Kinder und der Bezug zum Essen

Als ich klein war, kochte meine Oma jeden Tag frisch für die ganze Familie. Als ich etwas größer war, gab es in eiligen Momenten Fertig-Kartoffelbrei aus der Tüte. Heute habe ich immer eine Notration Ravioli in der Vorratsschublade. Und meine Tochter erzählt aus dem Kindergarten, dass manche Kinder nicht wissen, dass Fleisch von Tieren kommt.  

Wieso Kinder den Bezug zur Nahrung verlieren

Kinder fragen unheimlich viel. Und hinterfragen doch zu wenig, denn wir Erwachsene geben vor, was sich zu hinterfragen lohnt und was nicht. Beim Thema Essen bin ich da total pingelig. Und das nicht ohne Grund:
Wir leben in einer Welt, in der (manche) Kinder denken, dass Hühner 6 Beine haben, weil die Chickenwings im Sechserpack verkauft werden. Wir leben in einer Welt, in der Kinder denken, dass das Essen aus dem Supermarkt kommt. Wie es da hin kommt? Wie es entsteht? Nicht von Interesse. Fakt aber auch: Kaufen ist billiger als selber machen. Das liegt nicht nur an der Arbeitszeit, sondern auch am Material. Und es ist einfach praktischer ein 500 Gramm Glas Apfelmus zu kaufen, als 2 Kilo Äpfel. Von der Zubereitung mal ganz zu schweigen. Warum das so ist? Das wollen wir vielleicht lieber nicht wissen. 


Wo kommt unser Essen her? 

Vor ein paar Jahren, als ich unseren damaligen Nachbarsjungen „Baby-“ sittete, wurde mir das erschreckend deutlich vor Augen geführt. Sebastian, der fünfjährige Sohn einer alleinerziehen Gutverdienerin, gehörte definitiv zur Generation „Wurst- wächst- auf- Bäumen“. Es war für ihn völlig unverständlich, wenn ich (damals noch kinderlos und in einer WG lebend) aus den Blüten des Holunderbaumes im Frühjahr Pfannenkuchen, im Herbst Marmelade machte. Im Frühjahr erwischte er mich dabei, wie ich im strömenden Regen im Bärlauch stand und begrüßte mich mit einem unfreundlichen „Ihr esst aber auch alles!”. 


Kaufen ist doch viel einfacher!

Armer Junge, dachte ich, obwohl ich das alles ja auch aus chronischem Geldmangel machte – Studentenzeit und so. Zusätzlich ergaben sich einfach die Möglichkeiten, und so wollte ich mit ihm im Herbst Apfelmus machen. Doch er protestierte vehement: „Das ist doch völlige Zeitverschwendung, geh doch einfach in den Supermarkt und lass uns zocken!“. Ich war wirklich schockiert (obwohl ich gerne zockte). Und ich schwor mir in diesem Augenblick: Sollte ich jemals Kinder haben, dann werde ich alles daran setzen, dass sie den Bezug zu ihrer Nahrung nicht so verlieren wie Sebastian!
 

"Wo ist denn unsere Marmeladenfabrik?"

Bisher klappt das ganz gut. Meine Große hilft sehr gerne beim Kochen und Backen und kennt sich ganz gut in der Herstellung von allem möglichen aus. Mein Kleiner konzentriert sich bisher eher aufs Vernichten von Essen, aber das sehr gründlich. 
Und dennoch: Als wir vor einem Jahr zum ersten Mal auf dem Erdbeerfeld Erdbeeren pflücken waren, meinte meine Tochter: „So viele Erdbeeren können wir doch gar nicht essen!“ – „Doch,“ sagte ich, „wir machen einfach Marmelade draus,“ wohingegen sie antwortete: „Das geht doch gar nicht, wir haben doch gar keine Marmeladenfabrik!“
 

Meine kleine Meisterköchin

Dass es die gar nicht braucht, das hat sie dann zu Hause schnell gemerkt. Mittlerweile ist sie quasi professionelle Marmeladenköchin. Erdbeeren-, Kirsch-, Rhabarbermarmelade – alles von ihr persönlich eingekocht und eingeweckt. Letztes Wochenende waren wir Kirschen pflücken. Und dieses Mal wünschte sie sich was Neues. Also versuchen wir uns nun an Kirschsaft. Ob das was wird? Vielleicht machen wir dann bald eine Saftfabrik auf…

Welche Erfahrungen habt Ihr schon mit Kindern in Sachen Ernährung gemacht? Verratet es mir unter !
 

Liebe Grüße,

Julia

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