Kinder mit gewissem Extra

Diese Woche ist ein ganz besonderer Tag. Am 21. März nämlich ist Weltdownsyndromtag. Wir haben diese Woche viel über das Thema recherchiert und berichtet, haben Mamas mit Downsyndrom-Kindern interviewt, ein integratives Kinderhaus besucht und mit Organisationen gesprochen. Und auch ich würde gerne eine Erfahrung mit Euch teilen.

Die schöne heile Welt mit gewissem Extra

Meine Große ist ein wirklich weltoffenes Mädchen. Unglaublich neugierig, sehr empathisch und mit ihren vier Jahren schafft sie es regelmäßig, mit ihren klugen Fragen gestandenen Erwachsene aus der Fassung zu bringen. Meine Große ist aber auch: Ein ganz normales Mädchen, mit Pink- und Puppenliebe und Playdates mit besten Freundinnen.

Berührungsängste? Nur bei den Großen

In ihrem Kindergarten gibt es mehrere Kinder, die ein klein wenig anders sind. Zum Beispiel die kleine Leonie. Leonie hat besagtes Downsyndrom. Oder den blinden Valentin. Ich gebe offen zu: Ich hatte da schon so meine Bedenken bei der Auswahl dieses Kindergartens. Ehrlich. Nicht böse gemeint, aber ich – mit meinen über 30 Jahren bis dahin kaum mit behinderten Menschen in Berührung gekommen – konnte mir einen Kindergartenalltag unter diesen Umständen schlichtweg nicht vorstellen. Macht nichts, Meinungen kann man schließlich ändern dachte ich, und war schon beim 1. Besuch im Kindergarten völlig fasziniert, wie selbstverständlich dort alles abläuft und wie unglaublich sensibel die Kinder miteinander umgehen.

Auf jedem Bild ein Rollstuhl

„Mama, der gehört dazu, da sitzt doch die Maria drin!“

Wie sie lauthals Kinderlieder singen und einige eben mit Gebärdensprache mitmachen. Wie Biba, so nenne ich meine Große einfach mal für Euch, auf jedem Bild mit ihren Freunden auch einen Rollstuhl drauf malt. Einfach so, weil es für sie völlig normal ist und dazu gehört. Und ich Sensibelchen freue mich jedes Mal aufs Neue darüber, auch wenn ich weiß, dass es für mich eigentlich auch genauso selbstverständlich sein sollte.

Der seltsame Anruf, der mir die Augen öffnete

Jetzt sind wir voll im Thema drin, und dennoch passierte es, dass mich eine Geschichte richtig bewegte. Das war nämlich so: Meine Tochter versteht sich sehr gut mit der kleinen Leonie. Eines Tages rief mich überraschend ihre Mutter an. Irgendwie kam das Gespräch nicht so recht in Gang und ich spürte, dass sie sich schlichtweg nicht traute, den Grund ihres Anrufs zu nennen. „Ja, also, weißt du, es ist so…“, kam es dann schließlich aus ihr heraus, „Die Leonie hat bald Geburtstag, und würde so gerne die Biba einladen…“ – Juhu! Dachte ich, eine Geburtstagseinladung! Moment, folgten meine (manchmal etwas lahmen) Sensoren – wieso dann dieser unsichere Unterton? Es stellte sich heraus, dass Leonies Mama schon oft von anderen Eltern oder auch völlig Fremden enttäuscht wurde. Weil sie mit Leonies Downsyndrom nicht klarkamen.

Wie erkläre ich meinem Kind, dass die Gäste ausbleiben?

Dieser Gedanke war so vollkommen neu für mich, dass mir hier zum 1. Mal bewusst wurde, was Eltern mit behinderten Kindern eigentlich alles mitmachen. Welche Sorgen sie haben, weil unsere Gesellschaft einfach nur sehr wenig mit Behinderungen in Kontakt kommt. Klar, man liebt sein Kind egal wie es ist und als Mama kann man ja sagen „Dann lass es halt bleiben, wenn du dich für was Besseres hältst!“ - aber wie erklärt man seinem Kind, dass die Freundin nicht zum Geburtstag kommt, weil sie, in unserem Fall Leonie, eben etwas anders ist? Ganz ehrlich: Da habe ich riesigen Respekt vor!

Leonie gehört dazu - ganz ohne Wenn und Aber

Natürlich waren wir auf Leonies Geburtstag. Und es war richtig toll. Völlig ungezwungen und voller guter Laune. Mit Kuchen und Toben und Quatsch machen und allem was zu einem Kindergeburtstag eben dazugehört. Und Leonie gehört seitdem erst recht dazu: Zu Bibas besten Freundinnen – ganz ohne Wenn und Aber.

Eure Julia

Wie geht es Euch mit diesem Thema? Ich freue mich über ein Mail an

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