Beim Wetter täuscht uns das Bauchgefühl

"Ist der Sommer schon vorbei?" - diese Frage stellen sich viele, da die Temperaturen von Donnerstag auf Freitag so drastisch gesunken sind. Die einen freuen sich über eine Abkühlung, während die anderen lieber bei Hitze im Freibad liegen würden. Wir haben mit Kai-Uwe Nerding, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst, gesprochen und ihm einigen Fragen zum aktuellen Wetter gestellt.


Kommt der Sommer nochmal zurück?

Nach dem eher kühleren Wochenende, mache sich laut Nerding wieder eine warme Wetterfront mit steilen Temperaturen bemerkbar. Zwar werden die 30 Grad in absehbarer Zeit wohl nicht mehr erreichbar sein, aber: der Sommer ist noch da! Ein Sommertag gelte als solcher, wenn er die Temperatur von 25 Grad übersteige, somit kommen doch noch einige solcher Tage per Definition auf uns zu.

Wieso man die etwas kühleren Tage als Herbst empfinde, erklärt der Meteorologe damit, dass die vorherigen extrem hohen Temperaturen bei vielen den Eindruck erwecken, dass jetzt schon Herbst sei. Dies sei aber nicht der Fall, der Temperaturabfall sorge lediglich für eine leicht verfälschte Wahrnehmung der Jahreszeit.

Zum Temperaturabfall ergänzt der Wetterexperte, dass Tiefs zwar in der Zeit der Hitze immer wieder versucht haben, gegen die hohen Temperaturen anzukämpfen, dies aber erst jetzt gelungen sei. Das Tief habe es jetzt mit einer Kaltfront geschafft, die heiße Luft "auszuräumen" und somit war der Temperatursturz deutlich spürbar.

Das ist doch nicht normal, es ist doch August?

Ungewöhnlich seien die kühleren Temperaturen Ende August laut Nerding nicht. Dies sei ganz normal und trete zu dieser Zeit immer wieder auf, beispielsweise gab es im August 1995 die niedrigste Höchsttemperatur mit 12 Grad Celsius.

"Ich habe das Gefühl, es gibt nur noch den Sommer und den Winter"

...auch diesen Satz hört man immer wieder. Dazu sagt Nerding: "Der Eindruck ist auch bei mir da, dass die letzten Jahre immer wieder vor allem das Frühjahr meiner Ansicht nach [...] übersprungen wird.“ - Ihr seid also mit diesem Gefühl nicht alleine. Trotzdem räumt er ein, dass es dazu bisher keine wissenschaftliche Ausarbeitung gebe, die ihm bekannt ist. 

Schnee in Bayern

...ebenfalls sei dieses Phänomen nichts besonderes. In Berchtesgaden liege die Schneefallgrenze bei ca. 1500 Metern, kein außergewöhnlicher Wert für Ende August. 

Die Frage, ob man Winterreifen in Bayern bräuchte, verneint der Experte. Dadurch, dass der Boden noch viel warme Energie gespeichert habe, sei keine Schneedecke zu erwarten, da der Schnee auf dem warmen Belag schnell schmelze. 

Also: Aufatmen! Unser Gefühl für Jahreszeiten und Temperaturen täuscht uns öfter als wir denken. 


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