Promi-Geburtstag vom 2. Dezember 2017: Ulrich Wickert

  • 02.12.2017
  • Dorit Koch, dpa
Ulrich Wickert

Ulrich Wickert feiert seinen 75. Geburtstag ganz entspannt. Foto: Uwe Zucchi

Hamburg (dpa) - Eigentlich hätte Ulrich Wickert jetzt ein anderes Buch vorlegen sollen. «Der Verlag meinte, ich müsste meine Biografie schreiben, aber ich interessiere mich nicht für meine Vergangenheit», sagt der in Hamburg lebende Journalist und Autor. «Ich bin wirklich jemand, der immer nach vorne denkt und nicht zurückschaut.»

Dafür ist nun zu seinem 75. Geburtstag an diesem Samstag eine neue Arbeitsbiografie erschienen: «Nie die Lust aus den Augen verlieren» versammelt bekannte sowie erstmals in Buchform erschienene Texte aus seiner Feder - «Lebensthemen» des Ex-«Tagesthemen»-Moderators. «Nie die Lust aus den Augen verlieren - das war mein Leben lang einer der Antriebe für mich: Ich mache nur das, wozu ich Lust habe», betont er.

Genau so habe es für ihn einst begonnen: «Ich bin aus Lust Journalist geworden - damit fing es an», erzählt er. «Als ich 16 war, wollte ich noch Diplomat werden», sagt Wickert, der in Tokio geboren wurde, in Heidelberg und Paris zur Schule ging und als Teenager schon seinen ersten Bericht über den Eiffelturm schrieb. «Mein Vater war Diplomat, wir lebten in Paris, er ging morgens um 9 Uhr ins Büro, kam mittags nach Hause, hielt eine Siesta, traf sich abends mit Leuten in Restaurants - ein großartiger Beruf, dachte ich damals.»

Also habe er Jura studiert. «Nur während des Studiums, besonders während meiner Zeit in Amerika, merkte ich: Beamter - das ist nicht dein Ding. Nach dem ersten Staatsexamen habe ich meine juristische Karriere beendet.»

1969 kam Wickert zum Fernsehen, arbeitete für das Politikmagazin «Monitor». Später wurde er Auslandskorrespondent, war in Washington und Paris. «Mein Wunsch war früher immer, in New York zu arbeiten. Irgendwann hatte ich das riesige Glück und der WDR schickte mich dahin», erinnert er sich.

Bald danach bot man ihm an, das Studio in Paris zu übernehmen. «Ich habe mich schließlich für Paris entschieden und es nie bereut.» Viele Bücher widmete der frankophile Bonvivant Frankreich. Er wurde zum «Mitglied der Käsegilde» und zum Offizier der französischen Ehrenlegion ernannt. Mit seinem jüngsten Werk «Frankreich muss man lieben, um es zu verstehen», das er in diesem Herbst herausbrachte, ist er gerade auf Lesereise.

Mit Seriosität und Charme, intellektuellem Witz und verschmitztem Lächeln war Wickert einst für das TV-Publikum zum «Mr. Tagesthemen» geworden. 1991 nahm der leidenschaftliche Journalist auf dem Moderatorenstuhl im «Tagesthemen»-Studio Platz und löste Hanns Joachim Friedrichs (1927-1995) ab. «Die 'Tagesthemen' habe ich 15 Jahre lange gemacht, jeden Tag bis zum letzten mit großem Vergnügen. Am ersten Tag danach habe ich mir gesagt: Jetzt schreibst du weiter Bücher.»

Der erste Tag danach - das war der 1. September 2006. Zur Ruhe gesetzt hat sich der 1,96-Meter-Hüne bis heute nicht: «Ich bin nicht pensioniert, ich habe nur beim Fernsehen aufgehört. Ich mache das weiter, wozu ich Lust habe.»

Seit langem gehört dazu auch seine Krimireihe über den Pariser Untersuchungsrichter Ricou. «Mal schauen, wann der Richter wieder dran ist», sagt er. «Mein letztes Frankreich-Buch hat mich viel Kraft gekostet, ich musste wahnsinnig viel daran arbeiten. Jetzt mache ich tatsächlich erst mal Pause und fange nicht gleich mit dem nächsten an.»

An Buchideen mangele es ihm nicht. «Ich muss 110 werden, damit ich wenigstens die Ideen umsetzen kann, die ich jetzt habe. Verraten darf man sie allerdings nicht - da bin ich abergläubisch.» Auch ganz andere Ideen hätte er: «Es gibt Träume, von denen ich weiß, dass ich sie nie verwirklichen werde, etwa einen Spielfilm wie Hitchcock zu drehen. Aber träumen kann man ja davon.»

In dritter Ehe ist Wickert mit Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel verheiratet, 2012 wurden sie Eltern von Zwillingen, eine erwachsene Tochter hat er aus erster Ehe. Seinen 75. Geburtstag will er «ganz entspannt» feiern.

Nach seiner Pause warten die weiteren Buchideen - das autobiografische Werk dürfte aber weiterhin nicht dazugehören. «Ein ganzes Buch lang über mich selbst nachdenken - das könnte ich nicht» sagt er. «Eine Sache, die immer wieder in den Zeitungen steht, könnte ich bei der Gelegenheit natürlich klarstellen: Ich bin nie sitzengeblieben. Aber dafür muss ich kein Buch schreiben», sagt er grinsend. «Ich mache nur das, wozu ich Lust habe.»



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