Spacey wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe vor Gericht

  • 26.12.2018
  • Barbara Munker und Christian Fahrenbach, dpa
Kevin Spacey

Kevin Spacey muss sich vor Gericht verantworten. Foto: Arno Burgi

Los Angeles (dpa) - Der amerikanische Schauspieler Kevin Spacey (59) muss sich wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe vor Gericht verantworten.

Wie die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Massachusetts am Montagmitteilte, soll Spacey am 7. Januar dem Haftrichter im Bezirk Nantucket vorgeführt werden. Die Vorwürfe von unsittlichem Angriff und Körperverletzung stammten von einem Vorfall im Juli 2016 in einem örtlichen Restaurant auf der Nantucket-Insel, hieß es.

Ebenfalls am Montag brach Spacey sein langes öffentliches Schweigen und meldete sich zum ersten Mal seit über einem Jahr auf Twitter und YouTube mit einem bizarren Video zu Wort. In dem dreiminütigen Auftritt mimt der frühere «House of Cards»-Star seine TV-Figur, den skrupellosen Politiker Frank Underwood, der offenbar auf Vorwürfe gegen sich reagiert.

«Ihr würdet doch nicht ohne Beweise das Schlimmste glauben und ohne Fakten vorschnell urteilen, oder?», sagt Spacey in die Kamera. Er werde bestimmt nicht den Preis für Dinge zahlen, die er nicht getan habe. Bald werde die «ganze Wahrheit» ans Licht kommen. «Ihr wollt mich zurück», sagt er zudem in dem Video. Betitelt ist der Clip mit «Let me be Frank», was sowohl «Lasst mich Frank sein» als auch «Lasst mich ehrlich sein» bedeutet.

Seit Herbst 2017 sind in mehr als 30 Fällen Vorwürfe von sexuellen Übergriffen und Belästigung gegen Spacey öffentlich vorgebracht worden. Als erstes hatte der Schauspieler Anthony Rapp («Star Trek: Discovery», «Rent») angegeben, als 14-Jähriger in den 80er Jahren belästigt worden zu sein. Am Londoner Old Vic Theatre soll Spacey in seiner Zeit als künstlerischer Direktor Berichten zufolge mindestens 20 Männer belästigt haben. In England waren in mehreren Fällen polizeiliche Ermittlungen angelaufen.

Der Fall in Massachusetts dreht sich um einen damals 18-jährigen Jungen. Im vorigen November hatte die ehemalige TV-Moderatorin Heather Unruh über den angeblichen Vorfall mit Spacey und ihrem Sohn gesprochen. Demnach soll der Schauspieler den jungen Mann in einem Restaurant betrunken gemacht und dann unsittlich berührt haben.

Der Streaming-Dienst Netflix hatte im Zuge der Enthüllungen die Zusammenarbeit mit dem Oscar-Preisträger bei der Polit-Serie «House of Cards» aufgekündigt. Seine Figur Frank Underwood starb den Serientod und verschwand aus der Produktion. Die Karriere des Schauspielers liegt seither brach. Eine Reaktion von Netflix auf das neue Video gab es bis Mittwoch nicht.

Schon zum zweiten Mal nutzt Spacey nun Vorwürfe gegen ihn, um selbst in die Offensive zu gehen: Als Rapp mit seinen Anschuldigungen an die Öffentlichkeit ging, sagte Spacey erstmals öffentlich, schwul zu sein. Diesmal veröffentlichte er das Video am Tag der Bekanntgabe des Datums seiner gerichtlichen Vorladung. Spacey hatte sich nach Angaben einer Sprecherin 2017 in therapeutische Behandlung begeben. Bei Rapp entschuldigte er sich damals knapp öffentlich in einer Stellungnahme, gab aber an, er könne sich an den Vorfall «ehrlich nicht erinnern».

Die meisten Reaktionen auf den Videoclip des Schauspielers waren deutlich negativ. «Ich bin sicher, dass keiner der Männer, die zum Zeitpunkt ihrer sexuellen Übergriffe Kinder waren, Kevin Spaceys seltsames Video befürwortet», schrieb Schauspielerin Patricia Arquette. «Nein. Einfach Nein.» Anthony Rapp antwortete ihr mit «#Truth» («#Wahrheit»). Viele weitere Schauspieler, Comedians und Autoren bezeichneten das Video als «gruselig» und absolut ungeeignet, um Sympathie zu erzeugen oder Spaceys Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Die Anschuldigungen gegen ihn waren im Herbst 2017 kurz nach den Missbrauchsvorwürfen zu Filmmogul Harvey Weinstein bekanntgeworden. Beide haben sich seitdem öffentlich nicht geläutert gezeigt. Mehrere solcher Fälle in der Unterhaltungsbranche lösten unter dem Stichwort #MeToo eine breite gesellschaftliche Debatte über Belästigung und Missbrauch aus.

In Deutschland gibt es seit einigen Monaten für Betroffene aus Film, Fernsehen und Theater eine zentrale Anlaufstelle. Bei den Organisatoren von «Themis», benannt nach der griechischen Göttin der Gerechtigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts, melden sich laut eigenen Angaben seit dem 1. Oktober täglich neue Betroffene.



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