Selbstständig mit einem eigenen Café? Das braucht es...

Für nicht wenige Menschen liegt der Sehnsuchtsort ihrer beruflichen Selbstständigkeit nicht im Büro, sondern einem kleinen, feinen Café. Doch damit das funktioniert, braucht es einige Dinge.

Knapp 11.500 Cafés gibt es in Deutschland laut den letzten Zahlen des Hotel- und Gaststättenverbandes. Tendenz: Seit Jahren steigend. Kein Wunder, denn ein Café ist mehr als ein Ort, an dem es Kaffee und Kuchen gibt. Es ist gerade in der heutigen Zeit eine der besten Möglichkeiten, sich gastronomisch selbstständig zu machen.

Doch was braucht man eigentlich dafür?

1. Eine Nische

Jeder, der sich bei uns in der Region umschaut, stellt fest, dass es da vor Bäckerei-Ketten nur so wimmelt. Und was gehört praktisch immer mit dazu? Genau, ein Café-Betrieb. Simpel ausgedrückt muss man sich deshalb erst einmal eine Geschäftsnische suchen.

Dabei gilt, je urbaner das Café liegen soll, desto mehr muss man sich von der Idee verabschieden, dass es schon ausreichen wird, Kaffee und Kuchen zu servieren und Sitzgelegenheiten anzubieten. Hier ist gründerische Kreativität vonnöten.

Die muss sich nicht einmal in einem stark erweiterten Angebot niederschlagen. Aber man muss etwas finden, durch das man sich dramatisch von allen Konkurrenten in der Umgebung unterscheidet.

2. Eine wirklich gute Kaffeemaschine

Doch so sehr man Nischen suchen muss, es gibt Standards, die einfach zu einem Café dazugehören und von Kunden erwartet werden. Zentraler Mittelpunkt: Eine Auswahl an unterschiedlichen Kaffeesorten.

Das ist kein Hexenwerk, allerdings muss klar sein, dass man dafür, selbst wenn es sich um ein kleines Café handelt, einen gewerbetauglichen Kaffeevollautomaten benötigt. Nicht nur, weil nur der auf die täglich anfallenden Kaffeemengen eingerichtet ist und die nötige Variantenvielfalt bereitstellen kann, sondern weil er „Profi-robust“ ist.

Tipp: Anbieter solcher Automaten offerieren oft nicht nur ein Kauf- sondern auch ein Leasingmodell. Das ist gerade für Café-Gründer interessant, weil es die Investitionssumme drückt.

3. Die richtige Örtlichkeit

Es gibt zwei Sorten von Gastronomiebetrieben: Die, die ohne Laufkundschaft auskommen und die, die sie zwingend benötigen. Cafés gehören definitiv zu letzterem.

Natürlich bringt das Gründer in eine Zwangslage: Man muss sich zumindest halbwegs in der Nähe von Fußgängerzonen, Gewerbegebieten, Ausflugszielen usw. ansiedeln. Das klingt einfach, zieht aber meist eine ziemlich hohe Miete nach sich.

Dafür kann man aber auf eines vertrauen: Wenn man seine Nische gefunden hat, wird eine solche Örtlichkeit sich definitiv bezahlt machen.

4. Eine Konzession

Das deutsche Gewerbe- bzw. Gaststättenrecht ist ein Dschungel. Mal angenommen, in dem Café soll wirklich ausschließlich Kaffee verkauft werden. In dem Fall reicht ein einfacher Gewerbeschein. Doch sobald man auch nur ein Glas Milch anbieten möchte, braucht man zusätzlich eine Milchhandelserlaubnis.

Noch nicht kompliziert genug? Falls man Alkohol ausschenken will (und dazu gehört auch nur ein „Kaffee mit Schuss“), braucht es eine Schanklizenz. Zudem muss immer nach den aktuellen Hygienevorschriften gearbeitet werden. Dafür braucht man zwar keine Lizenz, aber das Gesundheitsamt kann und wird jederzeit vorbeischauen und die Einhaltung überprüfen.

5. Einen Kuchenprofi

Was wäre ein Café ohne Kuchen und Torten? Und genau hierbei hat man schon die Option, eine gute Nische zu finden. Denn gerade die zu den Bäcker-Ketten gehörigen Cafés haben oftmals das Problem, dass sie nur massenproduzierte Konditoreiware anbieten können.

Man braucht nicht zu versuchen, deren Angebotsvielfalt nachzumachen. Viel mehr sollte man sich darauf fokussieren, eine kleine aber erlesene Auswahl anzubieten – gerne exotisch und auf jeden Fall mit Fokus auf das Selbstgemachte.

Dazu empfiehlt es sich, einen Konditor zu haben. Er muss nicht im Café angestellt sein, es reicht auch ein Lieferant. Wenn es einem dadurch gelingt, die Leute anzuziehen, hat man fast schon gewonnen.

6. Motivierte Bedienungen

Cafés sind traditionell ein Hort für Studenten, um sich dort als Bedienung ihre Brötchen zu verdienen. Für sein eigenes Café sollte man jedoch tendenziell eher ein anderes Modell verfolgen.

Es mag vielleicht auf den ersten Blich nicht so wirken, aber auch Cafés leben davon, dass derjenige, der dort angestellt ist, mit Herz und Know-How dabei ist. Und auch, dass er es lange ist, dass Kunden sein Gesicht kennen und dass er auch mal in Ruhe mit den Gästen reden kann, statt nur zu bedienen und zu kassieren. Alles Faktoren, die bei Studenten nicht unbedingt gegeben sind.

Aus diesem Grund empfiehlt es sich eher, auf Profis zu setzen – gerne im Back-Gewerbe oder Ähnlichem gelernt. Übrigens: Die beste Motivation erzielt man dadurch, dass man gute Löhne zahlt und nicht nur Mindestlohn.

7. Know-How nachholen

Man kann durchaus ein Café betreiben, ohne selbst allzu viel von Bohnen und Kuchen zu wissen – wenn man Leute hat, die dieses Wissen besitzen, ist das okay.

Für den langfristigen Erfolg und sowieso die Unabhängigkeit vom Know-How anderer ist es jedoch besser, wenn man dieses Wissen selbst besitzt.

Daher sollte man sich orientieren, wo in der Umgebung Schulungen angeboten werden. Es gibt Schnellkurse für Konditoren, für Baristas, für Bistroküche. Oft zwar privat organisiert, teils aber auch (halb-)staatlich.

Zunächst sollte man sich an die IHK-Stuttgart wenden – bei der wird man als Cafébesitzer sowieso Mitglied sein müssen. Für das Geld, dass man dafür zahlen muss, kann man sich auch deren Lehrangebot zunutze machen.

8. Ein Highlight 

McDonalds hat seinen Big Mac, Burger King, den Whopper. Und beinahe jedes Restaurant, jedes Bistro und Café hat es ebenfalls: Ein kulinarisches Highlight, für das es besonders bekannt ist.

Das kann ein einzelnes Produkt sein. Für ein Café vielleicht ein ganz besonderer Kuchen, eine spezielle Torte. Doch ebenso kann es auch eine Riege von Produkten, sein. Auch hier gilt: Erlaubt ist alles, was die eigene Kreativität gebietet.

Wichtig ist letztendlich nur, dass man damit heraussticht. Dass man etwas anbieten kann, was die Kundschaft automatisch im Kopf nur mit diesem Café verbindet.

Fazit

Ein Café zu gründen, unterscheidet sich in vielem nicht von anderen Gründungen – Businessplan hier, Startkapital da. Aber es gibt Punkte, die muss man besonders beachten. Tut man es, erntet man nicht nur Erfolg, sondern auch Ruhm. Denn ein gutes Café ist ein Ort, der wie kaum ein anderer Gastronomiebetrieb von Gemütlichkeit, von Stammkundschaft und einem geradezu familiären Verhältnis zwischen Betreiber, Angestellten und Kunden lebt – Hop-und-Ex-Kaffee-Zapfstellen gibt es schon genug.


Bildquelle: Unsplash.com © Johan Mouchet


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