Kinder im Netz schützen

Können wir Kinder und Jugendliche im Netz schützen?  

Diese Frage stelle ich mir schon eine Weile. Die Antwort ist leider enttäuschend, wenn sich in diesem Feld nichts ändert, können wir es einfach nicht tun. Warum? Laut einer aktuellen Studie des Hamburger Leibniz-Instituts für Medienforschung verbringen Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren täglich im Schnitt 2,4 Stunden im Netz. Am Wochenende sind es bis zu vier Stunden.

Mehr ältere als jüngere User

Befragt wurden 1.044 Kinder und Jugendliche und jeweils ein Elternteil. Soweit so gut. Das Ergebnis würde bestimmt anders aussehen, wenn die Eltern nicht dabei gewesen wären. Außerdem ist auch nicht klar, ob die Befragten eigene Smartphones, Tablets oder Computer haben mit denen sie auch online sind.
 

Kinder langweilen sich ohne Internet  

Etwa die Hälfte der Befragten haben angegeben, sich zu langweilen wenn sie nicht online sein können. Hallo? Was ist denn da los? Was ist mit der Zeit, wo sich die Kids einfach mit Freunden treffen und draußen spielen ohne Handy? Egal ob Fußball, Räuber und Gendarm, Verstecken oder einfach mal schaukeln. Übrigens auch mal ein guter Tipp von einem guten Freund von mir: Als Erwachsener einfach mal wieder zu schaukeln, tut der Seele gut. ;)  

14 Tage offline? Auch für Kids nicht einfach

Seit über 10 Jahren bin ich als Teamer auf verschiedenen Sommerfreizeiten mit Kindern und Jugendlichen unterwegs. Für mich war es bis zu diesem Sommer wichtig, dass wir eigentlich die Smartphones der Teilnehmenden mit ins Programm einbeziehen und coole Dinge machen können - eine Fotostory, Kurzfilme oder auch Radio zum Beispiel. In diesem Jahr war ich im am Bodensee in Seemoos bei der BDKJ Ferienwelt, und da haben vor allem die jüngeren Kids 14 Tage lang kein Handy. 14 Tage offline! Das fand ich am Anfang mega blöd, doch jetzt habe ich selbst auch gemerkt, dass ich mein Smartphone gar nicht so oft gebraucht hab. Klar haben viele Kids ihr Handy vermisst, aber mit der Zeit hat kaum noch jemand daran gedacht, weil die Momente in der Natur ohne Handy einfach unbezahlbar sind.  

Dank Instagram und Co. machen wir uns viele schöne Momente kaputt!  

Ich bin ja auch eher ein Verfechter davon, dass es zum Beispiel bei Konzerten und größeren Events ein Handyverbot geben sollte. Viele Nutzer gucken durch das Display um zuschauen, dass das Bild gerade ist und verpassen dabei den "Magic Moment". Und jetzt mal ehrlich: wie oft schaut Ihr Euch die Videos oder Bilder nochmal an? Meine besten Konzerte waren die, bei denen ich mein Handy ausgeschaltet hatte und offline war.  

Eltern haben Angst  

Kommen wir zurück zur Studie: Die meisten Eltern haben bei der Befragung angegeben, dass sie Angst davor haben, dass ihre Kids im Netz von Fremden kontaktiert werden könnten. Berechtigt die Sorge, weil es leider auch kaum zu verhindern ist.  

Und so gut wie jeder zweite befragte Elternteil hat die Sorge, dass ungeeignete Inhalte im Netz gesehen werden können. Etwas Schlimmes oder auch Verstörendes im Netz gesehen zu haben, gaben neun Prozent der befragten Kinder und Jugendliche an.  Mädchen waren davon stärker betroffen als Jungen. Etwa ein Drittel der 12- bis 17-Jährigen haben auch angegeben, im vergangenen Jahr ungewollt mit intimen oder anzüglichen Fragen konfrontiert worden zu sein. 

Autoren der Studie fordern mehr Kinderrechte im Netz  

Neu ist diese Aussage ja nicht. Jeder von uns weiß, wie einfach es ist an nicht jugendfreie Seiten zu kommen. Ich finde es trotzdem wichtig, nochmal kurz für dieses Thema zu sensibilisieren.  Die minimalen Schutzmechanismen mit einer Altersverfikation sind ja wohl ein schlechter Witz. Im Fernsehen wird noch auf die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle geschaut): Je später der Abend, desto mehr Filme ab 16.  Im Internet ist in der Regel alles jederzeit abrufbar und zugänglich. Klar ist ein allgemeiner Schutz im Internet für Kinder und Jugendliche kompliziert, aber es nur halbherzig zu versuchen ist ja auch mehr als ein schlechter Witz.  

Eltern verlieren die Kontrolle-  das Internet siegt  

Klar, die Eltern sollen sich darum kümmern, sind aber auch oft selbst überfordert mit der neuen Technik etc. Und wie soll zum Beispiel eine ständige Kontrolle funktionieren? Wenn im Smartphone die Kindersicherung drin ist, ein Freund oder eine Freundin die Sperre nicht hat, zack können die Kids, sich Gewaltvideos anschauen oder spielen. Das Internet ist  viel zu groß und viel zu unübersichtlich um eine Kontrolle zu gewährleisten. Zum Vorteil der Anbieter im Internet . Sie  treffen die Entscheidung, was Kinder und Jugendliche online zu sehen bekommen. Sie haben die Kontrolle über Werbung, Inhalte usw. Trotzdem finde ich, kann es doch für die Politik nicht so schwer sein Kinder im Netz noch besser zu schützen. Der Weg Eltern zu informieren, medienpädagogische Workshops anzubieten und auch das Thema in der Schule zu behandeln ist vielleicht ein Anfang, aber meiner Meinung nach deutlich zu wenig. Da geht noch mehr!

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