May 5, 2022 12:14 PM

Welterbe-Stätten erzählen die Geschichte unserer Menschheit. Zu ihnen gehören der majestätische Tempel von Abu Simbel in Ägypten oder die Inka-Stadt Macchu Picchu in den peruanischen Anden. Auf der Liste stehen aber auch einige Orte in Deutschland - sieben davon liegen in Baden-Württemberg. Dazu gehören Klöster, einzigartige Bauwerke, Eiszeitkunst und eine Stadt. Wir stellen sie Euch vor und sagen Euch, welches Stuttgarter Wahrzeichen in ein paar Jahren möglicherweise ebenfalls dazugehören könnte! Preisangaben für den Eintritt jeweils mit regulärem und ermäßigtem Preis.

 

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Wer entscheidet über das Welterbe?

Was als Welterbe gilt, legt einmal im Jahr das Welterbekomitee der UNESCO fest – einer Organisation der vereinten Nationen, die zuständig ist für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die Mitgliedsländer (darunter Deutschland) können eigene Denkmäler oder Stätten nominieren. Menschengemachte werden als Weltkulturerbe bezeichnet, natürliche als Weltnaturerbe. Welterbe wird von der UNESCO unterstützt und soll geschützt werden – geschieht das nicht oder wird es zu sehr verändert (z.B. durch Baumaßnahmen), kann der Titel aberkannt werden.

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Kloster Maulbronn

Der Besuch gleicht einer Zeitreise, die zahlreichen Gebäude erwecken den Eindruck einer mittelalterlichen Stadt. Die Klosteranlage ist fast vollständig erhalten und diente somit als Vorbild, um ähnliche, aber verfallene Klöster zu rekonstruieren – einer der Gründe, warum es zum Welterbe erklärt wurde. Einst wirtschaftliches und gesellschaftliches Zentrum, vermittelt es heute einen guten Eindruck des damaligen Klosterlebens. Der Legende nach entstand hier übrigens die Maultasche. Ein Mönch habe in der Fastenzeit ein Stück Fleisch mit Gemüse vermischt in einer Teigtasche versteckt und somit das erste „Herrgottsb’scheißerle“ kreiert. Die Geschichte wird vielleicht aber auch nur deshalb gerne erzählt, weil der Name so schön passt. Highlight im Frühling ist die Magnolienblüte – die blühenden Bäume bieten immer einen prächtigen Anblick, ganz besonders aber vor der Kulisse eines historischen Kreuzgangs. 

 

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Eiszeitkunst-Höhlen auf der schwäbischen Alb

Es muss hart gewesen sein, das Leben in der Eiszeit. Und dennoch war es den Menschen schon vor rund 35.000 bis 40.000 Jahren ein Bedürfnis, Kunst zu schaffen. Auf der Schwäbischen Alb schnitzten sie kleine Figuren aus Elfenbein mit bemerkenswerter Liebe zum Detail. Der Löwenmensch vom Lonetal (eine Menschengestalt mit Tierkopf, siehe Bild) und die Venus vom Hohlefels (eine Frauenfigur) entstanden. Rund 50 dieser Skulpturen wurden in mehreren Höhlen in der Nähe von Ulm und Blaubeuren gefunden. Sie sind die bislang ältesten Kunstobjekte der Welt, älter noch als die berühmten Höhlenmalereien in Frankreich. Und damit nicht genug: die Steinzeit-Älbler musizierten bereits. Kleine Flöten, aus Knochen gefertigt, wurden ebenfalls bei Ausgrabungen gefunden – auch diese die ältesten der Welt. Man könnte also sagen, bei uns in Baden-Württemberg liegt die Wiege der europäischen Kunst. Die Höhlen sind übrigens zu bestimmten Zeiten zugänglich. Die Schnitzkunst könnt ihr in verschiedenen Museen bewundern – den Löwenmenschen in Ulm, die Venus in Blaubeuren, andere Objekte sowie die Flöten im Landesmuseum Stuttgart.

 

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Pfahlbauten am Bodensee

Wohnen mit Seeblick – in bester Lage entstanden in der Bronze- und Jungsteinzeit Siedlungen am Ufer des Bodensees. Die Menschen begannen, sesshaft zu werden und schätzten wohl unter anderem die Fischgründe. Damit die Häuser bei steigendem Wasserstand nicht überschwemmt wurden, baute man sie auf Pfähle, die tief in den Grund des Sees eingegraben wurden. Nicht nur am Bodensee, sondern in verschiedenen Ländern rund um die Alpen. Viele dieser Pfähle sind heute noch übrig, die ehemaligen Siedlungen stellen einzigartige, archäologische Stätten dar. Sie geben Einblick in die Menschheitsgeschichte – und gehören in ihrer Gesamtheit (111 Pfahlbaustellen gibt es in Europa) zum Welterbe. Die Pfahlreste am Bodensee liegen unter Wasser und sind daher nicht wirklich zu sehen. In Unteruhldingen könnt Ihr jedoch im Freilichtmuseum eine originalgetreu nachgebaute Siedlung erkunden.

 

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Klosterinsel Reichenau

Die Reichenau ist die größte Insel im Bodensee. Rund 5.000 Menschen wohnen in der gleichnamigen Gemeinde. Drei Kirchen entstanden hier im frühen Mittelalter vom 9. Bis zum 11. Jahrhundert, die bis heute gut erhalten einen einzigartigen Eindruck vom klösterlichen Leben auf der Insel vermitteln. Besonders beeindruckend sind die Wandgemälde der Kirche St. Georg. Auf halbem Weg zum Festland findet sich außerdem eine Burgruine. Mehr zur Geschichte der Reichenau und der Klosteranlage gibt’s in mehreren Museumsstandorten auf der Insel. Das Gesamtensemble gehört seit 2000 zum Welterbe.

 

 

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Le Corbusier Haus in Stuttgart

Über Geschmack lässt sich streiten. Ganz sicher hat Stuttgart nicht nur Perlen der Baukunst hervorgebracht (Wir wissen, wovon wir sprechen – immerhin befinden sich unsere Redaktionsräume im charmanten Pressehaus, welches durch seine Wuchtigkeit und die von Schmutz grau verfärbten Betonfassaden besticht 😉). Dennoch: viele Gebäude der Landeshauptstadt sind architekturhistorisch bedeutsam. Eines der spannendsten Bauprojekte entstand Anfang des letzten Jahrhunderts mit der Weißenhofsiedlung nahe des Killesbergs. In knapp vier Monaten wurden hier 1927 33 Flachdachhäuser gebaut, entworfen von unterschiedlichen Architekten. Neue Ideen sollten entwickelt werden, wie moderne Wohnhäuser gebaut werden können. Zwei der Häuser entwarf der schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier (eines gemeinsam mit Pierre Jeanneret). Mit seiner Arbeit setzte er neue Maßstäbe – auch, wenn seine Sichtbetonbauwerke wie die „Wohnmaschine“ in Marseille nicht immer grazil daherkommen. Ein Teil seiner Werke gilt seit 2016 als Welterbe, dazu gehören die beiden Häuser in Stuttgart. Von außen könnt Ihr die in der Rathenaustraße jederzeit bewundern, für die hartgesottenen Architekturfans unter Euch gibt’s im Gebäude selbst ein Museum.

 

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Römischer Grenzwall Limes

Das römische Reich war eines der größten der Geschichte. Es umfasste den gesamten Mittelmeerraum, ging von der Sahara bis hoch nach Schottland. Die Grenzen waren gut gesichert – mit Palisaden, Mauern und Militäranlagen. Eine ging quer durch Germanien und zog sich durchs Gebiet des heutigen Baden-Württembergs. Überreste sind noch heute zu sehen, Wachtürme wurden originalgetreu konstruiert. Die römischen Grenzanlagen zählen seit 1987 in Teilen zum Welterbe, der Obergermanisch-Raetische Limes (der sich vom Rhein über das hessische Arnsbach bis nach Lorch im Ostalbkreis und weiter nach Bayern erstreckt) gehört seit 2005 dazu. Die größte Ausstellung dazu findet Ihr im Limesmuseum Aalen. Hier stand früher das größte, römische Reiterkastell nördlich der Alpen, dessen Überreste noch heute im Außenbereich des Museums zu sehen sind. Oder Ihr folgt dem ehemaligen Grenzlauf entlang des Limeswanderwegs!

 

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Kurstadt Baden-Baden

Erholung und Genesung, dafür nutzten bereits die Römer die heißen Thermalquellen in Baden-Baden. Die Quellen verhalfen der Stadt zu wahrer Größe, um sie herum entstand eine Kurstadt mit palastähnlichen Bauten, Theatern, Parkanlagen und einer Pferderennbahn. Besonders im 19. Jahrhundert war Baden-Baden schwer in Mode und besonders bei Franzosen zur Sommerzeit beliebt. Große Teile des historischen Ensembles sind bis heute erhalten geblieben, zu bewundern bei einem Spaziergang entlang der Lichtentaler Allee oder im Kurpark. Traditionelles Thermalbaden ist noch immer im Friedrichsbad möglich (allerdings textilfrei und nicht ganz günstig) – wenn Ihr Euch mehr für die Geschichte interessiert, könnt Ihr auch die Ruinen der römischen Badeanlagen besichtigen. Die historische Innenstadt gehört seit 2021 zum UNESCO-Welterbe, gemeinsam mit zehn anderen europäischen Kurstädten wie Vichy in Frankreich, Bath in England oder Karlsbad in Tschechien.

 

 

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Nominiert: Stuttgarter Fernsehturm

217 Meter "schwäbische Ingenieurskunst" und eine Bomben-Aussicht über Stuttgart und das Umland: Der Stuttgarter Fernsehturm wurde 2021 als UNESCO-Weltkulturerbe nominiert. Als Aushängeschild der Landeshauptstadt könnte er ab 2026 in die erlesene Liste aufgenommen werden - vorausgesetzt, er behauptet sich im nationalen Vorauswahlverfahren. Als erster Fernsehturm dieser Art diente er laut Oberbürgermeister Frank Nopper als Vorbild für Türme "von Sydney über Johannesburg bis Tokio". 1956 wurde der Stuttgarter Fernsehturm eingeweiht, nach einer Bauzeit von 20 Monaten. 

 

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Nominiert: frühkeltischer Fürstensitz Heuneburg

Was nach heutigem Verständnis nach Kleinstadt klingt, war im 6. Jahrhundert v.Chr. eine Weltstadt von der Größe Athens: 5.000 Einwohner lebten damals im stadtartigen Zentrum Heuneburg. Die baden-württembergische Landesregierung hat die Stätte auf einem Hügel nahe Sigmaringen gemeinsam mit dem Fernsehturm als Nominierung vorgeschlagen. Auf dem Gelände wurde bis 2001 ein Freilichtmuseum mit rekonstruierten Gebäuden erschaffen.

 

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