1000 Peitschenhiebe!

1000 Peitschenhiebe!

Stellt Euch vor, Ihr würdet von heute auf morgen Eurer Familie entrissen. Ihr dürftet Eure kleinen Kinder nicht aufwachsen sehen – und das nur, weil Ihr Euch negativ über die Bundesregierung oder die Kirche geäußert habt. Das ist bei uns undenkbar, in Saudi-Arabien leider knallharte Realität. Es war vor fünf Jahren, als der Menschenrechtler Raif Badawi wegen „Beleidigung des Islam“ zu 1000 Peitschenhieben, 10 Jahren Haft und 200.000 Euro Geldstrafe verurteilt wurde. Nach den ersten 50 öffentlichen Peitschenhieben brach er zusammen.

Sein Verbrechen? Er hat einen Internetblog eingerichtet, in dem er für Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung von Männern und Frauen eintritt. Seither sitzt er im Gefängnis. Seine Frau hat es geschafft, mit ihren drei Kindern nach Kanada zu flüchten und hat dort politisches Asyl bekommen. Inzwischen sind sie kanadische Staatsbürger.

In meiner Heimatstadt Tübingen findet seit 4 ½ Jahren jeden Samstag die „Mahnwache Raif Badawi“ auf den Treppen der Stiftskirche statt. Über 10.000 Unterschriften wurden schon an die saudi-arabische Botschaft in Berlin geschickt. Das finde ich so bemerkenswert, denn diese Ü60-Gruppe hat das Ziel, so lange weiterzumachen, bis Raif Badawi mit seiner Frau und den Kindern gemeinsam mit ihnen auf der Stiftskirchentreppe stehen. Hut ab für so viel Engagement, für Fremde einzustehen, auch wenn es wenig hoffnungsvoll erscheint. Die ganze Geschichte von Raif Badawi könnt Ihr auch nachlesen in dem Buch: „1000 Peitschenhiebe: Weil ich sage, was ich denke“.

Euer Ostermann