Spielerisch für´s Leben lernen – Soziale und emotionale Kompetenz von der Krabbelstube bis zur Ranzenzeit schulen!?

Pilot des fliegenden Koffers: Fantasie verleiht Kinder oft im wahrsten Sinne des Wortes Flügel. Das fantasievolle Spiel macht nicht nur Spaß, sondern wirkt sich zudem auf die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenz aus.

Bauklötzchen für Bauklötzchen übereinanderstapeln und sich an dem geschaffenen „Bauwerk“ erfreuen oder Schwester und Bruder beim Fangen hinterherdüsen: Im Spiel erlernen Kinder nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern auch soziale und emotionale Kompetenz. Doch welche Bedeutung nimmt das Spiel in den verschiedenen Entwicklungsphasen ein, wie lernt das Kind spielend empathisches Verhalten und benötigt es didaktische Anleitung?                                                                                                                                                     

Das Spiel – als Grundlage kindlichen Lernens und Erfahrens?

Jedes Kind freut sich darüber, wenn es heißt: „Komm wir spielen eine Runde!“ Dabei muss es nicht immer das Fußball oder das Spiel mit den geliebten Barbiepuppen sein. Für eine kindgerechte Spielrunde reichen oft ein wenig Kreativität und Fantasie aus – und wer, wenn nicht die Jüngsten, verfügen über ein großes Repertoire an Fantasie? Nachfolgend wird beschrieben, wie sich das Spiel auf die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenz auswirkt.

Soziale und emotionale Kompetenz: Wichtige Pfeiler der kindlichen Entwicklung

Teilen, weinen und lachen sowie Streit schlichten können: Dies ist Teil emotionaler und sozialer Kompetenz, welche eng miteinander verbunden sind. Denn wer Traurigkeit deuten kann und ein Taschentuch oder sein Ohr leiht, der zeigt gleichermaßen emotionale und soziale Kompetenz. Die Grundsteine für die eigenen psychosozialen Fähigkeiten werden in der Vorschulzeit gelegt. Doch wie verläuft die Entwicklung und warum sollten bereits in jungen Jahren die Grundpfeiler gelegt werden?

Mimik deuten lernen und Emotionen in Worte fassen

Grinsen bedeutet Freude! Oder? Mimik und Gestik einer Person verraten einiges über die Gefühlslage derselben. Dafür muss diese ihre Gefühle nicht unbedingt in Worte fassen. Die Fähigkeit Emotionen verstehen und deuten zu können, spricht für soziales und emotionales Einfühlungsvermögen. Ist diese Eigenschaft nur gering ausgeprägt, wirkt sich dies bereits in jungen Jahren maßgeblich auf die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit aus.

Was umfasst soziale Kompetenz und wie zeigt sie sich bei Kindern?

Soziale Kompetenz äußert sich bereits in früher Kindheit. Bestimmte Merkmale geben dann Aufschluss über die Ausgeprägtheit des sozialen Einfühlungsvermögens und dem Verständnis von Gefühlen. Generell umfasst die Fähigkeit des sozial angemessenen Handelns: Kommunikative Fertigkeiten, Übernahme fremder Perspektiven innerhalb von Interaktionen, Erkennen der Bedeutung von Freundschaften oder die Entwicklung von positiven Strategien zur Konfliktlösung. Nachfolgend einige Punkte, die soziale Kompetenz bei Kinder erkennen lassen.

  • Fähigkeit positive Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen (Loben, Unterstützen und Übernahme der Perspektive von Sozialpartnern).
  • Fähigkeit zur Reflektion eigener sozialer Handlungsweisen (Konfliktbewältigung und Regulierung der eigenen Stimmungslage).
  • Fähigkeit zur Regelanerkennung und Kooperation (auf den Lehrer hören, Kritik annehmen und Handeln nach moralischen oder sozialer Regeln).
  • Fähigkeit sich durchzusetzen und zu behaupten (Gespräche und Aktivitäten beginnen).


Zusatz: Auswirkungen mangelnder sozialer Kompetenz auf die kindliche Entwicklung

Kindern, deren soziale Kompetenz wenig ausgereift ist, haben oft Lernschwierigkeiten und generell ein eher negatives Verhältnis zu den Lehrpersonen.

Wird die soziale Kompetenz in jungen Jahren nur unzureichend ausgebildet oder erfährt das Kind durch Einflussfaktoren aus der Umwelt – zum Beispiel eine schlechte Eltern-Kind-Bindung – negative soziale Handlungsweisen, kann sich dies wiederum negativ auf die Entwicklung der kindlichen sozialen Kompetenz auswirken.

Eigenschaften und Verhaltensweisen von Kindern mit ausgeprägter sozialer Kompetenz

  • Erfolgreiche und unkomplizierte Anpassung an das soziale Umfeld
  • Soziale Beliebtheit
  • Prosoziales Verhalten und Suche nach sozialer Interaktion (Teilen und Kooperieren)
  • Wenig Schwierigkeiten beim Lernen und generell positives Verhältnis zu Lehrpersonen

Eigenschaften und Verhaltensweisen von Kindern mit mangelnder sozialer Kompetenz

  • Verhaltensprobleme (aggressives Verhalten gegenüber anderen Sozialpartnern)
  • Geringes prosoziales Verhalten
  • Vermeidung von sozialen Kontakten und ausgeprägte Schüchternheit
  • Lernschwierigkeiten und generell negatives Verhältnis zu Lehrpersonen

Was umfasst emotionale Kompetenz?

Freundlichkeit, Traurigkeit oder Lustlosigkeit: Emotionen gibt es viele. Während die einen Menschen besonders emotional sind, können andere Gefühlsregungen einfacher zurückhalten. Aber das Zurückhalten hat meist nichts damit zu tun, dass sie Gefühle generell nicht zeigen können. Den eigenen Gefühlen durch Sprache, Mimik oder Gestik Ausdruck verleihen zu können, ist Teil emotionaler Kompetenz. Darüber hinaus können sich emotional kompetente Menschen in andere Personen hineinfühlen, deren Gefühlslage erkennen und dementsprechend tröstend, aufmunternd oder beruhigend handeln. Emotionen werden als kurzzeitige Reaktionen auf verschiedene Umwelteinflüsse verstanden, die oft mit bestimmten physiologischen Handlungsweisen einhergehen. Sie gehören zum täglichen Leben dazu und wirken sich nicht nur entscheidend auf die eigene Stimmungslage aus, sondern zudem auf das Erleben und den Aufbau positiver sozialer Beziehungen. Dadurch dass der emotionalen Kompetenz ein wichtiger Wert für die Entwicklung von sozialen Beziehungen zugeschrieben wird, gehört die Herausbildung derselben zu einer der entscheidenden Pfeiler kindlicher psychosozialer Entwicklung – denn früh übt sich schließlich! Um emotional kompetent handeln zu können, müssen Kinder folgende Fähigkeiten erlernen:

  • Erkennen und Deuten eigener und fremder Mimik sowie Gestik
  • Die selbstständige Regulation von Emotionen - unter anderem von Ärger oder Trauer
  • Sprachlicher Emotionsausdruck und Verstehen von Emotionen

Die sprachliche, mimische und gestische Wiedergabe eigener Gefühle muss im Kindesalter erlernt werden. Die Ausbildung emotionaler Kompetenz ist zudem wichtig für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung. Im Grundschulalter beginnt das Kind sich selbst zu reflektieren, es kann seine Handlungen einordnen und bildet sich sein Selbstkonzept. Das Wahrnehmen und Ausdrücken von Gefühlen ist dem Kind bei seiner persönlichen Reflektion durchaus behilflich.

Zur Entwicklung emotionaler Kompetenz gehört jedoch nicht nur das Erfassen und Wiedergeben von Emotionen, sondern auch der Lernprozess, dass Gefühle in bestimmten Situationen unter anderem aufgrund von gesellschaftlichen Gepflogenheiten zurückgehalten werden sollten. Das heißt, gut gestimmt zu sein, ist zwar kein Problem, aber dies sollte zu traurigen Anlässen (wie einer Beerdigung) zurückgehalten werden. Den Unterschied zwischen dem Erleben und dem Ausdruck der Gefühle erlernen Kinder etwa ab dem dritten Lebensjahr. Dann beginnen sie bereits ihre Emotionen an bestimmte Situationen anzupassen oder einzusetzen, um gewisse Ziele zu erreichen.

Interaktion mit den Eltern, Sprachentwicklung und das „Wie“ des Handelns: Was nimmt Einfluss auf die sozioemotionale Entwicklung?

Kinder, die mit ihren Eltern in Interaktion stehen und offen über ihre Gefühle sprechen haben eine sichere Bindung zu Mutter und Vater. Diese wirkt sich positiv auf die Entwicklung sozioemotionale Kompetenz aus.

Der Mensch ist von Geburt an ein soziales und emotionales Wesen und der Wunsch nach emotionaler Bindung besteht von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter. Für die sozioemotionale Entwicklung – also der Herausbildung von sozialer und emotionaler Kompetenz – ist die Beziehung zu den Eltern besonders wichtig. Kinder, die an ihre Eltern gebunden sind, sich beschützt und verstanden fühlen, sind besonders gut in der Lage Emotionen zu zeigen und die anderer zu interpretieren. Sie sind in sozialer Interaktion in der Lage Emotionen wahrzunehmen und flexibel darauf zu reagieren. Zudem begünstigt eine gute Eltern-Kind-Bindung einen kompetenten, verbalen Ausdruck eigener Gefühle. Kurzum: Kinder mit einer ausgeprägten sozioemotionalen Kompetenz, die unter anderem auf Empathiefähigkeit und dem Zugang zu eigenen Gefühlen besteht, sind sicher gebunden. Das Modell und die Merkmale einer sicheren Bindung hat der Kinderarzt Sir John Bowlby in den 1950ern in seiner Theorie entwickelt. Auf dieser Theorie basieren verschiedene Bindungsmodelle, die das sozioemotionale Verhalten beeinflussen – und zwar bis ins Erwachsenenalter.

Ein großer Einflussfaktor auf die sozioemotionale Entwicklung stellen somit die familiären Verhältnisse dar:

  • Wie kommen Eltern ihrer Vorbildfunktion nach, zeigen ihre Gefühle und bringen diese zum Ausdruck?
  • Wie und wird überhaupt offen über Gefühle gesprochen?
  • Wie sensibel gehen Eltern mit den Gefühlen ihres Kindes um?
  • Wie unterstützen Eltern ihr Kind bei der Regulierung negativer Gefühle?

Das Eltern-Kind-Gespräch über Gefühle oder das Zeigen von Gefühlen findet schließlich, ob Zuhause, in der Freizeit oder in der Schule, immer innerhalb sozialer Interaktion statt. Hierbei nimmt dann der verbale Ausdruck von Emotionen oder Wünschen eine entscheidende Rolle ein. Ist die Sprachentwicklung jedoch gestört, kann sich dies negativ auf die Ausbildung der sozioemotionalen Entwicklung auswirken. Denn wenn Kinder ihre Wünsche oder Emotionen nicht kommunizieren können, obwohl sie unbedingt ein Ziel erreichen möchten (z.B. ein Stück vom Kuchen oder ein bestimmtes Spielzeug), führt dies oft zu aggressiven Verhaltensweisen. Diese schränken die soziale Interaktion ein beziehungsweise beeinflussen deren positiven Verlauf.

Freie Entfaltung: Spielend leicht zu eigener gesellschaftlicher und empathischer Kompetenz

Spielerisch sozial-emotionale Kompetenz erlernen? Das geht! Dann kommt es vor allem gelegen, dass die Entwicklung dieser einfühlenden Fähigkeit in die frühe Kindheit fällt – denn wer, wenn nicht die Jüngsten, liebt es zu spielen und sich auszuprobieren. Das kindliche Spiel kann ebenso wie Sprachentwicklung, Beziehung zu Gleichaltrigen und Bindung zu den Eltern auf die Entwicklung der sozioemotionalen Fähigkeiten Einfluss nehmen. Kinder mit sicherer Bindung, die schon früh lernen alleine und konzentriert zu spielen, sind später kompetenter und selbstbewusster im Spiel mit anderen Kindern.

Das kindliche Spiel und seine Unterscheidungen in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen

Ein Instrument, ein Brettspiel, Fangen oder Autokennzeichenerraten: Das Spiel oder das Spielen wird in verschiedenen Kontexten benutzt. Das kindliche Spiel besitzt unterschiedliche Merkmale, die es zu einem wichtigen Instrument in der sozioemotionalen Entwicklung machen. Teil des Spiels sind jeweils die Faktoren kindliche Aktivität, Orientierung, Anpassung, Veränderung und die Auseinandersetzung mit der Umwelt. Spätestens zum Schulstart kommt im Spiel zudem die Interaktion mit Gleichaltrigen hinzu.

Merkmale des Spiels: Rituale, Austausch mit anderen Kindern und fiktive Welten

  • Spiel zum Selbstzweck: Spaß am Spielen, Befriedigung der Wiss- und Neugierde sowie Interesse an der eigenen Umwelt.
  • Rituale: Bewegungsabläufe oder Spielregeln, die sich immer wieder wiederholen.
  • Problembewältigung: Konflikte sowie negative Gedanken können durch das positiv besetzte Spiel gelöst werden.
  • Realitätswechsel: Erschaffung fiktiver Welten und Schlüpfen in unterschiedliche Rollen.
  • Kommunikation: Im Spiel wird meist mit Gleichaltrigen kommuniziert und es werden soziale Kontakte geknüpft.
  • Regeln: Vorgegebenes oder eigens geschaffenes Regelwerk. Oft sind die Regeln besonders im freien Spiel flexibel und es darf sich ausprobiert werden.

Die Spielentwicklung: Vom Funktionsspiel bis hin zum Regelspiel

Die Fähigkeit zu Spielen besitzen Menschen bereits im Säuglingsalter. Während das Spiel dann oft überwiegend aus dem Anschauen von Bilderbüchern, dem Kauen auf dem Beißring oder dem Knuffen des Stoffbären besteht, nehmen die Spiele in höheren Lebensjahren immer komplexere Strukturen an. Die nachfolgenden Spiele zeichnen einen Weg der kindlichen Spielentwicklung auf. Diese bauen meist aufeinander auf und vermischen sich.

  • Sensomotorisches Spiel (2. – 6. Monat): Die ersten Spiele sind sensomotorisch. Das Kind setzt sich mit seinem Körper auseinander und zeigt Freude an seinen eigenen Körperbewegungen. Mund und Hände werden zum Entdecken der Umwelt genutzt. Zudem begeistert das Spiel mit den ersten Lauten, die aus dem Mund entweichen. Bei den sensomotorischen Spielen handelt es sich hauptsächlich um Bewegungsspiele, zu denen das Kind nicht von außen motiviert wird.
  • Konstruktionsspiel (6. – 12. Monat): Beim Konstruktionsspiel geht es nicht mehr darum verschiedene Gegenstände nur mit Mund oder Händen zu entdecken. Vielmehr wird jetzt nach dem Zweck der Dinge geforscht. Kinder probieren sich aus und die Bauklötze werden nicht mehr länger nur angeknabbert, sondern gestapelt oder aneinandergeschlagen.
  • Symbolspiel (2. – 3. Jahre): Bei Symbolspiel ahmen Kinder bestimmte Verhaltensweisen nach, die sie bei sich selbst oder anderen Menschen im Alltag beobachtet haben. So muss auch die Puppe lernen auf das Töpfchen zu gehen und vom Löffel zu essen. Die spielerische Auseinandersetzung mit Alltagssituationen, hilft diese selbst leichter zu meistern und reflektieren zu können.

Clown, Cowboy oder Hund: Kinder schlüpfen gerne in andere Rollen. Das Rollenspiel gehört zu einer Spielart auf dem Weg der kindlichen Spielentwicklung.

  • Rollenspiel (ab 3 Jahren): Das Rollenspiel ist eine Weiterentwicklung des Symbolspiels. Im Gegensatz zum Symbolspiel wird das Spiel vorab genau geplant und vorbereitet, deshalb erfordert das Rollenspiel mit Gleichaltrigen bereits eine ausgeprägte soziale Kompetenz. Kinder müssen sich eine Handlung überlegen, Rollen ausdenken, über ein bereist ausgeprägtes Sprachvermögen verfügen und die Geduld haben ihre Rollen über einen längeren Zeitraum beizubehalten. Durch die Teilnahme anderer Sozialpartner ist das Rollenspiel wichtiger Bestandteil der frühkindlichen Entwicklung sozialer Kompetenz. Den Spaß am Rollentausch und Anstöße für das Spiel können Eltern dem Kind auch durch interaktive Erweiterungen der Vorleserunde vermitteln. Neben den verschiedenen Gründen, die für frühzeitiges Vorlesen sprechen, verstärkt die Kombination von Spielen und Lesen Kreativität, Empathie, kognitive Fähigkeiten sowie sozioemotionale Kompetenz.
  • Bewegungsspiele (ab dem ersten Lebensjahr): Während der Säugling seine Bewegungsspiele auf das hin und her Wiegen des Oberkörpers oder das Strecken der Füßchen im Bett beschränkt, können die Bewegungsspiele ab dem Alter von einem Jahr etwas umfassender gestaltet werden. Das Kind kann in der Hocke wie eine Ente watscheln oder im aufrechten Gang mit gestreckten Armen und Beinen wie ein Soldat gehen. Die Bewegungsspiele sollten den motorischen Fähigkeiten angepasst werden. Ab dem Alter von drei Jahren können Kinder unter anderem ohne Probleme rückwärts oder seitwärts gehen und sich mit den Außen- und Innenkanten des Fußes fortbewegen. Yoga-Bewegungsübungen für Kinder sind ab dem Kindergartenalter geeignet. Sie sorgen gleichermaßen für Bewegung, Entspannung und sozialen Austausch.


Allround-Talent „Spiel“: Welche Kompetenzen es für das Leben stärkt

„Komm, wir spielen etwas zusammen!“ – Brauchen Kinder Anleitung zum Spielen?

Selbstverständlich fordern Eltern, Freunde oder Erzieher Kinder zum Spielen auf. Jedoch benötigen diese nicht immer den Anstoß von einem Erwachsenen, um sich im Spiel auszuprobieren und so ihre soziale und emotionale Kompetenz zu stärken.

Kinder möchten selbstbestimmt spielen

Kinder können die Aufforderung zum Spielen oft auch als Bevormundung verstehen. Vor allem, wenn sie das Grundschulalter erreichen, sich auf die Suche nach ihrem Selbstbild machen, sich selbst reflektieren, Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen und sich in gewissem Maß fernab ihrer Eltern entwickeln. Gerade im Spiel möchten Kinder keine Einmischung von Erwachsenen, da sie sich häufig in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Sie sind von Natur aus experimentierfreudig und neugierig, so dass sie besonders im freien Spiel keine strukturierten Vorgaben der Eltern wünschen. So können die Kleinsten ihre soziemotionale Kompetenz ausbauen und sich selbst in Interaktion mit Gleichaltrigen erproben.

Spielerisch lernen ohne didaktische Anleitung?

Klar spielen Kinder auch gerne mit ihren Eltern, aber dennoch brauchen sie von ihnen keine didaktische Anleitung zum Spiel. Sie sammeln vor allem im freien Spiel wertvolle eigene soziale Lernerfahrungen.

Kinder lassen sich somit nicht gerne von den Erwachsenen in ihr Spielhandwerk fuschen – doch brauchen diese nicht dennoch Anleitung von ihren Eltern? Verschiedene psychologische Untersuchungen bestätigen die Bedeutung des Spiels für den Lernprozess. Aktivität wirkt sich demnach positiv auf die kindliche Entwicklung und vor allem auf die soziale Kompetenz und das schulische Lernen aus. Die lernorientierten Spielwirkungen bestätigen Ergebnisse einer Studie des Kantons Zürich aus den Neunzigern, welche ergab, dass Kindergartenkinder vor allem unsystematisch lernen und 80 Prozent der Entwicklungsanstöße auf das freie Spiel zurückgehen.


Lernspiele, Lern-Apps oder der Vereinssport? Was braucht das Kind wirklich?

Klar spielen Kinder auch gerne mit ihren Eltern, aber dennoch brauchen sie von ihnen keine didaktische Anleitung zum Spiel. Sie sammeln vor allem im freien Spiel wertvolle eigene soziale Lernerfahrungen.

Das Spielen muss das Kind demnach weder lernen noch braucht es unbedingt didaktische Anleitung. Seit Beginn zunehmender Digitalisierung vergnügen sich Kinder jedoch nicht mehr nur auf dem Pausenhof oder dem nachgelegen Spielplatz, sondern auch mit Lern-Apps. Tests verschiedener Lern-Apps zeigen wie die Anwendungen funktionieren und was diese den Kindern vermitteln. Die Apps beinhalten meist Spiele, die neben dem Spaßfaktor auch einen lernenden Effekt mit sich bringen. Für Kinder, die in die digitale Welt hineinwachsen, sind die Apps wohl kaum wegzudenken, da bereits die Kleinsten die Großen nachahmen und nach Tablet oder Smartphone greifen. Aber dennoch sollte über das digitale-spielerische Lernen nicht das freie Spiel mit Gleichaltrigen vernachlässigt werden. Um dies zu gewährleisten, sind unbedingt feste Zeiten für das Spiel mit Tablet und Co. festzulegen. Denn zur Ausbildung von sozialer und emotionaler Kompetenz ist unbedingt der Kontakt zu Gleichaltrigen und der verbale Austausch notwendig, denn nur so können reale emotionale Regelungen und Handlungsweisen reflektiert und eingeschätzt werden.

Um die soziale Kompetenz zu schulen lohnt sich auch der Eintritt in einen Sportverein. Dort kommt das Kind nicht nur mit Gleichaltrigen in Kontakt, sondern der Mannschaftssport vereint zudem Bewegung und Spiel. Jedoch sollten Eltern darauf achten, dass das Kind keinem externen Leistungsdruck ausgesetzt ist, nach dem Motto: „Höher, schneller und weiter.“ Denn der Spaß und das Gefühl frei wählen zu können, wie viel Einsatz im Spiel gezeigt wird, stehen im Vordergrund. Überwiegt der Druck andere übertrumpfen zu müssen oder wird dem Kind das Gefühl vermittelt, das Leistung im Vordergrund steht, kann sich das negativ auf die Stimmung und den Umgang mit den Mitspielenden auswirken. Da es sein kann, dass sich das Kind aufgrund des Gedankens andere ausloten zu müssen, distanziert oder es aneckt.

Fazit: Wie sich spielerisches Lernen auf die Entwicklung des Kindes auswirkt

Spielend lernen, das bedeutet in jungen Jahren nicht nur, dass das Spielen an sich leicht fällt, sondern dabei zudem soziale und emotionale Kompetenz erlernt wird. Durch die Interaktion mit Gleichaltrigen erlernt das Kind Grenzen und Regeln zu akzeptieren und Konflikte eigenständig zu lösen. Darüber hinaus sollen Eltern mit ihren Sprösslingen über ihre Emotionen sprechen, denn das führt dazu, dass das Kind eigene Emotionen zu reflektieren und die anderer zu verstehen lernt. Das Spiel ist bereits im Säuglingsalter wichtiger Bestandteil der Entwicklung. Während sich sensomotorische Spiele zunächst auf die Erkundung des Körpers beschränken, sorgen Rollenspiele etwa ab dem Alter von drei Jahren für soziale Interaktion und somit den Ausbau sozialer Kompetenz. Anleitung brauchen Kinder im Spiel nicht, denn Fantasie, kindliche Aktivität und die Neugierde für die Umwelt genügen bereits, um im Spiel Lernerfahrungen zu machen.


Bilder: Abbildung 1: © Konstantin Yuganov – fotolia.com (#107458309); Abbildung 2: © Africa Studio – fotolia.com (#118170062); Abbildung 3: ©  Alexey Rumyantsev – fotolia.com (#93902199); Abbildung 4: © Natallia Vintsik – fotolia.com (#71736355); Abbildung 5: © altanaka – fotolia.com (#94310095); Abbildung 6: © Halfpoint – fotolia.com (#112740735)


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