Die Mär vom Multitasking

Eigentlich haben wir hier beim Radio ja einen ziemlich tollen Job. Abwechslungsreiche Arbeitsinhalte, nette Kollegen und hin und wieder auch wirklich spannende Studiogäste. Unvergessen dabei mein Fauxpas an der Kaffeemaschine: Genau dort traf ich eines Morgens auf einen mir unbekannten jungen Mann, der etwas hilflos versuchte, die Kaffeebohnen nachzufüllen. Nach einem Blick auf seinen Pappbecher informierte ich ihn gleich mal darüber, dass es hier ja auch richtige Tassen gebe (wegen der Umwelt und so). Er sah etwas ratlos aus, streckte mir dann einfach seine Hand hin und meinte "Hi, I am Olly! Can you help me with the coffee?". Tja. Es war kein Servicemitarbeiter oder Bewerber - es war tatsächlich Olly Murs. Und ich habe ihn einfach nicht erkannt! War ganz schön peinlich. (Aber mal ehrlich, wer rechnet denn auch damit, Olly Murs ganz alleine an der Kaffeemaschine zu treffen?)

Die Mär vom Multitasking

Dann gibt es aber auch richtig spannende Gäste, von denen ich WEIß, dass sie uns besuchen werden. Auf Gehirnfitnesstrainerin Heidrun Link zum Beispiel war ich richtig gespannt. Zugegeben, als ich sie das 1. Mal traf, war ich kritisch. Ich bin nämlich als Zweifachmama mit Vollzeitjob und sehr vollem Terminkalender richtig stolz darauf gewesen, ein Multitaskingtalent zu sein. Brote schmieren, Vorkochen, Wäsche zusammenlegen, nebenher telefonieren und den Einkaufszettel im Kopf zusammenstellen? Kein Problem. Und dann kommt Heidrun für ein Interview in unseren Sender und behauptet, Multitasking gibt es gar nicht - weil unser Gehirn gar nicht dazu in der Lage ist, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass meine Welt daraufhin zusammenbrach, aber ins Grübeln kam ich da doch. Kommt mein Gefühl, immer so gestresst und am Limit zu sein etwa daher, weil ich immer versuche, so viel wie möglich gleichzeitig zu wuppen? 

Der Resetknopf im Kopf 

Ich hatte damals die Aufgabe, das Interview mit Heidrun Link mit der Kamera zu begleiten. Und ich habe gestaunt. Viel gestaunt. Bisher war für mich Gehirnfitnesstraining sowas wie Sudokus lösen oder Zahlenketten auswendig lernen. Heidrun jedoch fasst da sehr viel mehr drunter: Neben dem Gehirn spielt bei ihr zum Beispiel auch der Körper und die Persönlichkeit eine Rolle. Bei näherer Betrachtung eigentlich vollkommen logisch. Und Heidrun meint, dass man sein Hirn ganz bewusst in Schwung bringen kann. Mit einfachen und wirklich lustigen Übungen hat sie das nicht nur mir und meinen Kollegen bewiesen, sondern uns auch einen sehr wichtige Funktion gezeigt: Den Resetknopf im Kopf. Knips! Stress weg. Knips! Neuer Schwung fürs Hirn. Halleluja, was für ein Gefühl!

Weniger Stress in jeder Lebenslage

Schwuppdiwupp war ich Feuer und Flamme und quetschte unseren Gast im Anschluss richtig aus. Heidrun ist selbst Mama und einfach eine super sympathische Frau, die vor Energie gerade zu sprüht und jeden sofort mit ihren Ideen ansteckt. Niemals hätte ich gedacht, dass mich das Thema Gehirnfitness so sehr fesseln kann. Jetzt putze ich (sehr zur Erheiterung der Kinder) auf einem Bein hüpfend die Zähne oder male mit meinem Daumen kleine Achter, wenn ich das Baby auf dem Arm tröste. Ich bin tatsächlich gelassener und stressresistenter. Ich habe gelernt, dass mein Gehirn ein super Rechenzentrum ist, das aber auch mal in den Ruhemodus darf. Und dass man Tätigkeiten ganz einfach auch mal bewusst genießen kann.

 

Vom Stressfaktor zur reinsten Entspannung

Das Richten der Pausenbrote meiner Familie zum Beispiel ist mittlerweile pure Entspannung für mich. Nebenher höre ich einen Podcast und vertiefe mich in aller Ruhe darin, die vielen Brote zu schmieren, Obst und Gemüse zu schnippeln und das alles hübsch in den Brotdosen anzurichten. Früher war genau diese Tätigkeit der Stress pur, weil ich es als zeitraubend empfand. So schnell ändern sich die Dinge - einfach nur durch eine kleine Umprogrammierung des Gehirns.

Probiert es doch auch mal aus!

Auch wenn die Sache mit dem Multitasking ein Märchen ist - seit ich Heidrun Link kenne, fühle ich mich viel fitter im Kopf. Und nicht nur ich, auch meine Kollegen. Und deswegen hatten wir die Idee, Heidruns Wissen und ihre Kniffe auch an Euch weiter zu geben - in ihrem eigenen Podcast. Das wird ein ganz tolles Projekt, davon bin ich überzeugt. Nicht nur, weil ich jetzt verlässlich einen tollen Podcast zum Broteschmieren habe, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass auch Ihr, egal ob Ihr Mama, Karrierefrau oder beides seid, viel von Heidrun lernen könnt. Die ersten Folgen sind schon fertig. Hört doch mal rein!

 

Eure Julia