Lukas Dauser jubelt mit der deutschen Fahne., © Marijan Murat/dpa
Lukas Dauser jubelt mit der deutschen Fahne. Marijan Murat/dpa, dpa
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Mit Marotten und Können: Dauser und Co. turnen um Olympia

28.09.2023

Schon der Start in den Tag ist für Lukas Dauser entscheidend: Bloß nicht mit dem falschen Fuß zuerst aufstehen! Mit einem Schuss Aberglauben, Routine und vor allem Vertrauen in das eigene Können geht der 30-Jährige gemeinsam mit seinen Kollegen am Samstag bei den Turn-Weltmeisterschaften in Antwerpen die Mission Olympia-Qualifikation an.

«Es sind nach wie vor die gleichen Marotten. Das Markanteste ist, dass ich mit beiden Füßen gleichzeitig aufstehe, damit ich nicht mit dem falschen Bein aufstehe, dass meine Badelatschen immer parallel stehen müssen, wenn ich ans Gerät gehe», erzählt der Unterhachinger im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Rechtzeitig zur alten Stärke

Nach einer langen Verletzungspause hat der Olympia- und WM-Zweite am Barren rechtzeitig zum bedeutendsten Wettkampf des Jahres zu alter Stärke gefunden. Wegen eines Muskelbündelrisses in der Schulter hatte Dauser auf die Europameisterschaften im April in Antalya verzichten und auch den Start bei den deutschen Meisterschaften in Düsseldorf im Juli absagen müssen. «Ich bin körperlich fit und freue mich auf die nächsten zwei Wochen», bestätigt er, was er mit seinem Weltcup-Sieg am Barren kürzlich in Paris bereits unter Beweis gestellt hatte.

«Der Junge ist gut drauf. Er zieht die Mannschaft nach vorn», sagt auch Bundestrainer Valeri Belenki. Der 54-Jährige hat sein Team mit Dauser, Mehrkampf-Meister Pascal Brendel (Wetzlar), Nils Dunkel (Halle/Saale), Lucas Kochan (Cottbus) und Nick Klessing (Halle) - der den wegen einer Knieverletzung kurzfristig ausfallenden Routinier Andreas Toba ersetzt - komplett auf den Mannschafts-Mehrkampf bei der WM ausgerichtet. Denn in Antwerpen geht es für die Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) um die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris. Dafür ist mindestens Rang zwölf nötig. «Das ist wahrscheinlich der wichtigste Wettkampf im Zyklus», sagt Dauser.

Zuversichtlicher Dauser

Bei den vergangenen Großereignissen seit den Olympischen Spielen in Tokio war das DTB-Team immer in den Top Ten. Auf einer Zuversichtsskala von 1 bis 10 vergab Dauser den Höchstwert, dass dies dem Quintett wieder gelingt. «Wir sind ein super ausgeglichenes Team. Wir sind besser aufgestellt als in den letzten Jahren», begründet er sein Urteil. Jetzt müsse man das am Samstag auch aufs Podium bringen. «Für uns kommt es darauf an, dass wir unsere Übungen turnen, dass wir keine Fehlwertungen haben, dass wir immer drei heile Übungen pro Gerät haben. Wenn wir das schaffen, bin ich mir sicher, sind wir unter den Top 12 und haben unsere fünf Tickets für Paris», sagt der gebürtige Bayer.

Paris ist für Lukas Dauser das vorläufige Sehnsuchtsziel. Zum einen hat ihn sein 30. Geburtstag im Juni zum Nachdenken über sein Karriereende gebracht. «Das hat mich auch ein bisschen belastet. Deswegen habe ich mit meinem Mentaltrainer an der Sache gearbeitet. Mein Plan ist Paris, das sind nicht einmal mehr elf Monate», gibt er zu. Bis dahin wolle er alles «reinhauen, gut trainieren, mit Leidenschaft und Spaß dabei sein».

Zum anderen hat Dauser im Frühjahr geheiratet und vermisst das Zusammenleben mit seiner Frau Viktoria. Denn die 28-Jährige ist nach ihrem Zahnmedizin-Studium über die Bundeswehr nach Hannover versetzt worden, während er selbst in Halle an der Saale wohnt und dort gemeinsam mit Dunkel und WM-Ersatzturner Nick Klessing bei Hubert Brylok trainiert. «Seit Anfang des Jahres führen wir leider eine Fernbeziehung, was für mich auch eine große Umstellung war, nach zehn Jahren Zusammenleben wieder allein zu leben. Gerade mit meiner Verletzungsphase war das erste halbe Jahr wirklich schwer für mich. Ich war da in einem großen tiefen Loch. Ich bin froh, dass ich mich jetzt wieder zurückgekämpft habe», sagt Dauser.

Noch bis Mitte 2024 ist seine Frau an den Standort gebunden. Für Dauser passt das perfekt mit Paris überein: Die Olympischen Spiele finden dort vom 26. Juli bis 11. August statt. «Dann hoffe ich, dass ich nach den Olympischen Spielen ein bisschen flexibler bin, was meinen Standort betrifft, und wir dann diese herausfordernde Zeit gut gemeistert haben», sagt er vorausblickend.

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