Original Ostermann: Alles Gute zum Siebzigsten!

Man sagt ja, mit 70 wird man ruhiger, sitzt öfter im Garten, meckert über die Nachbarn und gibt ungefragt Lebensratschläge. Also genau wie das Stuttgarter Wochenblatt.
Dieses Blatt ist eine Institution! Eine Konstante in einer Welt, in der man schon am Dienstag nicht mehr weiß, was man am Montag gedacht hat. Während sich andere Medien mit dem Algorithmus prügeln, bleibt das Wochenblatt standhaft wie ein schwäbischer Tannenbaum im Novembersturm. Und das seit 70 Jahren! Stellt euch das mal vor: Als das Wochenblatt 1955 das Licht der Druckerpresse erblickte, fuhr Stuttgart noch Borgward. Der Fernsehturm war gerade erst fertig gebaut, die ersten S-Klassen rollten zaghaft durch die Straßen – und irgendwo saß ein Redakteur mit Krawatte und Füllfederhalter und schrieb: „Diese Woche im Kessel…“
Heute sitze ich hier – zwar ohne Krawatte, aber mit viel Liebe – und schreibe meine kleine Kolumne. Und das mache ich schon ganz schön lange jeden Samstag so. Oft sind die Leserreaktionen das Beste an meiner Woche, manchmal bringt ihr mir sogar Kuchen (was übrigens sehr gerne wieder passieren darf). Das Wochenblatt hat alles gesehen: Wirtschaftswunder, Parkschützer, Stuttgart 21. Ob Kleinanzeige oder große Lebensfragen, ob Festle oder Feuerwehreinsatz: Das Wochenblatt war immer dabei. Es hat den Kessel beobachtet, begleitet, befeuert und dabei nie den Draht zur Straße verloren.
70 Jahre Stuttgarter Wochenblatt – das bedeutet Generationen von Lesern, die gelernt haben: Auch in einer Welt voller digitalem Lärm gibt es etwas, das Woche für Woche handfest im Briefkasten liegt. Und das nach Druckerschwärze duftet, wie es nur Print kann.
Ich ziehe den Hut! Und schreibe nächste Woche weiter. Solange man mich lässt.
Oder bis ich selbst 70 bin!
Euer Ostermann