Kriminalbeamte untersuchen im Juni 2010 bei Heidenheim-Nietheim den Waldboden.
Kriminalbeamte untersuchen im Juni 2010 bei Heidenheim-Nietheim den Waldboden. Stefan Puchner/dpa, dpa
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Ermittlungen im Mordfall Bögerl eingestellt

14.08.2023

13 Jahre lang haben Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt und mehr als 10 000 Spuren ausgewertet. Es gab DNA-Massentests, Durchsuchungen und mehrere TV-Aufrufe bei «Aktenzeichen xy... ungelöst», aber auch Pannen und Kritik am Vorgehen der Ermittler. Nun wird einer der bekanntesten ungeklärten Mordfälle Deutschlands vorerst zu den Akten gelegt. Denn im Fall der entführten und ermordeten Bankiersfrau Maria Bögerl aus Heidenheim in Baden-Württemberg konnte bisher kein Täter gefunden werden.

Doch klar ist auch: Mord verjährt nicht. Die Beamten haben noch immer eine genetische Spur, die «eindeutig einem männlichen Täter zuzuordnen ist», wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ellwangen, Maximilian Adis, sagte. Bei einem Treffer würden die Ermittlungen sofort wieder aufgenommen.

Das Lösegeld wurde nicht abgeholt

Rückblick: An einem Vormittag im Mai 2010 wurde Maria Bögerl, Frau des damaligen Sparkassen-Chefs, in ihrem Haus in Heidenheim an der Brenz überwältigt, gefesselt, zu ihrem Auto gebracht und entführt. Kurze Zeit später klingelte das Telefon ihres Ehemanns Thomas Bögerl. Der Entführer forderte 300.000 Euro Lösegeld. Bögerl sollte das Geld an einer mit einer Deutschlandflagge markierten Stelle an der Autobahn 7 ablegen.

Doch das Geld wurde nie abgeholt. Die Ermittler gaben später zu, dass es eine Panne gab: Das Lösegeld konnte nicht rechtzeitig an dem vereinbarten Ort abgelegt werden. Der oder die Entführer meldeten sich danach nicht mehr. Der Mann, der telefonisch das Lösegeld verlangte, soll mittleren Alters gewesen sein und einen «ortsüblichen schwäbischen Dialekt gesprochen haben».

Er begann ein fast nicht auszuhaltendes Warten: auf ein Lebenszeichen, auf einen weiteren Anruf des Entführers. In ihrer Verzweiflung wendeten sich Ehemann und Kinder der Entführten knapp eine Woche später über die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» an die Öffentlichkeit. Sie flehten, dass ihre Mutter und Ehefrau freigelassen werden sollte - vergebens.

Massen-Gentests ohne Erfolg

Knapp drei Wochen später fand ein Spaziergänger mit seinem Hund in der Nähe der Geldübergabestelle die verweste Leiche der 54-Jährigen. Die Tote lag an einem Waldrand und war mit Ästen abgedeckt. Auch die Polizei hatte das Gebiet an den Tagen nach der Entführung am 12. Mai durchsucht, allerdings ohne Spürhunde.

In der Nähe der Fundstelle, rund zehn Kilometer vom Wohnhaus der Familie Bögerl entfernt, stieß die Polizei auch auf das Handy der 54-Jährigen. Ihren Wagen entdeckte die Polizei nach Hinweisen im Hof des Klosters Neresheim. Im Auto von Bögerl fand die Polizei DNA-Spuren - mutmaßlich von dem oder den Entführern. Tausende Männer beteiligten sich später an einem Massen-Gentest. Einen Treffer gab es dabei nicht.

Tragische Wendung

Inzwischen vermuten die Ermittler, dass Maria Bögerl bereits kurz nach ihrer Entführung erstochen wurde - vermutlich zwischen Erpresseranruf und Geldübergabe. «Mutmaßlich wäre sie nicht zu retten gewesen», sagte Thomas Friedrich, der die Ermittlungen in dem Fall damals leitete, zum zehnten Jahrestag des Mordfalls.

Ein Experte für Entführungen ging davon aus, dass der Täter mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Umgebung kam und allein und ungeplant handelte. Denn die Lösegeldforderung sei eher gering gewesen. Möglicherweise habe der Täter schnell an Geld kommen wollen. Profis würden anders vorgehen.

Für Bögerls Kinder Christoph und Carina hörten die tragischen Ereignisse zunächst nicht auf. Knapp ein Jahr nach dem Tod der Mutter nahm sich der Vater das Leben. Er war in Verdacht geraten, in den Fall verwickelt zu sein. Die Verleumdungen, die erfolglosen Ermittlungen der Polizei und den Verlust seiner Frau habe er nicht ertragen, hieß es damals in der Traueranzeige der Familie.

Leicht hatten es die Ermittler im Mordfall Maria Bögerl wahrlich nicht. Sie erlitten immer wieder Rückschläge, wurden mehrfach kritisiert und sogar von einem falschen Zeugen an der Nase herumgeführt. Doch als abgeschlossen gilt der Fall erst, wenn ein Täter gefunden wird.

Da ein Mord-Vorwurf nicht verjährt, kann das Verfahren bei neuen Ermittlungsansätzen jederzeit wieder aufgenommen werden - etwa, wenn bei einer anderen Tat eine DNA-Spur gefunden wird, die derjenigen im Fall Bögerl entspricht. Neue Methoden machen dies inzwischen immer öfter möglich. Für den Fall zuständig bleibt das Polizeipräsidium Ulm - und hier der Hauptsachbearbeiter und der ehemalige Leiter der 2016 aufgelösten Sonderkommission «Flagge», «um dadurch alle notwendigen Detailkenntnisse zum Sachverhalt in erfahrener Hand zu belassen», wie die Ermittler schreiben.

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