Karl-Theodor zu Guttenberg (l) und seine Frau Stephanie Freifrau zu Guttenberg im Jahr 2010., © Fredrik von Erichsen/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (l) und seine Frau Stephanie Freifrau zu Guttenberg im Jahr 2010. Fredrik von Erichsen/dpa, dpa
  • Promis
  • Infoline
  • DPA-News

Ehepaar zu Guttenberg hat sich getrennt

15.09.2023

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (51) und seine Frau Stephanie (46) gehen getrennte Wege. Sie zählten einst zu den schillerndsten Paaren der deutschen Politik, waren von manchen gar als deutsche Kennedys gefeiert worden - bevor der CSU-Politiker über die Affäre um Plagiate in seiner Doktorarbeit stolperte und es zum Karrierebruch kam.

Auf Nachfrage bestätigte der Rechtsanwalt des Paares, Christian Schertz, der Deutschen Presse-Agentur: «Ja, es ist richtig, das Paar hat sich bereits im vergangenen Winter in bestem Einvernehmen getrennt und wird auch weiterhin in großer Freundschaft eng miteinander verbunden bleiben.» Schertz ergänzte: «Wir bitten im Interesse des Schutzes der Privatsphäre der Familie zu Guttenberg und auch in Ansehung der gemeinsamen Kinder, diese zu respektieren und von weiteren Anfragen Abstand zu nehmen.»

Seit 2000 verheiratet

Das Paar hatte 2000 geheiratet. Die zu Guttenbergs brachten Glanz in die Bundespolitik. Sie versprühten Jugendlichkeit und Energie, wenn sie in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Ähnlich war es bei Ex-Bundespräsident Christian Wulff und dessen Frau Bettina. Hinzu kam der Titel. Jung, gut aussehend, erfolgreich, wohlhabend - Karl-Theodor zu Guttenberg, Spross eines fränkischen Adelsgeschlechts, galt als Shooting-Star in der Politik, ein Hoffnungsträger. Manche trauten ihm sogar das Kanzleramt zu. Stephanie wiederum ist eine Nachfahrin des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck.

Der CSU-Politiker, mit vollständigem Namen Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, war von 2009 bis 2011 Bundesverteidigungsminister, zuvor kurze Zeit Bundeswirtschaftsminister. Mit Fotos in Cargohosen und mit Sonnenbrille präsentierte Guttenberg Titelbilder etwa von seinen Besuchen der Bundeswehr in Afghanistan. Seine Auftritte brachten ihm auch viele Spitzen aus der Opposition ein.

Tiefer Fall nach steiler Karriere

Doch es kam zu einem tiefen Fall, die steile Karriere war abrupt zu Ende. 2011 legte zu Guttenberg wegen einer Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit seine politischen Ämter nieder, der Doktorgrad wurde ihm entzogen. Es stehe nun eine «Zeit der Reue, wahrscheinlich auch der Buße» bevor, sagte der CSU-Politiker damals beim Großen Zapfenstreich zu seinem Abschied.

Die Familie, das Paar hat zwei Töchter, ging in die USA, hatte aber nicht vor, die Zelte in Deutschland für immer abzubrechen. Zu Guttenberg wurde Experte in einer «Denkfabrik». Immer wieder machte er sich hierzulande bemerkbar, per Interview oder dem relativ schnell veröffentlichten Buch «Vorerst gescheitert».

Stephanie zu Guttenberg engagierte sich vor und nach dem Karriere-Bruch ihres Gatten in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Die gebürtige Münchnerin und studierte Textilbetriebswirtin setzte sich etwa gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern ein und übernahm auch die Schirmherrschaft des Landesverbands Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. Sie war zudem einige Jahre Präsidentin der Kinderschutzorganisation Innocence in Danger, veröffentlichte das Buch «Schaut nicht weg!» über sexuellen Missbrauch.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist seit Jahren als Berater und Unternehmer tätig. Als quasi zweite Chance sahen es viele an, dass er eine zweite Doktorarbeit schrieb. Wohlgesonnene feierten ihn als Geläuterten. Vor Jahren dann reiste er aus den USA an, um wieder Wahlkampf für die CSU zu machen. Zum Beispiel in seiner Heimat Kulmbach in Oberfranken. Der Stammsitz seiner Adelsfamilie ist nur ein paar Kilometer entfernt.

Das Ehepaar zeigte sich in den vergangenen Jahren immer mal wieder in der Öffentlichkeit, zum Beispiel auf dem Oktoberfest in München oder bei Pferdesport-Events.

Karl-Theodor zu Guttenberg arbeitet auch als Co-Produzent und Moderator von Dokumentarfilmen und anderen publizistischen Formaten. Er veröffentlicht in englisch- und deutschsprachigen Medien und hat mit dem Linke-Politiker Gregor Gysi einen Podcast. Auch im RTL-Programm war er mehrmals zu sehen. Er führte zum Beispiel Ende 2022 durch einen Jahresrückblick zusammen mit Entertainer Thomas Gottschalk. In Kürze erscheint sein neues Buch («3 Sekunden») mit Alltagsbeobachtungen.

© dpa-infocom, dpa:230915-99-210498/2