Bewundert Euch!

Bitte sagt mir, dass Ihr sie auch kennt: Diese vermeintlichen Superfrauen, die einfach alles meistern, nie gestresst sind, dabei auch noch verdammt gut aussehen und neben Kindern, Mann, Pflege von Angehörigen, Job und Haushalt auch noch Zeit finden, jeden zweiten Abend ins Aerobic zu gehen oder sich mit Freundinnen zu treffen. 

Die heile Welt von gegenüber

Meine Nachbarin zum Beispiel ist so eine Frau. Typ Ende 30 mit einem Aussehen wie Herzogin Kate Middleton höchstpersönlich. Immer schick gekleidet – nicht unbedingt royal, aber zumindest niemals im Schlabberlook. Zwei nette Jungs, beide immer höflich, aufs Wort hörend und mit wundersam immer picobello aufgeräumten Kinderzimmern. Einem Mann wie aus dem Bilderbuch, tagsüber Krawatte, abends Polohemd und immer irgendwo am Haus am Werkeln. Nie kommt mal ein böser Ton herüber, bei den Nachbarn wird wohl quasi weder gestritten noch geschimpft. Und als i-Tüpfelchen noch ein Häuschen mit gepflegtem, aber nicht spießigem Garten und eigenem Gemüsebeet. 

Die andere Seite

Und dann eben noch wir. Die Nachbarn.
Wohlwollend betrachtet ist das alles im großen und ganzen genauso, nur irgendwie vollkommen anders. Ich, Typ vollchaotisch stilbefreit, teile mir mit meinen Mann einen winzigen Kleiderschrank, der öfters angesichts sich stapelnder Wäsche so ziemlich unroyal einfach nahezu leer ist. Zwei zauberhafte Kinder mit eigenem Kopf, die sich und die Umwelt gerade so richtig entdecken (die Große), oder gerade mit dem eigenen Wachsen ordentlich zu kämpfen haben (der Kleine) – beides jedoch nicht ohne den ein oder anderen Tränen- oder Wutausbruch, oft gepaart mit durch die Gegend fliegenden Gegenständen und kuriosen Schimpfwörtern. Einem Bilderbuch-Mann, der jedoch so in keinem Bilderbuch steht, da er so einmalig (toll!) ist, dass ihn sich keiner ausdenken könnte. Und einem Häuschen, an dem alles irgendwie noch nicht so ganz fertig ist und an dem auch nicht so konsequent herumgepflegt wird. 

Die kleinen Unterschiede

Ja, ich beneide meine Nachbarin ein bisschen. Einfach, wegen der kleinen, aber feinen Unterschiede. Frisiert statt gebürstet. Gestylt statt angezogen. Getimed statt gestresst. Immer alles meisternd, und dabei immer total nett und fröhlich. Versteht mich bitte nicht falsch: Ich mag unsere Nachbarn sehr! Doch sie zeigen mir auch immer ein bisschen meine eigenen Grenzen auf.
Ich husche bei der Arbeit von einen Termin zum nächsten, zu Hause vom Kinderchor zum Kochen, vom Wäscheberg A zu Bügelberg B und balanciere Wäschekörbe durch zwei Kinderzimmer voller Duplosteine und Kuscheltiere. Ich komme nicht immer ganz pünktlich und ich bin leider wirklich auch sehr gut darin, Dampf abzulassen und mal ordentlich vor mich hin zu schimpfen, sei es auch nicht gegen irgendwen bestimmten.

Und wisst Ihr, was mich neulich völlig überrascht hat? Ich werde dafür bewundert! Dafür, wie ich das hinkriege mit den Kindern und dem Haushalt und dem Job! Ich! Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich gefreut habe!

Mädels, bewundert Euch!

Das völlig überraschende Lob hat mir gezeigt: Ich bin zwar so wie ich bin, aber ich kriege das alles hin. Und eigentlich passt das alles so zu mir, wie es ist. Und das fühlt sich verdammt gut an! Und wisst Ihr, was Ich dann gemacht habe?
Ich bin zu meiner Nachbarin und sagte Ihr, dass ich sie bewundere. Einfach, damit sie sich auch so sehr über die mehr als verdiente Anerkennung freut wie ich mich über meine gefreut habe. Und auch sie war total überrascht und glücklich! 

Ihr macht das klasse!

Warum ich Euch das erzähle? Damit Ihr es weitererzählt: sagt denjenigen, die Ihr selbst bewundert, das Ihr es tut – denn für sie ist das nicht selbstverständlich. Und vor allem: Bewundert Euch auch mal selbst für Eure tägliche Leistung!
 

Eure Julia

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