Steuern und Finanzen 2019. Das ändert sich

Alle Jahre wieder und dann pünktlich zum Jahresanfang gibt es ein Päckchen mit allerlei Neuerungen in puncto Steuern und Finanzen. Die Betroffenen sind Unternehmer wie Privatpersonen gleichermaßen, nur die Änderungen sind unterschiedlicher Natur. Wer mit einem Steuerberater zusammenarbeitet, muss sich meist nicht aktiv um diese Änderungen kümmern – die Neuerungen fließen dann einfach in die Steuererklärung ein. Gut zu wissen, was sich ändert, ist es dennoch. Die wichtigsten Punkte greift dieser Beitrag auf.

An den Beiträgen der Sozialabgaben wurde geschraubt

Der Beitrag der Arbeitslosenversicherung sinkt. Bis Ende 2022 soll ein Prozentsatz von 2,5 Prozent gelten, davor waren es 3,0 Prozent. Ab 2023 sollen es 2,6 Prozent werden. Das umgekehrte Szenario zeigt sich mit Blick auf die Pflegeversicherung. Diese steigt um 0,5 Prozent, also auf 3,05 Prozent. Bezahlen tun dies Unternehmen und Angestellte zu gleichen Teilen.

Abb. 1: Seit 2019 teilen sich Arbeitgeber und -nehmer die Zusatzbeiträge.

Auch bezüglich der Krankenversicherungs- beiträge gibt es Änderungen: Der Mindestbeitrag, den Selbstständige bezahlen müssen liegt künftig bei 171 Euro, früher waren es 423 Euro. Für Angestellte ändert sich nicht etwa der Beitragssatz. Dieser bleibt bei 14,6 Prozent. Allerdings teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber künftig auch den Zusatzbeitrag, der durchschnittlich bei 0,9 Prozent liegt und bisher nur vom Arbeitnehmer zu tragen war. Künftig bezahlen Unternehmen und Angestellte hier zu gleichen Teilen.

Die betriebliche Altersvorsorge war bis dato eine freiwillige Leistung. Doch dieser Status hat sich zum Jahr 2019 geändert. Können Sozialversicherungsbeiträge durch die Entgeltumwandlung eingespart werden, ist ein Zuschuss in Höhe von 15 Prozent des Sparbetrags künftig Pflicht für Arbeitnehmer. Bereits heute ist diese Neuregelung Pflicht für all jene, die eine Direktversicherung neu abschließen oder ab 2019 einen Teil ihres Gehalts in eine Pensionskasse zahlen werden. Für Altverträge gilt diese Regelung ab 2022.

Für Midijobber ändert sich Mitte 2019 jede Menge: Künftig dürfen sie 1300 Euro verdienen mit dem „Zuckerl“ nur reduzierte Sozialversicherungsbeiträge bezahlen zu müssen und dabei dennoch volle Rentenansprüche zu erhalten. Zum Vergleich: Bisher lag die Verdienst-Obergrenze bei 850 Euro.

Das ist für Unternehmer im Jahr 2019 neu

Gute Nachrichten gibt es für die Verlustregelung im Unternehmen. Bislang galt der sogenannte „quotale Verlustuntergang“, was in der Praxis bedeutete: Überträgt ein Gesellschafter zwischen 25 und 50 Prozent einer GmbH, in der Verluste geschrieben werden, ging eben dieser prozentuale Anteile der Summe buchstäblich flöten. Die Verluste gingen unter; sie ließen sich nicht mehr mit den erwirtschafteten Gewinnen verrechnen.

Alle Verluste lassen sich verrechnen, wenn die Chefetage einer GmbH nachweisen kann, dass das Unternehmen gerettet werden soll. Im Fachjargon ist hierbei die Rede von der sogenannten Sanierungsklausel. Möchte ein Betrieb also den steinigen Weg einschlagen, das Unternehmen zu sanieren (und damit unterm Strich auch Arbeitsplätze erhalten), gibt es quasi einen Steuerbonus als Dankeschön on top.

Eine Neuerung trifft all jene Betriebe, die Gutscheine verkaufen, denn für diese Unternehmen gibt es eine Änderung, die die Umsatzsteuer betrifft.

Abb. 2: Kinogutscheine sind künftig Mehrzweckgutscheine.

Sogenannte Einzweckgutscheine unterliegen künftig der Besteuerung nach dem Umsatzsteuergesetz. Bei Einzweckgutscheinen steht der Nutzen bereits klar fest. Mehrzweckgutscheine werden erst besteuert, wenn die damit einhergehende Leistung oder Umsetzung auch Wirklichkeit wird. Ein Beispiel für Mehrzweckgutscheine sind beispielsweise Kinogutscheine; ein Gutschein für ein Bekleidungsgeschäft ist hingegen ein Praxisbeispiel für einen Einzweckgutschein.

In puncto Mindestlohn lässt sich ein deutlicher Aufwärtstrend beobachten. Bisher galt ein Stundenlohn von 8,84 Euro als Mindestlohn; ab 2019 sind es bereits 9,19 Euro. Ab 2020 steigt der Mindestlohn auf 9,35 Euro. Auch Mindestlöhne, die nur spezielle Branchen betreffen, werden angehoben. Auch mit Blick auf die Reisekostenabrechnung gibt es Änderungen: Die Verpflegungspauschale pro Monat steigt auf 251 Euro; die steuerlich absetzbaren Ausgaben für Miete und Unterkunft liegen künftig bei 231 Euro.

Eine neue Regelung ist seit 2019 für jene denkbar, die vorübergehend ihr Arbeits- bzw. Stundenvolumen reduzieren möchten. Brückenteilzeit heißt das Konzept, das regelt, dass Arbeitnehmer in Betrieben mit über 45 Angestellten eine Arbeitszeitreduktion von einem bis fünf Jahre nutzen können. Alle Details dazu sind im Teilzeit- und Befristungsgesetz dokumentiert.

Weiterbildungsangebote der Arbeitsagentur sind künftig nicht mehr nur für Arbeitsuchende eine Option, sondern auch für Angestellte. Das regelt das neue Qualifizierungschancengesetz, das Arbeitnehmer für die Anforderungen des digitalisierten Arbeitsmarktes fit machen soll. Bezahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss zur Weiterbildung, gibt’s diese Förderung auch von der Bundesagentur. Eine Weiterqualifizierung dieser Natur ist nur alle vier Jahre möglich.

Schreibt ein Arbeitgeber künftig eine Stelle aus, die es zu besetzen gilt, darf künftig nicht mehr nur die Abkürzung (m/w) hinter der Fachkraft-Bezeichnung stehen. Ab 2019 muss ein „d“ mit in der Klammer stehen – und zwar als Abkürzung für „divers“. An diese Neuerung müssen sich Unternehmen halten, weil es seit 2019 dieses dritte Geschlecht im Personenstandsregister gibt. Eine Strafe könnte jenen drohen, die sich nicht dran halten, denn die Gleichberechtigung regelt wiederum das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.

Diese Änderungen gelten insbesondere im Logistik- und Produktionsbereich

Die bereits seit 2018 geltende Lkw-Maut wurde zum Januar 2019 erhöht – nicht etwa mit Blick auf die Gebühren, sondern auf den Einzugsbereich. Letztes Jahr wurde die Lkw-Maut für die Fahrt auf der Autobahn erhoben, seit heuer bezahlen Brummis auch auf Bundesstraßen. Die Verlierer sind 18-Tonner, die Gewinner sind Lkws mit Elektro- oder Gasantrieb. Sie sind von der Maut befreit.

Aus der Verpackungsordnung ist seit 2019 das Verpackungsgesetz geworden. Mit dem Ziel, Verpackungsmüll zu reduzieren, gehen künftig zweierlei Pflichten einher: Jeder, der Verpackungsmaterial in Umlauf bringt, muss eine Registrierungsnummer tragen und sich aktiv in Systemen um die Verwertung und Rücknahme der Verpackungen kümmern.


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