Ist das Kunst oder kann das weg?

Als mein Großer mit 2 Jahren in die Spielgruppe kam, wo er an drei Vormittagen die Woche mit Gleichaltrigen spielen und ich mich ein bisschen intensiver um meinen Kleinen kümmern konnte, habe ich sie geliebt: Die ersten Bilder, die mein Sohn gemalt hat! Wenn die Erzieherinnen beim Abholen die Kunstwerke der Kinder an uns Eltern verteilt haben, war ich regelmäßig verzückt. Auch wenn das Blatt Papier bis auf ein paar Striche komplett weiß war. Diese Begeisterung meinerseits ist auch den anderen Mamas nicht entgangen. Ich weiß noch genau, wie eine erfahrenere Mutter zu mir sagte: „Wart‘s ab. Wenn sie erst im Kindergarten sind, bringen sie bergeweise davon mit nach Hause. Das wird dann irgendwann echt zu viel!“

Zu viele Kunstwerke? Niemals!

Zu viel?? Mein Kind ist kreativ und drückt sich, so gut es eben kann, künstlerisch aus - wie könnte mir das jemals zu viel werden? Zumal ich als Tochter eines Kunstlehrers leider keinerlei zeichnerisches Talent besitze. Aber mein Großer...einfach toll!

Das ist mittlerweile vier Jahre her. Inzwischen ist mein Sohn in der Schule und ich ertappe mich dabei, wie ich die Aussage der Mutter damals nicht mehr ganz so abwegig finde. Während ich damals noch jedes noch so minimalistische Kunstwerk im Eingangsbereich unseres Hauses ausgestellt habe, versuche ich mittlerweile das eine oder andere Bild schon vor Betreten des Hauses unauffällig in meiner Tasche zu verstauen, um es später möglichst unbeobachtet zu beseitigen. Wie fies!

Schlimm ist es ja, wenn man ein bestimmtes Kunstwerk, nachdem es tagelang unbeobachtet irgendwo rumlag endlich erfolgreich im Papiermüll entsorgt hat und just an diesem Tag das Kind nach gerade diesem Bild fragt. Mehr als einmal habe ich mit hochrotem Kopf das Gesuchte wieder rausgefischt, es so gut es ging glatt gestrichen und verschämt genuschelt, dass ich auch keine Ahnung hätte, wie das denn da reinkommen konnte.

Das ganze Haus voller Kreativität

Dabei bin ich wirklich geneigt, auch Vieles, was meine Kinder so fabrizieren, tatsächlich aufzuhängen. Unsere Wände schmücken diverse Basteleien, Zeichnungen, Gemälde meiner Kinder. Die meisten finde ich wirklich schön - andere habe ich den Kindern zuliebe einst aufgehängt und sie einfach nie wieder weggeräumt. Da mir leider nicht nur künstlerisches Talent, sondern auch jeglicher Sinn für hippe Einrichtung und Deko fehlt, haben wir bei uns zu Hause viele freie Wände. Nein - hatten! 

Wohin mit all der Kunst?

Aber ernsthaft: Was macht man mit all den Dingen, die das eigene Kind mit viel Liebe, Kreativität und Ausdauer geschaffen hat? Die sie uns voller Stolz präsentieren und die ihre Entwicklung und ihren eigenen Stil dokumentieren? Jedes Mal, wenn ich eines dieser Kunstwerke verschwinden lasse, gibt es mir tatsächlich einen kleinen Stich ins Herz. Ich mache das meist schnell und schaue gar nicht richtig hin, als würde ich gerade ein Verbrechen begehen.

Trotzdem bleibt die Tatsache, dass ich unmöglich alles aufheben und archivieren kann, was meine Kinder so alles erschaffen (von den unzähligen Bügelperlen-Bildern ganz zu schweigen, mit denen ich trotz erfolgter Selektion den ganzen Weg nach Hamburg und zurück pflastern könnte). 

Wie macht Ihr das? Rigoros Dinge auch wegwerfen oder bei Ikea die zwanzigste Aufbewahrungsbox besorgen und alles irgendwo, irgendwie sammeln? 

Schreibt es mir doch einfach an , ich bin gespannt und freue mich auf Eure Nachrichten!

Liebe Grüße, 
Marie-Christine

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