Chaos-Nacht in Stuttgart

Stimmen aus Stuttgart

Hunderte Gewalttäter haben in der Nacht zum Sonntag die Stuttgarter Innenstadt verwüstet und mehrere Polizisten verletzt. So reagieren Stuttgarter, Politiker, Ladenbesitzer und Polizei:

Schwere Schäden in der Innenstadt

Eingeschlagene Schaufenster, fliegende Pflastersteine - 40 Geschäfte haben die Randalierer beschädigt. Neun Läden sind laut Polizeivizepräsident Thomas Berger geplündert worden. Insgesamt waren 280 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Etwa 100 Beamte sind laut Berger aus der Region zur Unterstützung in die Landeshauptstadt gekommen. 

24 Personen wurden vorläufig festgenommen. Berger, der seit 30 Jahren Polizist ist, und "einiges erlebt" habe, sagte zu der Vorkommnissen: "Solche Szenen hat es noch nie gegeben." Die Krawalle begannen laut Polizei gegen Mitternacht. Während einer Kontrolle anlässlich eines Drogendelikts hätten sich viele Feiernde gegen die Polizisten solidarisiert, teilten die Beamten mit.

Zahlreiche Schaufenster wurden eingeschlagen, die meisten wurden jetzt mit Brettern und Kartons abgedeckt.

In einem Juweliergeschäft wurde das Schaufenster ausgeräumt

Aufgekehrte Scherben vor einem Wollgeschäft an der Königstraße

19 Polizisten wurden beim Einsatz verletzt, einer brach sich das Handgelenk.

Bundesinnenminister Horst Seehofer und Landesinnenminister Thomas Strobl begutachten die eingeschlagenen Scheiben eines Polizeifahrzeugs.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: "In meinen Augen war das Landfriedensbruch, was da geschehen ist, und das gehört zu den schweren Straftaten."

"Ich erwarte, dass die Justiz den Tätern, die gestellt werden konnten oder noch können, auch eine harte Strafe ausspricht", sagte Seehofer. "Da geht es auch um die Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaates."

Eine zerströrte Werbetafel wurde mit Brettern abgedeckt mit der Aufschrift "Erschaffen, nicht Zerstören".

Polizei schließt politische Motivation aus

Die Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt waren nach Angaben der Polizei nicht politisch motiviert. "Wir können aus der momentanen Sicht der Dinge eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen", sagte der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz am Sonntag. "Es war heute Nacht eine nie dagewesene Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibeamte und massive Sachbeschädigung bis hin zu Plünderungen."

Mehr Polizeipräsenz geplant

Die Stuttgarter Polizei will nach Gewalt, Chaos und Ausschreitungen in der Nacht zu Sonntag in den kommenden Wochen mit verstärkten Kräften in der Innenstadt unterwegs sein. Man werde den Kräfteeinsatz in den kommenden Wochen erhöhen und alles tun, dass diese Form der Gewalt nicht mehr geschieht, sagte Polizeipräsident Franz Lutz am Sonntag. Übergriffe würden konsequent verfolgt. Die Party- und Eventszene habe sich in den vergangenen Wochen wieder in der Öffentlichkeit getroffen und inszeniere sich in sozialen Medien mit ihrem Handeln. Dazu gehöre seit neuestem auch ein aggressives Tun gegen Polizeibeamte. Man werde die Gewalt unterbinden.

Bürgermeister Kuhn sieht auch Soziale Medien als Grund für die Ausschreitungen

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte zu den Ausschreitungen: "Ein Grund wird Alkohol sein, ein anderer die Sucht, in sozialen Medien mit Filmchen zu kommen." Wenn er Facebook-Filmchen nach dem Muster "Fuck the police" sehe, dann sei das etwas, das in Stuttgart nichts zu suchen habe, sagte Kuhn.

Er als Oberbürgermeister sowie die Stadt stünden voll hinter dem Einsatz der Polizei, betonte Kuhn. "Es geht nicht, dass man in dieser wunderschönen Stadt in der Nacht um halb zwei auf die Polizei losgeht und gewalttätig durch die Stadt marodiert." Die Polizei in Stuttgart und ganz Baden-Württemberg verfolge stets eine liberale Linie, es solle keine Gewalt geben. Doch wenn eine rote Linie überschritten werde, greife die Polizei auch ein.

Schämt Euch!

"Ihr Randalierer habt in dieser wunderschönen Stadt nichts zu suchen!" Ostermann schreibt in seiner Kolumne über das bisher so liebevolle Stuttgart. mehr

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