Für eine sichere Heim-EM: Einsatzkräfte üben in der MHP-Arena den Ernstfall , © Jannick Hess
Polizeibeamten evakuieren bei der Übung in der MHP-Arena eine "verletzte" Person. Jannick Hess

Für eine sichere Heim-EM: Einsatzkräfte üben in der MHP-Arena den Ernstfall

Großes Polizeiaufgebot heute in Stuttgart - Hintergrund ist eine Übung in der MHP-Arena zur Fußball-Europameisterschaft, die in genau einem Monat startet. Insgesamt 1.200 Einsatzkräfte üben an insgesamt 6 Tagen lebensbedrohliche Lagen, die Versorgung von Verwundeten, und vieles mehr. Ziel ist es, dass ihr die EM ganz entspannt und sicher genießen könnt, egal ob ihr im Stadion oder beim Public Viewing seid. Wie genau die Übung abläuft könnt ihr in der Galerie sehen:

14.05.2024

Der Mann mit der Schirmmütze ist es. Er sitzt während der La-Ola-Welle in der Stadionreihe 9, Sitz 30. In wenigen Momenten wird er ein Messer ziehen und entfesselt auf seine Nachbarn einstechen, er wird sich seinen Weg durch die Reihe bahnen, weiter um sich stechend und erst neun Reihen später von den maskierten Spezialeinsatzkräften der Polizei gestellt werden. So zumindest könnte es im schlimmen Fall passieren während eines Spiels der Fußball-Europameisterschaft. Um schneller reagieren und sich besser absprechen zu können, trainieren Hunderte von Polizisten und Rettungskräften derzeit solche Einsatzlagen im Stuttgarter Stadion.

Wie genau die heutige Übung abgelaufen ist könnt ihr in der Galerie sehen:

200 Schülerinnen und Schüler der Hochschule für Polizei simulierten das Publikum in der MHP-Arena. Inmitten der Zuschauermasse griff ein Mann im Übungsszenario wahllos Menschen mit einem Messer an. Jannick Hess

Auch Innenminister Thomas Strobl (CDU) verschaffte sich heute bei einer Übung der Einsatz- und Rettungskräfte in der MHP-Arena gemeinsam mit Herrn Staatssekretär Thomas Blenke MdL (CDU) und Frau Landespolizeipräsidentin Dr. Stefanie Hinz einen Eindruck vom Stand der Vorbereitungen der Einsatzkräfte auf die Europameisterschaft. Rund 15 Einsatzzüge des Polizei-präsidiums Einsatz, zwei Einsatzzüge des Polizeipräsidiums Stuttgart, zwei Einsatzeinheiten der Bundespolizei sowie 200 Schülerinnen und Schüler der Hochschule für Polizei sowie 30 Angehörige des Rettungsdienstes waren bei der Erprobung verschiedener Szenarien eingesetzt.

Strobl: «Die EM mit austragen zu dürfen ist eine tolle Herausforderung»

Die Polizei Baden-Württemberg bereitet sich auch als Teil einer bun-desweiten Projektgruppe seit Monaten intensiv auf die bevorstehenden Veranstaltungen und Einsatzlagen vor. Unter anderem führt sie seit 24. April 2024 mehrere großangelegten Übungen in der MHP-Arena in Stutt-gart mit komplexen Übungsszenarien durch, um für den ersten Anpfiff am Neckar im Gruppenspiel Slowenien Dänemark startklar zu sein.

Wir haben mit Innenminister Strobl im Interview über die Herausforderungen für eine sichere Heim-EM und die Chancen der deutschen Nationalmannschaft gesprochen:

Strobl über die Herausforderung für eine sichere Heim-EM:
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Strobl über die Chancen der deutschen Nationalmannschaft:
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«Wir bereiten uns auf Lagen vor, von denen wir hoffen, dass sie nie passieren», sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Dienstag am Rande der Übung im Stadion. An fünf Spieltagen ist Stuttgart Gastgeber der EM. Hinzu kommen zahlreiche Public Viewing-Angebote, darunter die Großlage mit bis zu 30.000 Menschen auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

Höfler: «Natürlich kann nicht nachgestellt werden, wie es wirklich wäre»

Während nach dem simulierten Messeranschlag in Reihe 30 mehrere schwarz gekleidete und maskierte Spezialeinsatzkräfte die Lage sichern, kümmern sich andere um die geschminkten und verkleideten Verletzten in den Stadionreihen, sie schleppen und tragen sie zu den Rettungsdecken im Vorraum des Stadionrunds, schätzen die Schwere der Wunden ein und teilen die Opfer entsprechend in Gruppen auf. «Unsere Kräfte sind ausgebildet in der Notfallversorgung. Der Rettungsdienst kommt erst dazu, wenn wir überzeugt sind, dass die Lage sicher genug ist.»

Das Szenario ist allerdings auch ein wenig unwirklich. Bei einem Anschlag würden Zehntausende Fans nur wenig abseits dieser Lage panikartig die Flucht ergreifen. «Natürlich kann nicht nachgestellt werden, wie es wirklich wäre», sagt der stellvertretende Stuttgarter Polizeipräsident Carsten Höfler. «Aber wir versuchen, dem so nahe wie möglich zu kommen.» Denn die Abläufe müssen passen, die Sprache verständlich sein und die Ansprechpartner bekannt, damit im Ernstfall keine Zeit verloren wird.

Cyberangriffe und Drohnen

Die Stadt und die Stuttgarter Polizei erstellen nach eigenen Angaben zudem Sicherheitskonzepte für die Fan-Zonen in der Innenstadt, das Public Viewing auf dem Schlossplatz und die fünf Spiele, die im Stadion ausgetragen werden. Im Zentrum stehen unter anderem die allgemeine Fußballgewalt und die Gefahr terroristischer Anschläge sowie mögliche Cyberangriffe. Die Polizei bereitet sich auch auf Proteste oder Demonstrationen am Rande der EM vor. Nach früheren Angaben sind auch Zutrittskontrollen im Stadion und in abgegrenzten Bereichen vorgesehen, die Polizeipräsenz in der Stadt wird ebenso verstärkt wie die Kameraüberwachung an Hotspots.

Während der EM gilt teilweise auch ein Flugverbot über der Stadt, der Luftraum soll mit Drohnen überwacht und geschützt werden. Von einem «weitreichenden Abwehrkonzept für bemannte und unbemannte Flugfahrzeuge» spricht die Polizei. Drohnen würden zu einer immer größeren Herausforderung, sagte Innenminister Strobl. Die Geräte würden günstiger und technisch perfekter. «Zur EM werden deshalb auch unsere Systeme zur Erkennung und Abwehr von Drohnen zum Einsatz kommen.» Stuttgart nimmt wie alle anderen EM-Standorte auch am Projekt «Escape Pro» teil. Mit einem KI-basierten Software-Programm werden dabei Personenströme von Großveranstaltungen simuliert und Fluchtwege berechnet. Das Projekt, das bereits seit Juni 2023 läuft, wird bei der EM erstmals auf die Probe gestellt.

Islamisten werben für Terroranschläge

Einen Monat vor dem Eröffnungsspiel schüren allerdings auch militante Islamisten Unruhe und werben nach Angaben des Landesverfassungsschutzes offen im Netz für Anschläge während des Turniers. «Wir haben es seit einiger Zeit mit einer zunehmenden abstrakten Gefahr zu tun», sagte die Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, Beate Bube. So wirbt der IS-Ableger Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) in einer der jüngeren Ausgaben seines Hochglanzmagazins gezielt für die vierwöchige Großveranstaltung (14.6.-14.7.) und weist auf die Stadien in Dortmund, Berlin und München hin.

«Die Werbung ist gut gemacht, sie kann gezielt junge und hochemotionalisierte Menschen ansprechen, die sich auch angesichts der aktuellen politischen Weltlage radikalisieren lassen und zu Tätern werden», sagte Bube am Rande der Einsatzübung im Stuttgarter Stadion. So könnten die Terroristen die Europameisterschaft auch als politische Bühne nutzen, um ihre Botschaften zu verbreiten.

Die Fußball-Europameisterschaft findet vom 14. Juni bis 14. Juli 2024 mit Nationalmannschaften aus 24 europäischen Ländern in Deutschland statt. Von den insgesamt 51 Spielbegegnungen werden fünf Partien in Stuttgart ausgetragen. Die UEFA EURO 2024™ wie die offizielle Bezeichnung lautet wird als Sportgroßveranstaltung weltweit aufmerksam verfolgt werden.

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