Was wir aus den Panikhypes lernen können

Ich mag das Internet. Wirklich. Doch manchmal verzweifele ich schier über die Art und Weise, wie es benutzt wird. Letzte Woche zum Beispiel wurde mir wieder einmal klar, wie schnell sich ein Hoax, also eine falsche Nachricht, verbreitet - und das aus eigentlich guten Absichten - denn vor allem Eltern sollten gewarnt werden.

Die Sache mit der Panikmache

"Horrorfigur Momo in Peppa Wutz Videos!" so lautete die Schlagzeile in der letzten Februarwoche, die alle Alarmglocken bei Eltern läuten lies. Angeblich seien vor allem in Großbritannien Videos vom beliebten Comic-Schweinchen "Peppa Pig" auf Youtube "gehackt" worden und würden nach einiger Zeit die Gruselfigur Momo, die wir schon von der Momo-Challenge vom letztem Jahr kennen, zeigen, die Kindern droht: Entweder, sie tun was Momo ihnen sagt, oder Momo wird sie heimsuchen. Auch wir haben das Thema aufgegriffen, haben recherchiert und mit der Polizei telefoniert und relativ schnell festgestellt, dass es sich bei dem angeblichen Fall vermutlich um einen Fake handelt. Zu gleichem Ergebnis kommt auch Youtube selbst sowie beispielsweise die PZ oder das Online-Aufklärungsportal mimikama.

Denkt nach!

"Egal" ist das aber trotzdem nicht. Im Gegenteil! Verängstigte Kinder, panische Eltern und warnende Schulen soll es gegeben haben, und das ist nicht zu unterschätzen. Versteht mich bitte nicht falsch! Ich bin zwar kein Papa, aber dafür Onkel von zwei Neffen und zwei Nichten und bin viel auf Freizeiten mit Jugendlichen unterwegs. Schon da sehe ich, wie unterschiedlich Kinder auf Sendungen wie Peppa Wutz oder Spongebob reagieren. Und ich mag mir gar nicht ausdenken, wie eine Horrorbotschaft innerhalb eines Kindervideos auf sie wirken würde. Es ist wichtig, Eltern in einem solchen Fall zu warnen und mit seinen Kindern über so etwas zu sprechen. Ich will das ganze überhaupt nicht herunterspulen. Ich möchte Euch nur bitten, in solchen Situationen sachlich an die Dinge ranzugehen. Kurz recherchieren und abwägen. Mittlerweile sehe ich die Sache sogar positiv: Egal ob an der Momo-Wutz-Nachricht etwas dran ist oder nicht, sie hat mit Sicherheit dazu geführt, dass Eltern (hoffentlich!) über den Medienkonsum ihrer Kids nachdenken. Dass sie genau schauen, was geschaut wird. Dass sie sich leider nicht auf Kindervideoportale wie YouTube Kids verlassen können.

Brutale Videos auf Kinderportalen sind leider Fakt

Denn eins ist klar: Auch wenn an der Momo-Wutz-Nachricht vermutlich nichts dran ist, "getürkte" Videos auf Kinderportalen sind leider Fakt. Schon 2016 schlugen die Wellen hoch, als bekannt wurde, dass sich irgendwelche - Entschuldigung - Idioten einen Spaß daraus gemacht haben, Videos auf Kindervideoportalen mit Gewaltszenen infiltriert zu haben. Sie haben dabei explizit für Kinder entwicklete Algorythmen ausgetrixt und beispeilsweise Paw-Patrol-Helden und Micky Maus brutal sterben lassen. Youtube gelobte daraufhin eine strengere Prüfung der Inhalte, aber ein bitterer Beigeschmack mit einer Prise Misstrauen ist geblieben. Und auch das ist gut so. 

Was Ihr bei Kindervideos beachten solltet

Was sich in meiner Jugend nur auf die Anfänge des Fernsehens beschränkte, ist heutzutage mit Smart-TVs, Smartphones und dem Internet ein bisschen komplexer geworden. Kinder und Medien bedarfen gerade bei diesem Überangebot an Kinderinhalten genaue Regeln, und Eltern müssen deutlich mehr an deren Seite sein. Um eine Begegnung mit ungewollten Horroreinlagen zu umgehen solltet Ihr:

- Kinder generell niemals alleine Kindervideos schauen lassen
- schaut Serien nur auf offiziellen Youtube-Kanälen! 
- sollten Eure Kids regelmäßig Serien schauen, investiert in kostenpflichtige Angebote wie bei Netflix oder Amazon, wo es ebenfalls eigene Kinderkanäle für Kinder gibt oder besorgt Euch eine DVD

Kinder und Medien - das wirft viele Fragen auf

Tolle Hintergrundinfos habe ich beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefunden. Das Ministerium hat mit der Initiative "Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht" einen sehr umfangreichen aber dennoch übersichtlichen Orientierungsratgeber für Kids zwischen 3 und 13 Jahren ins Leben gerufen. Wie lange sollte mein Kind fernsehen? Wie wichtig bin ich als Vorbild? Und wie wirkt eigentlich Werbung auf mein Kind? Das alles sind Fragen, die hier leicht verständlich auf den Punkt gebracht werden. 

Auch das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg hat viele Tipps parat - zum Beispiel, wie man Kindern den Unterschied zwischen Fiktion der Zeichentrickheldenwelt und der Realität erklärt oder wie man damit umgeht, wenn sein Kind sich beim Fernsehen gruselt. 

Je mehr ich mich damit beschäftige, desto interessanter finde ich es. Und desto mehr finde ich, dass dieser Momo-Wutz-Sache was Gutes abringen kann.

Bis dahin, macht nix kaputt!

Euer Walter 

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