Julio Iglesias bei einem Konzert im Jahr 2010. Der spanische Schlagerstar feiert seinen 80. Geburtstag., © Daniel Perez/efe/epa/dpa
Julio Iglesias bei einem Konzert im Jahr 2010. Der spanische Schlagerstar feiert seinen 80. Geburtstag. Daniel Perez/efe/epa/dpa, dpa
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Vom Frauenschwarm zum Eremiten: Julio Iglesias wird 80

23.09.2023

«Wovor flieht Julio Iglesias?», fragte sich in Spanien kürzlich die vielgelesene Zeitung «La Razón». Die Frage ist berechtigt, denn der Schlagerstar, der am Samstag (23.9.) 80 wird, lebt völlig zurückgezogen in der Karibik. Seit 2019 meidet der Sänger Auftritte, seit langem gibt er keine Interviews mehr. Und er scheint bestens abgeschirmt zu sein, denn Paparazzi bekamen ihn zuletzt vor drei Jahren, im Sommer 2020, vor die Linse.

Lebenszeichen gibt der Madrilene nur online. Auf Instagram postet er vor allem alte Videos und Fotos. Echte News gab es auf dem sozialen Netzwerk zuletzt am 31. Mai, als Iglesias verriet, dass er seine Memoiren schreibe.

«Mir geht es verdammt gut»

Das Eremitendasein lässt natürlich die Gerüchteküche brodeln. Unter anderem wird in Spanien immer wieder erzählt, dass es dem einstigen Inbegriff des «Latinlovers» gesundheitlich wohl sehr schlecht gehe. Dass er auf den Rollstuhl angewiesen sei. Dass er sein Gedächtnis weitgehend verloren und sogar die Texte seiner eigenen Lieder vergessen habe. Alles Quatsch, versicherte jetzt in der Zeitung «El Mundo» Kolumnist Jaime Peñafiel. Der 91-Jährige schrieb am Wochenende, er habe dieser Tage mit seinem engen Freund telefoniert und der habe ihm versichert: «Mir geht es verdammt gut.»

Der Schmachtbarde, der mit seiner Stimme und Hits wie «Hey!», «Me va, me va» oder «Careless Whisper» die Herzen der ebenfalls älter gewordenen Fans schon seit 55 Jahren höher schlagen lässt, hat bisher noch nie das Ende seiner Karriere angekündigt - oder auch nur angedeutet. «Ich habe beschlossen zu singen, bis ich 90 bin», er brauche einfach das Singen, «um weiterleben zu können», sagte er mehrfach. Live-Konzerte bezeichnete er einmal im Interview als «eine Sucht, für die es kein Gegenmittel gibt». In Spanien wird darüber spekuliert, Iglesias werde vielleicht bei der Einweihung des modernisierten Stadions seines Fußball-Clubs Real Madrid, die kurz vor Weihnachten stattfinden soll, wieder auf der Bühne stehen.

Doch seinem Freund Peñafiel sagte er etwas, was ein bisschen nach Abschied klingt: Er habe kein Interesse an irgendetwas anderem als mit seiner Frau, der 57-jährigen Niederländerin Miranda, und seinen acht Kindern sowie seinen Enkeln glücklich zu sein.

Über 300 Millionen verkaufte Alben

Iglesias gilt als erfolgreichster spanischsprachiger Sänger, wie es unter anderem im Guinness-Buch der Rekorde steht. Er hat aber auch auf Deutsch, Englisch und vielen anderen Sprachen gesungen. Weltweit hat er mehr als 300 Millionen Alben verkauft und über 2600 Platin- und Gold-Platten erhalten. Er arbeitete mit Musiklegenden aller Couleur zusammen: Mit Frank Sinatra und Plácido Domingo, mit Stevie Wonder und den Beach Boys, mit Diana Ross, Sting und vielen anderen. In Hollywood hat er einen Stern auf dem legendären «Walk Of Fame».

Dabei hatte der am 23. September 1943 als Sohn eines Gynäkologen in Madrid geborene Julio José Iglesias de La Cueva mit der Musik lange überhaupt nichts am Hut. «Ich wurde nicht geboren, um Sänger zu werden. Ich weiß nicht wirklich, wozu ich geboren wurde, aber ich hatte eine Menge Umstände in meinem Leben, die alles verändert haben», schrieb er in einem Brief an «¡Hola!», den das spanische Boulevardmagazin am Freitag veröffentlichte. Als Teenager träumte Iglesias von einer Karriere als Fußballtorwart. Das Zeug dazu hatte er. Er glänzte in den Jugendmannschaften von Real Madrid und war kurz vor seinem 20. Geburtstag bereits auf dem Sprung ins Profiteam, als ein schwerer Autounfall ihm einen Strich durch die Rechnung machte.

20 Monate lang ans Krankenbett gebunden

Dem Unfall hat Iglesias aber wohl die Musik-Karriere zu verdanken. Jung-Julio war damals nämlich 20 Monate lang halb gelähmt ans Krankenbett gebunden. Er brachte sich in dieser Zeit selbst das Gitarrespielen bei, schrieb erste Lieder. «Die Musik hat mir geholfen, wieder gesund zu werden.» Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus hatte er die Torwarthandschuhe und das Jura-Studium längst vergessen. Er tingelte zunächst lange in Madrid und London von Kneipe zu Kneipe. Als unbekannter Newcomer gewann er 1968 beim Festival von Benidorm, obwohl er im Brief an «¡Hola!» einräumt, er habe anfangs «nicht sehr gut» gesungen. Spätestens nach dem 4. Platz beim Eurovision Song Contest 1970 in Amsterdam ging es steil bergauf.

Aus der Ehe mit der philippinischen Diplomatentochter Isabel Preysler (1971-1979) stammen Chabeli (52), Julio Iglesias Jr. (50) und Enrique (48). Beruflich traten die beiden Jungs in Papas Fußstapfen. Vor allem Enrique ist ein Dance-Pop-Weltstar («Bailando»).

Mit Miranda lebt Iglesias seit 1992 zusammen, geheiratet wurde 2010. Das Paar hat fünf gemeinsame Kinder. Der stets braun gebrannte Sänger und Komponist lebt vor allem mit Miranda und dem jüngsten Sohn Guillermo (16) in drei Karibik-«Bunkern»: In Miami, auf den Bahamas sowie in Punta Cana in der Dominikanischen Republik. In Spanien hat er nahe Marbella eine Luxus-Finca. Aber in der Heimat wurde Iglesias lange nicht mehr gesehen. Vielleicht auch deshalb, weil er nirgendwo so hart kritisiert wird. «Schnulzensänger» nennen viele Medien und Menschen dort den berühmten Landsmann verächtlich.

«Stark wie ein Stier - aber zu faul, um zurückzukehren»?

Die gewöhnlich gut informierte Schriftstellerin und Journalistin Beatriz Cortázar sagte jüngst im Radiosender EsRadio: «Er hat das Gefühl, dass sein Land ihn nicht so liebt wie er sein Land liebt.» Iglesias sei immer noch «stark wie ein Stier». «Aber er ist zu faul, um zurückzukehren. Er müsste sich in Form bringen, das Orchester aufbauen und die gesamte Logistik organisieren.»

Cortázar hat auch eine Antwort auf die Frage von «La Razón» parat: Der Sänger lasse sich nicht blicken, weil er sehr eitel sei und mit dem Älterwerden nicht klarkomme. «Wenn er nicht so aussieht, wie er es gerne hätte, lässt er sich auch nicht gern blicken.» Und: «Er hat es satt, dass man ihn an seinen 80. erinnert.»

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