Promi-Geburtstag vom 25. November 2017: Rosa von Praunheim

  • 25.11.2017
  • Nada Weigelt, dpa
Rosa von Praunheim

Regisseur Rosa von Praunheim wird 75. Foto: Michael Kappeler

Berlin (dpa) - «Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen!» Mit diesem Kampfruf wurde Rosa von Praunheim Anfang der 70er Jahre zum Pionier der Schwulenbewegung. Sein Film «Nicht der Schwule ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt» sorgte für einen Skandal. Zahllosen Betroffenen jedoch machte er Mut, sich offen zu ihrer Homosexualität zu bekennen. Innerhalb kürzester Zeit gründeten sich bundesweit mehr als 50 Schwulengruppen.

Am Samstag (25. November) wird der Berliner Filmemacher, Künstler, Autor und Paradiesvogel 75 Jahre - und könnte sich eigentlich freuen. Am 1. Oktober ist das Gesetz zur Ehe für alle wirksam geworden. Nach Jahrzehnten von Verfolgung, Schikane und harten Kämpfen haben Schwule und Lesben nun die gleichen Rechte wie Hetero-Paare.

Ist das auch sein Erfolg? «Nein, überhaupt nicht», sagt Praunheim in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Wir wollten ja etwas anderes. Wir wollten eine andere Gesellschaft. Dass jetzt alles so auf Anpassung läuft und "Wir machen's den Heteros" nach, das war nicht so geplant.»

Die andere Gesellschaft - die hat Praunheim zumindest für das eigene Leben umgesetzt. In seiner verwinkelten, vollgestopften Altbauwohnung in Berlin Wilmersdorf lebt er mit seinem 42-jährigen Freund Olli zusammen («seit zehn Jahren meine große Liebe»). Für den «Ex» und langjährigen Mitarbeiter Mike sowie eine behinderte Schlange ist ebenfalls Platz. Und bis zu ihrem Tod mit 98 Jahren wohnte auch seine Mutter noch hier. «Wir sind so eine Art Familie, und ich bin sehr glücklich darüber. Es ist schön, wenn man sich gegenseitig stützt.»

Rund 150 Filme hat der Polit-Provokateur bisher gedreht - schrill und schräg, satirisch und streitbar, aber oft auch überraschend ruhig und poetisch. Schon der erste längere Spielfilm «Die Bettwurst» (1970) über seine geliebte Tante Luzi war ein großer Erfolg und ist bis heute Kult. Auch später spielen neben Schwulenthemen und dem Kampf gegen Aids immer wieder starke Frauen eine wichtige Rolle, etwa Lotti Huber («Affengeil»), Evelyn Künneke oder Eva Mattes.

Besonders anrührend ist die Dokumentation «Meine Mütter» (2007), in der er sich in der lettischen Hauptstadt Riga auf Spurensuche in die eigene Vergangenheit begibt. Erst als er fast 60 war, hatte seine Mutter ihm erzählt, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist: Sie habe ihn während der deutschen Besatzung in einem Kinderheim in Riga gefunden. Die leibliche Mutter, so findet er heraus, hatte ihn in einem Gefängnis zur Welt gebracht. Wenig später wurde sie in der Psychiatrie ermordet.

Seit Mitte der 60er Jahre trägt Rosa von Praunheim seinen Künstlernamen. Er will damit an den Rosa Winkel erinnern, den homosexuelle Juden in den KZs der Nazis tragen mussten. Aus sein Schlüsselwerk «Nicht der Homosexuelle ist pervers ...» (1970) war von politischem Furor getrieben. «Der Film entstand aus Wut über die Feigheit der Schwulen, die nichts für ihre eigene Emanzipation getan haben», erinnert er sich. «Als junger Mensch fühlte ich mich da sehr allein und war wütend.»

Bezeichnenderweise lief die Dokumentation erst 1973 in der ARD, der Bayerische Rundfunk schaltete sich aus der Ausstrahlung aus. Zwanzig Jahre später sorgte der Kultfilmer erneut für einen Eklat, als er die TV-Lieblinge Hape Kerkeling und Alfred Biolek in der RTL-Krawallshow «Explosiv - Der heiße Stuhl» ohne deren Wissen als homosexuell outete. «Ich wollte Leute, die ein bisschen Einfluss hatten, in die Pflicht nehmen», sagt er. «Aber im Grunde war es etwas Unanständiges.»

Bis heute muss der vielfach ausgezeichnete Filmemacher um Geld für seine Projekte kämpfen. Umso mehr freut er sich, dass er zum Geburtstag seinen neuen Film «Überleben in Neukölln» vorstellen kann. Gerade erschien sein Buch «Wie wird man reicht und berühmt?». Und im Frühjahr läuft in der renommierten Akademie der Künste eine dreimonatige Ausstellung über ihn und seine Künstlerfreunde Elfi Mikesch und Werner Schroeter an.

Er schaue in einer Mischung aus Verwunderung, Angst und Euphorie auf seinen 75. Geburtstag, gesteht er in einem «Selbstinterview» auf seiner Geburtstagseinladung und fügt hinzu: «Ja, wenn ich auf mein Leben zurückblicke, bin ich ein Glückskind.»



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