Das 1. Mal

Es gibt viele erste Male. Und bei allen haut es uns um. Die einen mehr, die anderen weniger. Für manche ist der erste Kuss DAS Schlüsselerlebnis und der Übergang zum Erwachsenenleben, während ihn andere schon forsch und draufgängerisch und ohne schwerwiegendere Folgen im Kindergarten hinter sich gebracht haben. Aber auch da schon wussten wir: Das war jetzt ein KUSS! Ob diesem Ereignis nur ein kindliches „Hihihi“ oder ein überwältigtes „Wow“ folgt - es war das erste Mal. Und je älter wir werden, desto seltener werden auch die ersten Male. Das erste mal Alkohol? Check! Das erste Mal alleine verreisen? Check! Das erste Mal Sex: CHECK!!! Spätestens da dachten wir: So, jetzt hab ich‘s geschafft! 

DAS 1. Mal, das wohl jede Mama umhaut


Darüber kann ich heute nur müde lächeln. Denn was bitte ist lebensverändernder und einschneidender als die Geburt des ersten Kindes? Dieses erste Mal hat mich persönlich komplett umgehauen. Hat mein Leben auf den Kopf gestellt, hat mich zu Beginn verzweifeln lassen und hat mich zu einem anderen Menschen gemacht. Denn ab jetzt war ich Mama. Kein Kichern und keine Schmetterlinge, kein Überlegenheitsgefühl und keine Erleichterung. Einfach nur tiefe, in dieser Art noch nie gefühlte und bedingungslose Liebe für dieses kleine, hilflose, wundervolle Wesen. 

 

Das 1. Mal Mama sein - ein ganz großes Gefühl


Und resultierend aus dieser Liebe auch Angst. Was, wenn ich etwas falsch mache? Was, wenn es meinem Kind nicht gut geht und ich es nicht merke? Was wenn mir, meinem Mann oder gar meinem Baby etwas zustößt? Und diese Liebe hat bei mir auch das Gefühl heilloser Überforderung ausgelöst. In den ersten Wochen und Monaten war nicht nur mein Kind abhängig von mir - auch ich war abhängig von ihm. Denn als einzige Nahrungsquelle musste ich schließlich zu jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar sein. Wenn mein Kind geschlafen hat, habe auch ich versucht, ein bisschen zur Ruhe zu kommen oder Dinge zu erledigen, die dringend gemacht werden mussten. 


Der viel beschriebene Baby-Blues ist zwar zum Glück bei mir ausgeblieben, aber ich erinnere mich noch gut an einzelne Momente, in denen ich heulend wie ein Schlosshund das verfluchte Stillhütchen quer durchs Zimmer geworfen habe, in denen ich still und zutiefst verzweifelt geweint habe, weil mein Kind geschrien hat und ich aus lauter Mitleid und Sorge nicht mehr weiter wusste oder in denen ich die aufsteigenden Tränen nicht zurück halten konnte weil ich dachte, mein selbstbestimmtes Leben wäre nun ein für allemal zu Ende. 


Tatsache ist, dass ich all diese Gefühle in dieser Intensität noch nie zuvor empfunden habe. Tausend erste Male innerhalb kürzester Zeit - Das erste Mal das Baby bis zum Nacken von seinen Exkrementen zu befreien, den ersten Brei aus den letzten Ecken der Küche putzen oder den Stolz bei den ersten wackeligen Schritten gar nicht mal mitgezählt. 
Und all diese ersten Male haben etwas in mir verändert: Zum ersten Mal habe ich begriffen, was man selbst zu leisten imstande ist. Und ich habe für mich festgestellt, dass all die Erziehungsratgeber letzten Endes für die Tonne sind, weil ich instinktiv und ohne groß nachzudenken in den meisten Fällen genau richtig reagiert habe. Richtig für mein Kind.

Der 1. Wahnsinn


Das erste Mal Mama werden. Wahnsinn. Dass es überwältigend sein würde, war mir im Voraus schon bewusst. Dass sich mein Leben grundlegend ändern würde, auch. Aber dass im Grunde nichts mehr so sein würde, wir davor - darauf war ich nicht vorbereitet. Nicht in dem Maße, in dem es mich dann umgehauen hat.
Aber das liegt in der Natur der Sache. Nichts und niemand kann uns auf dieses erste Mal vorbereiten. Und so sehr ich diese altklugen, weise lächelnden und lebenserfahrenen „Das wird schon! Warte erst, bis...“-Sätze erfahrener Mütter verflucht habe: Sie hatten recht. 

 

Seid einfach ehrlich zu Neumamas!


Und eins hab ich mir geschworen: Ich werde versuchen, alle werdenden Mamas auf die sensibelste und möglichst nicht allzu altklug wirkende Weise dafür zu sensibilisieren, dass bei allem Glück und all der Erfüllung, die ein Baby mit sich bringt, auch schwere Zeiten kommen werden. Und dass es wichtig ist zu wissen, dass am Ende alles gut werden wird. „Das wird schon“ eben. Aber nicht weise lächelnd, nicht von oben herab und um Gottes Willen auch nicht verstörend oder gar schwarzmalend. Einfach ehrlich. Das Gefühl vermitteln: Du bist nicht alleine mit all diesen Gefühlen. Die sind normal und wichtig. Und letzten Endes machen uns unsere Reaktionen auf diese Herausforderungen zu den Mamas, die wir später sind. Die einen übervorsichtig und immer latent in Sorge, die anderen gelassen und auf die Fähigkeiten des Kindes, das Schicksal oder eine andere höhere Macht vertrauend. 


Und jede Art des Mama-Seins ist richtig, so lange es dem Kind und den Eltern damit gut geht.
Und wenn dann unsere Kinder den ersten Kuss, die erste Klassenfahrt oder die erste Liebe erfahren, können wir uns entspannt zurück lehnen und sagen: „Das wird schon...“

 

Liebe Grüße,

Eure Marie-Christine