Schläft der Gründergeist ein? Diese Phasen sind zu durchlaufen

Gründer werden ist nicht schwer, erfolgreicher Gründer zu sein hingegen sehr. Vielleicht ist das der Grund, warum die Gründerquote vom historischen Höchststand von 2,9 im Jahr 2001 auf 1,3 im Jahr 2016 gerutscht ist. Warum die Neugründungen laut Start-up-Monitor 2017 so rapide absacken, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Manchmal liegt es am Produkt, manchmal an der Finanzierung und manchmal auch am Gründer selbst.

Wer sich zur Riege der innovativen Unternehmensgründer mit Start-up-Label zählt, der weiß: Die eigentliche Firmengründung liegt direkt in der Mitte eines Prozesses, hinter dem die Orientierungs- und Planungsphase liegt und vor dem Aufbauphase, Wachstumsphase und Reifephase liegen. Welche Unternehmensphase welche Herausforderungen bereithält und, was es jeweils abzuwägen gilt, zeigt dieser Beitrag.

Wichtige Vorbereitungen: die Orientierungs- und Planungsphase

Abbildung 1: Orientierung und Planung darf nicht nur in der Theorie erfolgen. Auch Gespräche mit erfahrenen Gründern sind in dieser Phase wichtig.

Im günstigsten Fall dauert die Orientierungs- und Planungsphase ein Jahr. In den ersten drei Monaten steht vor allem die Idee im Fokus, die sich von einer schemenhaften Gestalt hin zu einer Idee mit Umsetzungspotential entwickeln kann und wird. Wichtige Faktoren, die bereits in der dieser Phase zu durchdenken sind, sind das Marktpotenzial und die Zielgruppe. Vor allem Gespräche können in dieser ersten Unternehmensphase weitere Erkenntnisse mit sich bringen und helfen dabei, die Idee im Kopf zu formen.

Abwägungstipp: In dieser Phase muss der Gründer abwägen, ob aus seiner Idee ein Unternehmen erwachsen kann. Hierfür braucht es neben dem festen Glauben an die Idee auch eine gehörige Portion Realismus, die aufzeigen kann, inwiefern die Idee zukunftsträchtig ist.

Nach der Orientierung erfolgt die Planung und die kann es mitunter durchaus in sich haben: Ein Businessplan wird aufgestellt. Prototypen werden gefertigt. Marktanalysen und Studien schärfen den Fokus für die Gründung des Start-ups. In dieser Phase wird das Start-up bereits (rein theoretisch) aufgesetzt, was auch bedeutet: Unternehmensname, Corporate Design, Strategien, Ziele und Meilensteine werden ebenso notiert und festgelegt wie der USP, der das eigenen Start-up von vielen anderen am Markt abhebt. In der Orientierungsphase fällt die Entscheidung für die Rechtsform, den Unternehmensstandort, die Form der Buchführung, die Preispolitik und ggf. die Wahl eines starken Finanzpartners.

Abwägungstipp: In dieser Phase muss der Gründer die Weichen stellen für sein Unternehmen. Das bedeutet vor allem ein Höchstmaß an Recherchetätigkeit im Vorfeld und die Fällung zahlreicher Einzelentscheidungen auf dem Weg zur Unternehmensgründung. Das Abwägen einzelner Optionen braucht Know-how, Selbstvertrauen und Zeit. Überstunden sind in dieser Phase an der Tagesordnung.

Der Startschuss fällt: die Gründungsphase

Die Gründungsphase markiert vielmehr einen Meilenstein als eine Phase, denn die Gründungsphase ist vielmehr ein Startschuss, der bereits die Aufbauphase des Unternehmens einläutet. Dennoch passieren in der Gründungsphase einige grundlegende Dinge:

  • die hoch-offizielle Unternehmensgründung
  • die Markteinführung des Produkts
  • der Aufbau des Unternehmens
  • die aktive Suche nach Kunden
  • die Überprüfung der Liquidität

Abwägungstipp: Der Startschuss kann mit einem steilen Anstieg des Unternehmens einhergehen oder aber nur sehr langsam erfolgen. Tiefschläge sind vorprogrammiert, denn in der Gründungsphase wird überprüft, inwiefern die Theorie aus der Orientierungs- und Planungsphase sich in der Praxis verwirklichen lässt. Abzuwägen gilt es hierbei, inwiefern nach Tiefschlägen direkt nachjustiert wird, oder ab abgewartet wird, bis sich die Talzone wieder lichtet.

Jetzt geht’s steil bergauf: Aufbau-, Wachstum- und Reifephase

Abbildung 2: Spätestens dann, wenn die Wachstumskurve steigt, muss Unterstützung in Form von IT und Personal ins Team kommen.

Mit dem Beginn der operativen Tätigkeit werden – im Idealfall – die ersten Umsätze erzielt. Die Festigung des Start-ups im Markt ist der Hauptfokus in diesem Zeitraum. Auch darf ein Blick auf die gesetzten Ziele nicht fehlen, um sich aufzumachen in Richtung Erfolg.

Abwägungstipp: Wie schnell ein Gründer abwägen muss, wie er professionelle Strukturen im Betrieb umsetzt und vielleicht sogar auf Mitarbeiter setzen muss, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab. Grundsätzlich jedoch empfehlen Experten Gründern, sich aus den Rängen der IT Unterstützung zu sichern, wenn es darum geht, das Unternehmen systemisch abzubilden. Die erste Wahl für diese Idee stellen heute sogenannten ERP-Systeme darf. Mit Blick auf den Einsatz weiterer Mitarbeiter muss der Gründer abwägen, ob er sich diese Unterstützung dauerhaft leisten kann. Zudem gilt: Mitarbeiter sollte sich ein Betrieb dann leisten, wenn einzelne Aufgaben nur ineffizient und unwirtschaftlich vom Gründer selbst bewerkstelligt werden können.

Spätestens dann, wenn sich die Wachstumsphase einstellt (das ist bei den meisten Gründern erst ab dem 4. Jahr denkbar, kann aber in Ausnahmefällen auch früher erfolgen), wird die Expansionsstrategie des Unternehmens mit Gewinnen belohnt.

Abwägungstipp: Spätestens in der Phase des Wachstums werden Mitarbeiter gebraucht, die eine ganz neue Herausforderung mit sich bringen, denn Mitarbeiter brauchen Führung. Und gute Führung bedarf sowohl Know-how als auch Übung. Daneben zeichnet die Wachstumsphase die Herausforderung aus, dass Umstrukturierungen nötig werden, die das Unternehmen aus den Gründerschuhen holen und in den Unternehmenssattel verfrachten.

Auch die Reifephase zeichnet sich durch weitere Umstrukturierungen aus, denn nun ist unternehmerisches Denken gefragt, das die Weichen für die Zukunft stellen wird.

Abwägungstipp: Soll neue Technik angeschafft werden? Ist es strategisch sinnvoll, Zusammenschlüsse zu initiieren? Welche Mechanismen sind nötig, um die Konkurrenzfähigkeit auszubauen? Inwiefern kann das Produktsortiment erweitert werden? Es sind Fragen wie diese, die ein Unternehmen in der Reifephase beschäftigen und vermutlich auch noch weiter darüber hinaus.

Abbildung 1: pixabay.com © rawpixel (CC0 Public Domain)

Abbildung 2: pixabay.com © geralt (CC0 Public Domain)


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