Höhere Gaskosten belasten Land - Büro-Temperatur 18 Grad denkbar
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Höhere Gaskosten belasten Land - Büro-Temperatur 18 Grad denkbar

03.07.2022

Das Land Baden-Württemberg rechnet wegen der Drosselung russischer Gaslieferungen mit explodierenden Heizkosten für eigene Gebäude und will mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen gegensteuern. Im Jahr 2021 hat das Land noch 17 Millionen Euro für die Gasversorgung der etwa 8000 Landesgebäude ausgegeben. "Bei der Annahme einer Verdreifachung des Gaspreises wären für 2023 rund 51 Millionen Euro an Kosten für die Gasversorgung zu erwarten", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.

Gaskosten könnten vier bis fünf Mal so hoch sein

Doch diese ursprüngliche Annahme einer Verdreifachung sei wohl schon wieder überholt. Der Einkauf an der Energiebörse laufe bereits, "so dass nach vorliegender Hochrechnung die Kosten beim Gaseinkauf vier bis fünf Mal so hoch sein werden als im Jahr 2021". Im ungünstigsten Fall wären das Kosten in Höhe von 85 Millionen Euro für 2023. Hinzu kämen weitere Mehrkosten bei der Fernwärme, die momentan noch nicht beziffert werden könnten, erklärte der Sprecher.

Im Winter bräuchten Beamte wohl einen Pullover und dicke Socken

Dazu gehört womöglich auch, dass die Büros der Landesbediensteten im Winter nur bis höchstens 18 Grad geheizt werden. Man sei offen dafür, wenn der Bund die Arbeitsstättenverordnung entsprechend ändern würde, sagte der Ministeriumssprecher. Bisher liegt der Standard bei leichten Büroarbeiten bei 20 Grad. Bei der Kühlung im Sommer will man nichts ändern, anders als im Bund gilt in BW schon länger, dass erst ab 26 Grad gekühlt werden darf. Das sei aber normalerweise gar nicht nötig. "Unsere Räume werden in der Regel nicht gekühlt", sagte der Sprecher. "Wir erarbeiten gerade ein Maßnahmenbündel, um für Herbst und Winter vorbereitet zu sein."

Dreistelliger Millionenbetrag als Puffer - ob der reicht?

Nach dem Ausrufen der Alarmstufe des Notfallplans Gas durch den Bund hatte Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) bereits eine Vervielfachung der Gaspreise vorausgesagt. Das werde Bürgern und Unternehmen an die Substanz gehen und auch die öffentlichen Haushalte massiv belasten. Die grün-schwarze Koalition hat in den Eckpunkten für den Doppeletat 2023/24 einen Risikopuffer in Höhe von einer Milliarde Euro eingebaut, mit dem die Mehrkosten durch die hohe Inflation und höhere Energiepreise aufgefangen werden sollen. Allein für das Kostenplus bei der Energie soll ein dreistelliger Millionenbetrag zurückgelegt werden. Ob das am Ende reichen werde, sei noch nicht abzuschätzen.

Anteil von Gas beim Heizen bei 50 Prozent

Die Wärmeversorgung der Landesgebäude laufe zum großen Teil über  landeseigene oder von Dritten betriebene Nah- und Fernwärmenetze. Die Wärmeerzeugung erfolge vor allem über Kraft-Wärme-Kopplung, erklärte der Sprecher. "Erdgas wird als Hauptenergieträger mit einem Anteil von rund 50 Prozent genutzt."

Finanzminister ermahnt die Ressortkollegen zum Energiesparen

Bayaz hatte schon Ende Mai einen Brief an seine Ministerkolleginnen und -kollegen mit Tipps geschickt. "Die angespannte Situation möchte ich zum Anlass nehmen, alle Landesbehörden zum aktiven Energiesparen zu motivieren", schrieb der Grüne. Zwar sei die Versorgungssicherheit für die Landesgebäude "aktuell noch gewährleistet, jedoch ist die Beschaffung von Erdgas an der Energiebörse bereits deutlich erschwert".

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