Nachhalt-ICH - Öko-Mama im Anfangsstadium

Bei uns in der Redaktion geht es die ganze Woche um Plastik. Besser gesagt: um weniger Plastik. Hier liegen Bienenwachstücher herum und Haarseife zum Testen, es wird über Einkaufsnetze diskutiert, über den geschmacklichen Unterschied zwischen Wasser und Wasser und über allem schwebt die Frage: Wie kriegen wir die Vermüllung unseres Planeten wieder in den Griff?

Die Weltverbesserer von gestern sind die Eltern von heute

Immerhin sind wir gerade ja nicht unbedingt das beste Beispiel für unsere Kinder. Mal ehrlich: Wie weit sind wir in unserer Gesellschaft eigentlich, wenn wir feiern, dass Bio-Gurken - hurra, hurra! - ab sofort nicht mehr komplett in einem Plastik-Kondom eingewickelt verkauft werden? Das ist doch in etwa so, also wenn ich extra mit dem Rauchen anfangen würde, damit ich stolz darauf sein kann, damit wieder aufzuhören. Und ja, es ist viel zu viel Plastik im Umlauf, egal in welchem Lebensbereich, vom Mikroplastik mal ganz zu schweigen und auch das ist seit ich denken kann ein Thema.

Die Nachhaltigkeits-Dogmen

Als ich noch in der Grundschule war haben wir schon klassenweise Wälder nach Müll durchforstet und säckeweise davon zusammengeklaubt. Da kam sogar die Zeitung und hat darüber berichtet. Heute wird die Plastikrevolution von den Kindern von damals gemacht, was ja einerseits gut ist, andererseits oft in völlig dogmatischen Ebenen ausartet. Nach dem Motto "wie kann man nur eine in Papier eingewickelte plastikfreie Haarseife im Discounter kaufen?" wird man dann auch noch blöd angemacht. Alles schon erlebt.

Die Plastik-Konfrontation

Ebenfalls erlebt habe ich meine Tochter, wie sie Plastikmüll kennen lernt. Wir waren vor ein paar Wochen im Biosphärenzentrum in Münsingen (kann ich wirklich sehr empfehlen!) und haben dort nicht nur die spannende und toll gemachte Ausstellung über das Biosphärenzentrum angeschaut, sondern sind zufällig auch in einer Plastikausstellung gelandet. Ein Raum war voller Plastik - egal wo man hinsah überall Verpackungen, Flaschen, Becher, Tüten und Co. - von oben, unten, rechts und links. Es war unmöglich, die "Exponate" nicht zu berühren. Dazu hingen Infozettel mit Infos, wie lange das jeweilige Produkt braucht, um zu verrotten. Das hat meine Große mit ihren 4 Jahren ganz schön beeindruckt.

Einweg, Mehrweg, Ausweg?

Sie hat seitdem einen ganz besonderen Blick darauf. Und auch ich habe etwas mehr recherchiert damals und festgestellt, dass die Sache mit den Alternativen eigentlich auch nicht so ganz optimal ist. Schlimmer als Tetrapacks sind übrigens Einweg-Gläser, stellte ich fest. Und auch Mehrwegflaschen haben durch ihr Gewicht ein viel größeres Transportvolumen als Tetrapacks und benötigen viel Wasser zur Reinigung. Mehrweg-Plastikflaschen seien da deutlich besser, da leicht und mit weniger Energieaufwand als Einweg-PET wiederbenutzbar. Oder lieber doch Tetrapacks, auch wenn es 450 Jahre zum verrotten braucht, dafür aber extrem ideal im Transport ist? Tja. Und nun? Sitze ich da, weiß das zwar, habe aber auch keine Lösung für das Problem.

Meine Tochter, der Plastik-Monitor

Anders ist das bei meiner Tochter. Sie ist seit neuestem der Plastik-Monitor und fordert bei jedem Einkauf Informationen ein. "Warum sind die Äpfel in Plastik eingewickelt?", "Wann ist die Käseverpackung wieder verschwunden?", "Warum kaufen wir so viel Sachen ein, die wir danach wegschmeißen?" (sie meint die Verpackung) und "ach komm Mama, wir nehmen das im Glas, das ist ohne Plastik..." Ja, ich habe es noch nicht übers Herz gebracht, ihr diesen Teufelskreis der (Pseudo-) Wiederverwertung zu vermitteln. Als ich neulich mit ihr in einem Unverpacktladen war (der Neugier wegen) war sie ganz aus dem Häuschen. Wir beide. "Schau mal Mama, hier ist niiiiiiiiiiiirgends Plastik!" Ja, ich hatte ihr nicht gesagt, was das für ein Laden ist, aber sie hat es sofort gemerkt.

Und ja, sie hat mit all dem recht. Dinge hinterfragen, die für uns Erwachsene so komplett normal sind. Selbst nach Lösungen suchen und bei jedem Einkauf, bei jeder Handlung auch ein bisschen an die Natur denken. Wenn das jeder machen würde, dann sind die Kinder von heute die Helden unseres Planeten in der Zukunft. Ein guter Plan! Und eigentlich so einfach, oder?

Wie vermittelt Ihr Euren Kindern Nachhaltigkeit und habt Ihr noch Tipps? Schreibt mir an !

Eure Julia

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