5G – was man darüber wissen sollte

5G ist derzeit für Technik und Politik das nächste ganz große Ding. Wir zeigen, worum es dabei überhaupt geht und warum es so viel Kritik hagelt

Die Frequenzen sind noch nicht einmal versteigert, doch schon erhitzt das Thema die Gemüter. Nicht genügend geplante Netzabdeckung, kritisieren politische Schwergewichte, lauter Gefahren, mahnen viele Verbände und Einzelpersonen. Namentlich ist das Elektrosmog, wie es auch die Stiftung IBES gegen Elektrosmog zusammenfasst.

Tatsache ist, 5G ist ein Reibungspunkt. Aber warum eigentlich und was verspricht man sich davon? Die wichtigsten Fragen haben wir für den folgenden Artikel gesammelt und beantwortet.

1. Was genau ist 5G?

5G ist – primär – ein neuer Mobilfunkstandard, auch wenn viele Tech-Firmen stattdessen lieber das Wort Kommunikationsstandard nutzen.

Einfach ausgedrückt ist es ein Funknetz, welches alles besser kann, als bisherige Standards, etwa 4G (LTE). 5G ist dabei die Abkürzung, es ist die fünfte Generation von Mobilfunkstandards. Um das an reinen technischen Daten zu präzisieren:

  • Normales LTE/4G kommt auf eine Datenübertragungsrate von maximal 0,3 Gigabits pro Sekunde, das fertig ausgerüstete 5G soll auf bis zu zehn kommen.
  • 5G erreicht diese Leistung bei einem Stromverbrauch, der bei nur 0,1% von dem der Vorgängerdienste beträgt.
  • Die Latenzzeit, also die Zeit, die ein sogenanntes Ping vom Absender zum Adressaten und zurück benötigt, liegt bei LTE/4G bei etwa 50 Millisekunden im Dauerbetrieb. Bei 5G beträgt der Wert maximal eine Millisekunde.

Einfach ausgedrückt: Mehr Datenübertragung in kürzerer Zeit bei geringerem Stromverbrauch.

2. Wozu braucht man das denn?

Für viele Normaluser mutet diese Leistungsschau übertrieben an. Aber Tatsache ist, dass 5G dadurch, dass es so enorm leistungsfähiger als die bisherigen Netze ist, ungleich mehr ermöglicht.

Vor allem seine minimale Latenzzeit ist dabei von größter Wichtigkeit. Unter einer Millisekunde, das ist beispielsweise ein gutes Stück schneller als das, was wir mit dem Auge sehen, ans Gehirn weitergeleitet wird.

Bedeutet, es sind Echtzeit-Anwendungen möglich – auch weit jenseits von Computerspielen und Serienstreaming. 5G wird beispielsweise einhellig als die wichtigste Grundlage für (teil-)autonomes Fahren angesehen, denn nur damit können die dabei anfallenden gigantischen Datenmengen schnell genug unter den Autos ausgetauscht werden, etwa um Kollisionen zu vermeiden.

3. Warum werden die Frequenzen versteigert?

In den kommenden Frühjahrswochen sollen die 5G-Frequenzen versteigert werden. Stellt sich die Frage, warum eigentlich?

Ganz einfach: Der gesamte Frequenzbereich für Funkwellen ist in Deutschland gut gefüllt.

Das kann man sich beim Radio gut vorstellen. Antenne 1 sendet beispielsweise in Heilbronn auf der 89,1Mhz-Frequenz. Gäbe es nun in Frankreich einen Sender, der auf der 89.15 sendet, könnte es je nach Lage vorkommen, dass man beide Sender gleichzeitig im Radio hören würde.

Damit das nicht passiert, werden die von der Bundesnetzagentur genau festgelegten 5G-Frequenzen an den Höchstbietenden versteigert – jeder bekommt seine Bandbreite, keiner ist zu dicht dabei. Und nebenher soll das ziemliche Summen in die Staatskasse spülen.

4. Was hat es mit den Gesundheitsrisiken auf sich?

Wer den Nachrichten folgt, hat vermutlich auch bereits mitbekommen, dass 5G eine Menge Kritiker auf den Plan ruft, die mit Gesundheitsrisiken argumentieren.

Um diese Kritik zu erklären, muss man ein wenig Frequenzphysik erklären. Also: Je höher eine Frequenz ist, desto kürzer sind ihre Wellen. Und je kürzer die Wellen sind, desto kürzer ist ihre Reichweite und auch die Eindringtiefe. Für 5G, das bereits im Mikrowellenbereich arbeitet, bedeutet das:

  • Es müssen mehr Funkmasten aufgestellt werden, um eine maximale, überall gleichstarke Abdeckung zu erreichen
  • Diese Mobilfunkmasten müssen mit höherer Leistung senden, damit die 5G-Signale auch dicke Wände durchdringen können

An diesem Punkt warnen viele, auch Mediziner, vor den Gefahren, die daraus entstehen.

Letztendlich ist jede Funkwelle nichts weiter als elektromagnetische Strahlung. Und die kann bei Mensch und Tier vielfältige gesundheitliche Nebenwirkungen verursachen, darunter veränderte Hirnströme, beeinflusster Stoffwechsel, erhöhte Krebsraten. Diese Strahlung ist mit speziellen Messgeräten auch messbar.

Verschärft wird die Kritik darüber, dass bislang nicht geplant ist, die alten Frequenzen abzuschalten. Wie man es auch schon heute kennt, wird es je nach Lage unterschiedliche Standards geben, die an einem Ort zeitgleich vorhanden sind.

5. Wieso haben so viele Huawei im Fadenkreuz?

Für die meisten Normalverbraucher ist Huawei nur ein Hersteller von beliebten Smartphones. Tatsächlich jedoch steckt dahinter noch sehr viel mehr.

Huawei ist nach seiner Eigenbezeichnung

…ein führender globaler Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnologie

Und dazu gehören nicht nur Handys, sondern auch Funk-Infrastruktur – etwa die neuen Funkmasten, welche für den 5G-Ausbau zwingend benötigt werden, weil die alten Systeme die höheren Frequenzen nicht beherrschen.

Huawei wird aktuell von vielen Mitgliedern der Bundesregierung als technischer Partner für den Netzausbau favorisiert – unter anderem wegen der Preise.

Das Problem daran ist, dass Huawei ein chinesischer Großkonzern ist. Bewiesen werden konnte bislang zwar nichts, aber viele Kritiker, auch ranghohe EU-Politiker und sogar der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendiensts befürchten, dass gerade hier die Distanz zwischen Staat und Konzern zu gering sein könne, wie es im Reich der Mitte häufig der Fall ist.

Konkret, Huawei könnte:

  1. Deutschland bzw. die EU technisch abhängig von China machen, indem es seine Systeme schlicht inkompatibel mit anderen Herstellern macht.
  2. Alle Daten, die über das 5G-Netz laufen unentdeckt abfangen und der kommunistischen Partei Chinas in die Hände legen, was unabsehbare Folgen für alle möglichen Formen von Spionage hätte
  3. In einem zukünftigen Spannungs- oder Konfliktfall dafür sorgen, dass China in der EU das Netz einfach abschalten könnte

Aus dem Grund sind die Mahner auch in allen politischen Lagern zu finden, wenngleich bislang der Entscheider-Tenor derjenige ist, dass dem Unternehmen durch scharfe Kontrollen Zügel angelegt werden könnten.

Jedoch verweisen Kritiker darauf, dass diese bloße Augenwischerei seien, weil es bei der 5G-Technik zu viele Möglichkeiten gäbe, unbemerkt einzugreifen, abzugreifen oder abzuschalten.

Fazit

5G Technik ist das Netz, ohne das viele kommende Entwicklungsschritte der Digitalisierung nicht möglich sind. Allerdings befinden wir uns hier auch am Scheideweg zwischen gesundheitlichen Gefahren von 5G und technischem Fortschritt. Kritiker lassen sich hier nicht so leicht ins Reich der Schwarzseher und Aluhut-Träger einsortieren.

Fakt ist, es ist ein höchst zweischneidiges Schwert, dessen Verhältnis von Vor- zu Nachteilen längst nicht so eindeutig ist wie bei früheren Netzgenerationen und wie es viele Befürworter es weismachen möchten.


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