Original Ostermann: Habt ihr den Durchblick?

Es gibt Dinge, die einfach passieren – ungefragt und ungewollt.
Gefrorene Autoscheiben zum Beispiel. Kaum sinkt die Temperatur unter „angenehm“, verwandelt sich jedes Auto über Nacht in eine gefrorene Fischstäbchenattrappe. „Guten Morgen, Sonnenschein! Bereit für dein tägliches Leiden?“, sagt uns der Winter höchstpersönlich. Man steht da, frierend und bewaffnet mit einem Plastikschaber, der aussieht, als wäre er aus einer Ü-Ei-Figur gebastelt worden.
Natürlich haben wir – wie jeden Winter – vergessen, die Scheiben am Vorabend abzudecken. Aber wer macht das schon? Die gleichen Menschen, die ihre Steuererklärung im Januar abgeben und Smoothies trinken, die nach Wald schmecken. Also fängt man an zu kratzen. Krrrt, krrrt! Die ersten zwei Millimeter Eis sind schnell verschwunden und man denkt: „Ach, das wird ja.“ Falsch gedacht! Darunter liegt noch eine zweite Schicht. Und eine dritte.
Man fühlt sich wie ein Archäologe, nur, dass man nicht nach Dinosaurierknochen gräbt, sondern nach der eigenen Windschutzscheibe. Am schlimmsten ist ja, wenn die Scheibe endlich frei ist, man sich ins Auto setzt und den Motor startet – und alles von außen direkt wieder zufriert. An diesem Punkt überlegt man sich kurz, ob man nicht einfach im Homeoffice arbeiten könnte. Oder ein Leben in der Karibik beginnt. Am Ende überwindet man sich doch und fährt los – triumphierend wie ein Gladiator, der den Löwen besiegt hat.
Dann sieht man das Auto des Nachbarn, perfekt abgedeckt und völlig eisfrei. Nächstes Jahr denken wir auch dran!
Wir sehen uns beim Kratzen,
euer Ostermann