Krankmeldung per WhatsApp

Seit einigen Monaten könnt Ihr auf der Internetseite www.au-schein.de eine Krankschreibung für Erkältungen online beantragen und kaufen. Ihr bekommt dann die AU via WhatsApp zugeschickt. Das Angebot kommt von einem Start Up-Unternehmen aus Hamburg und sorgt derzeit für Gesprächsstoff bei Patienten, Arbeitnehmern, Arbeitgebern, Juristen und Ärzten.

Der Arztbesuch für eine AU soll dadurch nicht mehr notwendig sein

Die Möglichkeit eine AU per WhatsApp zu bekommen, scheint für viele ganz praktisch zu sein. Ihr könnt euch dadurch den Gang zum Arzt sparen und müsst Euch nicht mehr krank dorthin schleppen. Auch das stundenlange warten mit anderen Patienten im Wartezimmer fällt dadurch weg. Bei au-schein.de bekommt Ihr den Arzt auch gar nicht zu sehen. Was ich davon halte erzähle ich Euch nach dem ich Euch kurz erklärt habe, wie das genau funktioniert.

Wie funktioniert die Beantragung genau?

Die Beantragung für eine AU ist einfach und unkompliziert. Ihr geht auf die Seite www.au-schein.de.  Bei der Anfrage für einen Gelben Schein werden Euch Fragen zu den Symptomen und Risiken gestellt. Ihr gebt auch an, für wie viele Tage Ihr Euch Krankschreiben wollt (ein bis drei Tage). Anschließend werden Eure Kontaktdaten und die Angaben zur der Versicherung abgefragt. Bevor die Daten dann an den zuständigen Arzt versendet werden, bezahlt Ihr dann per PayPal. Der Gelbe Schein kostet für gesetzlich Versicherte 9 Euro, für Privatpatienten etwas mehr als 16 Euro. Dann bekommt Ihr die AU nach einer Bestätigung per WhatsApp als PDF zugeschickt, die dann auch noch per Post zugeschickt wird. Falls Ihr aber Symptome angebt, die nicht zu einer Erkältung gehören, wird Euch der persönliche Besuch beim Arzt empfohlen - dann bekommt Ihr auch keine AU.

Wird die AU von meinem Arbeitgeber überhaupt akzeptiert?

Der Anbieter sagt: Ja klar! Es handele sich um eine offizielle Arbeitsunfähigkeit, die deutschlandweit gilt und deshalb von jedem Arbeitgeber auch angenommen werden muss. Der Arbeitnehmer bekommt ja auch das Original zugeschickt für die Vorlage beim Arbeitgeber und für die Krankenversicherung. So bekommt der Chef  es erst mal gar nicht mit, dass der Patient gar nicht beim Arzt war. Was ihn vielleicht stutzig machen kann ist, dass der Arzt sich nicht in der Stadt des Arbeitnehmers befindet. Das fällt aber meistens wohl nicht auf.

Nichtdestotrotz: Wenn die Chefs misstrauisch werden, können sie den Gelben-Schein verweigern und nicht anerkennen. Das gilt übrigens auch für alle anderen Krankschreibungen, die sonst so ausgestellt werden. Dann muss der Chef aber beweisen können, dass der Arbeitnehmer nicht wirklich krank war - und das ist schwierig zu beweisen. Der Anbieter bietet die Möglichkeit, Euch in so einem Fall zu unterstützen: „Notfalls hilft Ihnen unser CEO und Rechtsanwalt Dr. jur. Can Ansay mit einem kostenlosen und für beide Seiten unverbindlichen Anwaltsschreiben in Ihrem Namen.“ heißt es auf der Plattform.

Ist eine AU Beantragung Online überhaupt erlaubt?

Anscheinend spricht da nichts dagegen, sonst würde der Anbieter es ja nicht anbieten und sich rechtlich auch absichern. Aber ob es legal ist oder nicht, dass steht noch nicht genau fest. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg sieht es kritisch, wie uns Sprecher Dr. Oliver Erens sagte: "Um eine AU ausgestellt zu bekommen, braucht es den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und dem Patienten“ und das ist wohl bei dem Angebot aus Hamburg nicht der Fall. Deshalb wird vor der Nutzung gewarnt. Auch wenn bei uns in BW und in anderen Bundesländern die Telemedizin über ein Online-Gespräch mit Arzt und Patient möglich ist, trifft es auf dieses Angebot nicht zu. Ob es jetzt aber legal oder illegal ist, sagt niemand so genau. Juristen sind dabei sie Situation zu klären.

Wie oft kann ich das online Angebot wahrnehmen und mir eine AU ausstellen zu lassen?

Damit die Scheine nicht zum „Blaumachen“ ausgenutzt werden, könnt Ihr sie nur zwei Mal im Jahr beantragen und auch nicht direkt hintereinander. Was ich übrigens auch noch witzig finde ist, dass der Betreiber im FAQ auf seiner Seite schreibt, dass der Kater nach einer durchzechten Nacht nicht für den Service geeignet ist. „... der Service ist ausschließlich für Patienten mit Erkältungs-Symptomen, die ihre Arbeitsunfähigkeit nicht selbst grob fahrlässig oder vorsätzlich verschuldet haben. Blaumacher werden kategorisch ausgeschlossen.“ heißt es auf der Seite. Was ich mich ja Frage: Wie wollen die das prüfen, ob ich blau mache, einen Kater habe oder nicht? Ich kann ja wie oben beschrieben die Symptome selbst angeben.

Mein persönliches Fazit zur digitalen Krankmeldung

Wenn ich erkältet bin, würde ich persönlich mich einfach mal bei meinem Hausarzt melden und ihn bitten, mir eine AU zu schicken. So kann ich mir auch die Warterei in der Praxis ersparen. Der Arzt kennt mich ja und und hat mich auch schon mal gesehen. Laut Dr. Ernes ist die Ausstellung einer AU in Ausnahmen fällen möglich, aber nur dann wenn sich Patient und Arzt gesehen haben. Würde in diesem Fall zu treffen. Ansonsten bin ich auch eher skeptisch, weil ich nicht weiß, ob und was für Ärzte hinter diesem Angebot stecken oder doch nicht eher eine Künstliche Intelligenz, die mir dann automatisch eine AU erstellt. Und Erkältungsymptome können auch eine andere Wirkungsursache haben, die nur ein Arzt bei persönlichen Kontakt erkennen kann.  Außerdem: Wenn es dabei bleibt, 9 Euro zu bezahlen für eine AU, kommt der Schwabe aus mir heraus und sagt: „Ne, dass zahle ich nicht!“

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