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Hunde aus dem Tierheim: So gibt man Waisenbellos ein neues Zuhause

Ob groß oder klein, alt oder jung: Wer einem Hund wirklich etwas Gutes tun will, holt einen aus dem Tierheim.

Abertausende Menschen schaffen sich Jahr für Jahr einen neuen Hund an. Bei vielen ist dieses „neu“ wortwörtlich zu verstehen, denn bei den Tieren handelt es sich um Welpen.

Dabei warten in den Tierheimen – beileibe nicht nur im Antenne1-Sendegebiet – wirklich zahllose Waisenhunde darauf, ein neues liebevolles Zuhause zu bekommen.

Auf den folgenden Zeilen sagen wir nicht nur, warum man vor einer geplanten Hundeanschaffung ins Tierheim fahren sollte, sondern auch, was man bei diesen Waisenkindern in den ersten Wochen anders machen muss.

1. Deshalb ein Waisenhund

Eigentlich spricht, wenn man rein rational denkt, manches gegen einen Hund aus dem Tierheim:

  • Er hat schon eine gewisse Lebensspanne auf dem Buckel, wird also nicht mehr so lange bei einem bleiben wie ein Welpe.
  • Er hat durch das Abgegeben-Werden mitunter einen „Knacks“, ist über-ängstlich oder reagiert komisch.
  • Er hat mitunter schon eine Erziehung durchlaufen. Die unterscheidet sich nicht nur höchstwahrscheinlich von dem, was man selbst erziehen würde, sondern lässt sich je nach Hundealter auch kaum korrigieren.

Ja, korrekt, stimmt alles, hat alles seine Berechtigung.

Aber Hunde sind niemals etwas, das man rational angeht, angehen sollte. Dahinter steckt immer auch das Herz. Und für das gilt:

Jeder Hund möchte nur eines: Mit einem Menschen, dem er bedingungslos vertraut, zusammen sein. Kein Hund hat es verdient, selbst im schönsten Tierheim zu sein; sie alle sind Familientiere.

Jeder, der bei der Hundeanschaffung nicht nur an sein eigenes Wohl denkt, sondern wirklich einem Tier etwas Gutes tun will, sollte die folgenden Links durchchecken:

Hinter jeder dieser Internetadressen verbergen sich Hunde, die darauf warten, dass ihnen jemand ein Zuhause gibt, das sie verdient haben – genau das hatten sie nämlich oft nicht.

Eigentlich sollte es kein Argument sein, aber auch das gehört dazu: Im Tierheim bezahlt man selbst für Rassehunde meistens nur eine Schutzgebühr im unteren dreistelligen Eurobereich.

2. Aussuchen

Abgesehen von abgegebenen Welpen haben alle Tierheimhunde eines gemeinsam: Sie haben bereits einen mehr oder weniger erwachsenen Charakter.

Hier reicht es also nicht, vorbeizuschauen, sich ein paar Tiere anzusehen und dann „der da“ zu sagen und auf den Bello zu zeigen, der einem am besten gefällt.

Die meisten Tierheime bieten einem jede Menge Zeit, um die Tiere, gern auch mal bei einem Spaziergang, besser kennenzulernen.

Diese Zeit sollte man sich nehmen. Denn einen Tierheimhund (eigentlich gar keinen Hund) sollte man jemals nochmal abgeben, das würde ihm das Herz brechen. Nur dazu muss man ein Tier holen, dessen Charakter „passt“.

3. Ankommen lassen

Ein Tierheimhund sollte zunächst in Ruhe gelassen werden. Er muss auf einen zukommen, nicht umgekehrt.

Man kann einem Hund nur bis auf die Stirn schauen. Bedeutet, man weiß nicht, was sich dahinter verbirgt. Im Falle von Tierheimhunden können das durchaus traumatische Erlebnisse sein. Vielleicht Vernachlässigung, Gewalt, Tage neben einem toten Herrchen oder Frauchen…

Rechnet man noch hinzu, dass selbst der Ortswechsel vom Tierheim ins neue Zuhause immer noch ein Ortswechsel ist, sollte das für einen selbst folgendes bedeuten:

In den ersten Tagen sollte das Tier seine Ruhe haben. Nur die Familie kennenlernen. Keine Erziehung, kein Kuscheln, kein Drängen, kein Trubel

Das nicht nur dem Hund wegen, sondern auch, weil es seine Beziehung, die sich künftig zur Familie entwickeln wird, positiv beeinflussen kann, wenn man ihn einfach „landen“ lässt.

Übrigens: Gerade wenn das Tier ängstlich und das neue Reich vergleichsweise groß ist, sollte man ihm nicht gleich alles auf einmal „eröffnen“. Vielleicht reicht erst mal das Parterre mit einigen wenigen Zimmern. So kann man jeden Tag erweitern.

4. Sorgsam aufpäppeln

Deutschland ist glücklicherweise kein Land, in dem Tierheimtiere abgemagerte Knochengestelle wären. Dazu gibt es dankenswerterweise genügend gute Seelen, die Nahrungsmittel oder Geld spenden – was die Dogs dort bekommen, reicht in aller Regel zum Leben aus.

Allerdings, mehr auch nicht. Ein Tierheim kann es sich i.d.R. nicht leisten, allen Tieren hochwertiges Futter mit angepasstem Nährstoffgehalt zu geben, da wird buchstäblich serviert, was die Speisekammer gerade vorrätig hat – das wenige Geld geht in die Näpfe von Tieren mit echten Bedürfnissen, Welpen, Alten, Kranken…

Bedeutet also, dass der neue Hausgast an der Nährstoff-Front einiges nachzuholen hat. Dazu sollte man sich zunächst von neutraler Seite über einzelne Futtersorten informieren – bei den Herstellern wird natürlich werblicher formuliert, da ist jedes Futter das Oberbeste.

Dabei bitte nicht aufs Portemonnaie schauen. Es geht ja nur darum, den Hund nährstoffseitig hochzupäppeln; auf normalpreisiges Futter kann man immer noch zurückschalten.

Allerdings: Vorsichtig füttern. Hochwertiges Futter schmeckt natürlich auch hochwertig, dementsprechend wird Bello nach langen Monaten „Knastfutter“ ordentlich zulangen. Man will ja nicht, dass er Speck ansetzt, wo keiner hingehört.

In den ersten Wochen lautet die Devise „Im Zweifelsfall mitnehmen“. Alleinlassen sollte man den ehemaligen Waisenhund bitte (noch) nicht.

5. Nicht alleinlassen

In den ersten Wochen lautet die Devise „Im Zweifelsfall mitnehmen“. Alleinlassen sollte man den ehemaligen Waisenhund bitte (noch) nicht.

Ein Hund, der zuvor im Tierheim war, hatte dort vor allem zwei Dinge:

  1. Wenig Raum für sich allein
  2. 24/7 jede Menge Trubel um sich herum

Er lebte praktisch in einem großen, eingesperrten Rudel.

Nun ist er in einem neuen Umfeld, wo er vielleicht der einzige Hund inmitten von Menschen ist – und keiner davon ist die Bezugsperson, die noch jeder Tierheimpfleger irgendwie wird. Und das macht ihn sehr, sehr unsicher.

Natürlich man kann auch einem Tierheimhund mit den richtigen Methoden antrainieren, allein zu sein. Doch in den ersten Wochen sollte er tatsächlich kein einziges Mal allein sein – auch wenn man dazu Urlaub nehmen muss.

Und auch danach sollte man sorgsam in kleinsten Trippelschritten das Tier heranführen. Hier muss man einfach verstehen, dass der Hund aufgrund seiner Erfahrungen schlicht Angst hat, abermals verlassen zu werden.

6. Konsequente Erziehung

Ein Tierheimhund braucht, weil er schon (v)erzogen wurde, konsequentere Erziehung. Nun haben wir ja schon erwähnt, dass man ab einen gewissen Alter kaum noch etwas in einen Hund „hinein-erziehen“ kann. Bedeutet, man kann nur durch das Steuern von Futterritualen und dergleichen arbeiten.

Bei jüngeren Tieren indes muss man Regeln aufstellen und konsequent einhalten. Der Hund muss wissen, wo er isst, wo er schläft, wer sein Herr ist. Da dürfen keine Zweifel aufkommen.

Dies alles aber bitte im Rahmen einer freundlichen, nachdrücklichen Erziehung. Keine lauten Worte oder gar Geschrei. Das haben Tierheimhunde allzu oft zur Genüge hinter sich.

Daher ist eine Hundeschule für diese Tiere auch fast schon obligatorisch. Aber man erntet damit etwas: Ein Tier, das eine zweite Chance bekommen hat. Und das dadurch vielfach noch wesentlich treuer ist, als jeder Hund, den man als Welpe bekam.


Bildquellen: 1) unsplash.com © Markus Winkler 2) unsplash.com © Dominik QN 3) unsplash.com © Tucker Good


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