte Krankheiten treffen manche Sorten besonders stark.

Gleichzeitig steigen die Erwartungen an eine umweltschonende Produktion.

Der Apfel der Zukunft soll deshalb möglichst robust sein, zuverlässig Ertrag bringen, gut gelagert werden können und natürlich schmecken. Das klingt selbstverständlich, ist in der Praxis aber eine enorme Herausforderung.

Mammut soll mit weniger Pflanzenschutz auskommen

Die neue Sorte Mammut wurde nicht allein entwickelt, um einen weiteren Namen ins Obstregal zu bringen. Sie ist Teil einer größeren Nachhaltigkeitsstrategie für den Apfelanbau am Bodensee.

Robustere Sorten können bestimmte Pflanzenkrankheiten besser abwehren. Dadurch lässt sich der Bedarf an Pflanzenschutz verringern.

Vollständig ohne Schutz und Pflege kommt allerdings auch ein widerstandsfähiger Apfelbaum nicht aus. Wetter, Standort, Schädlingsdruck und der Zustand der Anlage spielen weiterhin eine wichtige Rolle.

Mammut soll gute Widerstandsfähigkeit mit hoher Fruchtqualität und Lagerfähigkeit verbinden. Genau diese Kombination ist entscheidend.

Ein robuster Apfel hilft den Obstbauern wenig, wenn er nach der Ernte schnell an Qualität verliert oder den Menschen nicht schmeckt.

Das Ziel lautet deshalb nicht, irgendeinen besonders widerstandsfähigen Apfel zu produzieren. Es geht um eine Sorte, die im Alltag bestehen kann, vom Baum über die Lagerung und den Handel bis zu Eurem Küchentisch.

Der Bodensee wird zum Testfeld für den Apfelanbau von morgen

Die Bodenseeregion gehört zu den wichtigsten Obstanbaugebieten in Deutschland.

Das vergleichsweise milde Klima, die Nähe zum See und die lange Erfahrung der Betriebe bieten gute Voraussetzungen für den Apfelanbau. Trotzdem sind auch hier die Veränderungen des Klimas deutlich zu spüren.

Am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee werden deshalb seit Jahren neue Sorten geprüft. Nicht jede schafft es in die Praxis.

Manche sind zwar robust, überzeugen aber geschmacklich nicht. Andere sehen gut aus, lassen sich jedoch schlecht lagern. Wieder andere bringen nicht genug Ertrag oder sind für die Abläufe in den Betrieben ungeeignet.

Fachleute beobachten die Bäume über mehrere Ernten hinweg. Sie prüfen, wie anfällig eine Sorte für Krankheiten ist, wie sich die Früchte entwickeln und ob deren Qualität auch nach längerer Lagerung erhalten bleibt.

Von den ersten Versuchen bis zum Platz im Supermarkt können mehr als 20 Jahre vergehen. Hinter einem neuen Apfel steckt deshalb deutlich mehr Arbeit, als seine glänzende Schale vermuten lässt.

Aus einer Sorte soll eine neue regionale Idee entstehen

Mammut wird unter der Dachmarke Fairdi vermarktet. Dahinter steht eine Initiative der Obstregion Bodensee, an der unter anderem das Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee sowie Erzeuger und Vermarktungsorganisationen beteiligt sind. Fairdi soll mehrere Ziele zusammenbringen.

Der Anbau soll die natürlichen Ressourcen schonen, die Artenvielfalt fördern und zugleich wirtschaftlich tragfähig bleiben. Das ist für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe entscheidend.

Nachhaltigkeit funktioniert auf Dauer nur, wenn die Menschen, die das Obst anbauen, von ihrer Arbeit leben können. Der Ansatz reicht deshalb über die Auswahl einer neuen Sorte hinaus.

Auch Biodiversitätsmaßnahmen, ein kontrollierter Einsatz von Pflanzenschutz, regionale Wertschöpfung und eine faire Bezahlung der Erzeuger gehören zur Idee.

Mammut ist die erste Sorte, an der dieses Konzept für viele Verbraucher sichtbar werden könnte. Weitere robuste Apfelsorten sollen folgen.

Perspektivisch könnte im Regal also nicht mehr nur eine einzelne neue Sorte liegen, sondern eine ganze Familie regional erzeugter Äpfel.

Der Name ist groß, der Erfolg noch nicht sicher

Der Begriff Superapfel klingt nach einem Obst, das jedes Problem lösen kann. So einfach ist es natürlich nicht.

Auch Mammut benötigt Wasser, Pflege und geeignete Bedingungen. Eine natürliche Widerstandsfähigkeit bietet Vorteile, macht einen Baum aber nicht unverwundbar.

Entscheidend wird außerdem sein, ob die Sorte dauerhaft stabil bleibt. Krankheitserreger können sich verändern und vorhandene Resistenzen überwinden.

Deshalb prüfen Fachleute, wie sich mehrere Widerstandseigenschaften miteinander verbinden und langfristig absichern lassen.

Der zweite große Test findet nicht auf der Obstplantage statt, sondern beim Einkauf.

Verbraucher greifen häufig zu Sorten, die sie kennen. Ein vertrauter Name gibt Orientierung. Wer seit Jahren Elstar kauft, wechselt nicht automatisch zu einem Apfel namens Mammut.

Die neue Sorte muss deshalb zuerst mit ihrem Geschmack überzeugen. Gute Lagerfähigkeit und ein robuster Baum sind wichtige Argumente für die Produktion.

In der Brotdose zählen jedoch Saftigkeit, Biss und Aroma.

Warum unser Einkaufsverhalten mitentscheidet

Neue Sorten benötigen Zeit, Platz im Handel und Menschen, die sie ausprobieren. Genau darin liegt eine der größten Hürden.

Im Supermarkt konkurriert ein neuer regionaler Apfel mit bekannten Sorten und häufig auch mit günstiger Importware.

Für viele von Euch spielen Herkunft und Anbauweise beim Einkauf bereits eine Rolle.

Beim Apfel kommt ein weiterer Punkt hinzu: Regional erzeugte Früchte können über viele Monate gelagert werden. Damit sie auch nach der Ernte knackig bleiben, braucht es allerdings Energie, moderne Lagertechnik und eine gut organisierte Vermarktung.

Der Apfel der Zukunft muss deshalb an mehreren Stellen überzeugen. Er soll auf dem Feld weniger empfindlich sein, die Umwelt schonen, wirtschaftlich angebaut werden können und im Laden bezahlbar bleiben.

Ob Mammut diesen Spagat schafft, entscheidet sich nicht mit einer einzigen Ernte.

Der Herbst 2026 ist aber der Moment, in dem deutlich mehr Menschen die neue Sorte kennenlernen könnten.

Alte Sorten bleiben trotzdem wertvoll

Die Suche nach neuen Äpfeln bedeutet nicht, dass bewährte und alte Sorten verschwinden sollten.

Baden-Württemberg besitzt eine enorme Vielfalt an regionalen Apfel und Birnensorten. Viele davon wachsen auf Streuobstwiesen und sind eng mit bestimmten Orten, Landschaften und Verarbeitungsformen verbunden.

Ein Brettacher eignet sich anders als ein Elstar, ein Mostapfel erfüllt eine andere Aufgabe als ein klassischer Tafelapfel. Manche Sorten schmecken direkt vom Baum besonders gut, andere entwickeln ihr Aroma erst nach einer gewissen Lagerzeit. Wieder andere sind ideal für Saft, Most, Mus oder Kuchen.

Diese Vielfalt ist eine Stärke.

Sie schützt davor, den gesamten Anbau von wenigen Sorten abhängig zu machen. Gleichzeitig bewahrt sie ein Stück Kulturgeschichte des Landes.

Am 19. September 2026 öffnet die Sortenerhaltungszentrale Baden-Württemberg ihren Apfelsortengarten. Dort wachsen mehr als 250 Sorten.

Neben Führungen wird auch eine Sortenbestimmung angeboten. Wer einen unbekannten Apfelbaum im Garten oder auf einer Streuobstwiese besitzt, kann dort möglicherweise erfahren, welche Sorte daran wächst.

So könnt Ihr den Apfelherbst neu entdecken

Der Herbst bietet die beste Gelegenheit, nicht automatisch zum gewohnten Apfel zu greifen. Schaut auf Wochenmärkten, in Hofläden und bei regionalen Erzeugern gezielt nach Sorten, die Ihr noch nicht kennt.

Kauft mehrere einzelne Äpfel und veranstaltet zu Hause eine kleine Verkostung. Schneidet die Früchte auf und probiert sie ohne vorher auf den Namen zu schauen.

Welcher Apfel ist besonders knackig?

Welcher schmeckt süßer, würziger oder säuerlicher?

Welcher passt in die Brotdose und welcher würde sich gut in einem Kuchen machen?

Gerade Kinder entwickeln dabei oft einen erstaunlich genauen Geschmack.

Der schönste Apfel ist nicht automatisch der beliebteste. Manchmal gewinnt eine unscheinbare alte Sorte, manchmal ein moderner Apfel mit besonders festem Fruchtfleisch.

Vielleicht liegt bei dieser Verkostung bald auch ein Mammut auf dem Tisch. Dann beginnt die Zukunft des Apfelanbaus nicht irgendwo in einem Forschungslabor, sondern mit einem einfachen Biss in einen Apfel vom Bodensee.

Redaktioneller Hinweis: Die Recherche zu diesem Artikel wurde durch KI unterstützt.